US-Inflationszahlen drücken Renditen


14.07.23 08:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nachdem in der vergangenen Woche die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen nach der Veröffentlichung robuster Arbeitsmarktdaten wieder über die 3,90%-Marke katapultiert wurde (nach mehr als einem Jahrzehnt!), ist in den letzten Tagen die Rendite wieder unter die 3,90%-Marke gefallen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Grund hierfür seien vor allem schwache Konjunkturdaten aus Europa, schlechtere Wachstumsaussichten global, aber vor allem die überraschend stark gesunkene US-Verbraucherpreisinflation. Angesichts stärker als erwartet gefallener US-Inflationszahlen hätten sich erneut Diskussionen darüber ergeben, ob auf der Juli-Sitzung der FED tatsächlich - wie ursprünglich erwartet - eine weitere Leitzinserhöhung um 25 BP erfolgen werde. Der Abwärtstrend der US-Renditen sei zudem etwas abgeschwächt worden durch positive Meldungen zum Besuch der US-Finanzministerin Janet Yellen in China, die die Anleger angesichts der geopolitischen Spannungen zwischen den beiden Ländern etwas beruhigt hätten. Aktuell stehe die Rendite der T-Notes mit zehnjähriger Laufzeit bei 3,83% und die der Bunds mit derselben Laufzeit bei 2,53%.

Die Eurozone befinde sich aktuell in einer technischen Rezession, das BIP sei in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen geschrumpft. Vor allem in Deutschland scheine sich die Lage auch kaum zu verbessern: Der kürzlich veröffentlichte ZEW-Index für Juli, der die Konjunkturerwartungen für Deutschland durch Befragung von Finanzanalysten bemesse, sei auf -14,7 Punkte (Juni: -8,5) gesunken. Die Aussichten für Deutschland scheinen in Bezug auf das restliche Jahr auch nicht rosig zu sein, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. So lasse sich der "Wirtschaftsweise" Achim Truger verstehen, der jüngst signalisiert habe, dass die bisherige BIP-Schätzung des Sachverständigenrats von 0,2% BIP-Wachstum in diesem Jahr kaum zu halten sei: "Wir machen erst im Herbst wieder eine Konjunkturprognose, aber im Moment sieht es, wie gesagt, klar nach einem Minus aus."

Aber auch global scheinen die Wachstumsaussichten laut der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) gedämpft zu bleiben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Der IWF erwarte für die nächsten fünf Jahre ein durchschnittliches globales Wirtschaftswachstum von rund 3% pro Jahr. Damit läge die Zunahme der Wirtschaftsleistung jährlich fast ein Viertel unter dem historischen Durchschnitt, der bei etwa 3,8% pro Jahr liege.

In den USA sei die gesamtwirtschaftliche Lage hingegen etwas erfreulicher - und helfe der US-Zentralbank: Nach den relativ starken Arbeitsmarktdaten der letzten Woche habe die FED sich jüngst über eine im Juni stärker als erwartetet gesunkene US-Inflation freuen können. Die jährliche US-Verbraucherpreisinflationsrate habe sich im Juni 2023 auf 3% verlangsamt und damit den niedrigsten Stand seit März 2021 erreicht - verglichen mit 4% im Mai und Markterwartungen von 3,1%. Die Verlangsamung sei zum Teil auf einen hohen Basiseffekt durch den kräftigen Preisauftrieb im Vorjahr zurückzuführen, als ein Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise die Gesamtinflationsrate auf 9,1% getrieben habe, den höchsten Wert seit dem Jahr 1981.

Die Freude der FED sei von den Anleger am Rentenmarkt geteilt worden, denn die Nachfrage nach Staatsanleihen sei schlagartig hochgegangen sich die hohen Renditen zu sichern. Darauf folgend sei die Rendite der T-Notes wieder unter die 3,90%-Marke gesackt. Für etwas Entlastung beim Verfall der Renditen dürfte der viertägige China-Besuch von US-Finanzministerin Janet Yellen gesorgt und eine gewisse Beruhigung der geopolitischen Spannungen erreicht haben. Yellen habe eine positive Bilanz gezogen und sei zuversichtlich gewesen, dass ihr Besuch geholfen habe, die Beziehungen auf eine "sicherere Grundlage" zu stellen.

Auch wenn die Analysten der Hamburg Commercial Bank weiterhin davon ausgehen, dass die Juli-Sitzung der Notenbanken, trotz der Bedenken des Marktes, eine Erhöhung der Leitzinsen um 25 BP in Frankfurt und Washington zur Folge haben dürfte, wird es insbesondere in den USA wohl im Vorfeld der Sitzung wieder eine Debatte um die Zinserhöhung geben. Auch wenn FED-Chef Jerome Powell auf seiner kürzlich beendeten Europareise nicht mit hawkish klingenden Tönen gespart habe, gebe es eine Gruppe von FOMC-Mitgliedern, die Angst davor habe, dass die FED im Kampf gegen die Inflation womöglich zu viel tue und damit eine schwerere Rezession riskiere, als notwendig wäre, um die Inflation zu zähmen. Diese Gruppe habe im vergangenen FED-Meeting daher schon auf eine Pause im Zinserhöhungszyklus gedrängt.

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Stimmen, wie die der Präsidentin der Cleveland-FED Loretta Mester; diese sage ganz klar: "Um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf einem nachhaltigen und zügigen Pfad zurück zu zwei Prozent befindet, muss der Leitzins meiner Meinung nach von seinem derzeitigen Niveau aus noch etwas weiter ansteigen."

Datenseitig blicken wir diese Woche in der Eurozone mit Spannung auf die Veröffentlichung der Außenhandelszahlen (14.07.), so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Das Außenhandelsdefizit habe im April 2023 11,7 Mrd. USD betragen, laut Reuters-Schätzung dürfte dieses Defizit auf 7,6 Mrd. USD fallen. In den USA werde nach der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten der Index für das Konsumentenvertrauen der Uni Michigan (14.07.) erwartet. Im Juni habe dieser Wert 64,4 betragen und dürfte gemäß Konsensschätzung im Juli auf 65,5 steigen, was der höchste Wert seit Februar 2023 wäre. Außerdem würden US-Einzelhandelsumsätze für den Juni am 18.7. erscheinen. Für Mai sei ein Wert +0,3% J/J bekannt gegeben worden. Im Juni gehe die Konsensschätzung von einem leichten Anstieg auf +0,5% J/J aus. (Ausgabe vom 13.07.2023) (14.07.2023/alc/a/a)