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US-Inflationserwartungen: Anker los!?
02.05.25 13:11
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - "So we are back to transitory, again?" war die Reaktion des Reporters der Nachrichtenagentur Reuters auf Ausführungen Jerome Powells während der Pressekonferenz am 19. März, so die Analysten der Helaba.
Powell habe die wahrscheinliche Wirkung von Zöllen auf das Preisniveau als dauerhaft, aber auf die Inflationsrate als wohl nur vorübergehend ("transitory") charakterisiert. Dies habe nicht nur bei den anwesenden Journalisten Erinnerungen an das Jahr 2021 geweckt, als sich eine ähnliche Einschätzung der Fed als katastrophaler Fehler erwiesen habe. Powell habe es vorgezogen, einen anderen Teil der Frage des Reuters-Reporters zu beantworten. Er habe aber seitdem eingestanden, dass es durchaus handfeste Risiken gebe, der Zollschock könne eine neue Inflationswelle lostreten.
Während die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen mehr auf die negativen konjunkturellen Wirkungen des Handelskriegs fokussiert gewesen seien, müsse die Fed - gerade auch vor dem Hintergrund ihres letzten Politikfehlers - die Inflationsseite sehr genau im Auge behalten. Bisher habe sie dabei die Inflationserwartungen zumindest längerfristig als gut verankert beschreiben können. Laut neuen Daten scheine der Anker aber zuletzt in Bewegung gekommen zu sein - und das, obwohl die Umfragen einen Zeitraum abdecken würden, in dem die Zölle noch gar nicht voll wirksam gewesen seien.
Habe die Fed den sprunghaften Anstieg der langfristigen Inflationserwartungen der Haushalte laut der University-of-Michigan-Umfrage noch als Ausreißer darstellen können, habe sich das Bild zuletzt weiter eingetrübt. Die monatliche Verbraucherumfrage der New York Fed zeige zwar bislang noch keinen Anstieg. Allerdings sei es eher überraschend, dass die Michigan-Zahlen eine solche Entwicklung überhaupt schon zeigen würden, bevor die Effekte der Zölle "in den Supermärkten" angekommen seien. Der wahre Test stehe noch aus: Was passiere, wenn sich die Konsumenten zum zweiten Mal in fünf Jahren beim Einkaufen mit einem heftigen "sticker shock" konfrontiert sähen?
Hinzu kämen andere Indikatoren, die nautisch Interessierte eher an Treibanker als an die "fixe" Sorte erinnern könnten. So zeige die Unternehmensumfrage der Atlanta Fed aktuell einen Anstieg der Inflationserwartungen, wie es ihn in ihrer mehr als zehn Jahre langen Historie bisher nur in der Folge der Pandemie gegeben habe. Dies sei mindestens ebenso wichtig wie die Entwicklung auf der Verbraucherseite. Schließlich seien es die Unternehmen, die Preisentscheidungen träfen und dafür zwischen relativen Preisänderungen (Knappheitssignalen) und allgemeiner Teuerung differenzieren müssten. Darüber hinaus hätten die von Bloomberg befragten Prognostiker im April verglichen mit März nicht nur ihre Inflationsprognosen für 2025, sondern ebenso für 2026 und 2027 angehoben, wenn auch letztere im Schnitt nur um ein Zehntel.
Schließlich gebe es noch die Möglichkeit, Inflationserwartungen aus den Finanzmärkten zu extrahieren. Dies bringe andere Probleme mit sich als Umfragen unter Unternehmen oder Verbrauchern. Ein Versuch, eine möglichst "reine" Erwartungskomponente aus den Zinsen abzuleiten, sei die sogenannte "Aruoba-Zinsstruktur der Inflationserwartungen" (ATSIX) der Philadelphia Fed. Diese zeige in den vergangenen Monaten eine erhebliche Verschiebung nach oben, vor allem auf kurze Sicht, aber durchaus auch auf längere Frist von bis zu zehn Jahren. Ob dies nun schon ein "Anker los!" am Rentenmarkt bedeute, liege im Auge des Betrachters.
Die Fed werde auf der Sitzung in der Berichtswoche den Leitzins mit großer Wahrscheinlichkeit unverändert lassen und sich angesichts des unsicheren Ausblicks auch mit klaren Aussagen über den zukünftigen Kurs zurückhalten. Zusätzlich werde ihre Arbeit durch die wiederholten Angriffe Donald Trumps erschwert, der Powell zuletzt als "major loser" beschimpft habe. Auch wenn der US-Präsident Powell nicht frühzeitig entlassen sollte, stelle sein Vorgehen in Frage, wie "unabhängig" dessen Nachfolger ab Mai 2026 agieren könne.
Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Fed grundsätzlich auf ihrem - derzeit pausierten - Zinssenkungskurs bleiben könne und erst ab Herbst den Leitzins wieder senken werde. Bis Mitte 2026 dürfte dann mit rund 3,5% ein weitgehend "neutrales" Zinsniveau erreicht sein. Die Prognoserisiken hierfür seien aber in den vergangenen Wochen gestiegen - und zwar beidseitig: Rutschten die USA dank Trumps Handelskrieg in die Rezession, würde die Fed wohl schneller und stärker lockern. Löse sich wegen der Zölle der Anker der Inflationserwartungen, dann seien sogar Zinserhöhungen plausibel. (02.05.2025/alc/a/a)
Powell habe die wahrscheinliche Wirkung von Zöllen auf das Preisniveau als dauerhaft, aber auf die Inflationsrate als wohl nur vorübergehend ("transitory") charakterisiert. Dies habe nicht nur bei den anwesenden Journalisten Erinnerungen an das Jahr 2021 geweckt, als sich eine ähnliche Einschätzung der Fed als katastrophaler Fehler erwiesen habe. Powell habe es vorgezogen, einen anderen Teil der Frage des Reuters-Reporters zu beantworten. Er habe aber seitdem eingestanden, dass es durchaus handfeste Risiken gebe, der Zollschock könne eine neue Inflationswelle lostreten.
Während die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen mehr auf die negativen konjunkturellen Wirkungen des Handelskriegs fokussiert gewesen seien, müsse die Fed - gerade auch vor dem Hintergrund ihres letzten Politikfehlers - die Inflationsseite sehr genau im Auge behalten. Bisher habe sie dabei die Inflationserwartungen zumindest längerfristig als gut verankert beschreiben können. Laut neuen Daten scheine der Anker aber zuletzt in Bewegung gekommen zu sein - und das, obwohl die Umfragen einen Zeitraum abdecken würden, in dem die Zölle noch gar nicht voll wirksam gewesen seien.
Hinzu kämen andere Indikatoren, die nautisch Interessierte eher an Treibanker als an die "fixe" Sorte erinnern könnten. So zeige die Unternehmensumfrage der Atlanta Fed aktuell einen Anstieg der Inflationserwartungen, wie es ihn in ihrer mehr als zehn Jahre langen Historie bisher nur in der Folge der Pandemie gegeben habe. Dies sei mindestens ebenso wichtig wie die Entwicklung auf der Verbraucherseite. Schließlich seien es die Unternehmen, die Preisentscheidungen träfen und dafür zwischen relativen Preisänderungen (Knappheitssignalen) und allgemeiner Teuerung differenzieren müssten. Darüber hinaus hätten die von Bloomberg befragten Prognostiker im April verglichen mit März nicht nur ihre Inflationsprognosen für 2025, sondern ebenso für 2026 und 2027 angehoben, wenn auch letztere im Schnitt nur um ein Zehntel.
Schließlich gebe es noch die Möglichkeit, Inflationserwartungen aus den Finanzmärkten zu extrahieren. Dies bringe andere Probleme mit sich als Umfragen unter Unternehmen oder Verbrauchern. Ein Versuch, eine möglichst "reine" Erwartungskomponente aus den Zinsen abzuleiten, sei die sogenannte "Aruoba-Zinsstruktur der Inflationserwartungen" (ATSIX) der Philadelphia Fed. Diese zeige in den vergangenen Monaten eine erhebliche Verschiebung nach oben, vor allem auf kurze Sicht, aber durchaus auch auf längere Frist von bis zu zehn Jahren. Ob dies nun schon ein "Anker los!" am Rentenmarkt bedeute, liege im Auge des Betrachters.
Die Fed werde auf der Sitzung in der Berichtswoche den Leitzins mit großer Wahrscheinlichkeit unverändert lassen und sich angesichts des unsicheren Ausblicks auch mit klaren Aussagen über den zukünftigen Kurs zurückhalten. Zusätzlich werde ihre Arbeit durch die wiederholten Angriffe Donald Trumps erschwert, der Powell zuletzt als "major loser" beschimpft habe. Auch wenn der US-Präsident Powell nicht frühzeitig entlassen sollte, stelle sein Vorgehen in Frage, wie "unabhängig" dessen Nachfolger ab Mai 2026 agieren könne.
Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Fed grundsätzlich auf ihrem - derzeit pausierten - Zinssenkungskurs bleiben könne und erst ab Herbst den Leitzins wieder senken werde. Bis Mitte 2026 dürfte dann mit rund 3,5% ein weitgehend "neutrales" Zinsniveau erreicht sein. Die Prognoserisiken hierfür seien aber in den vergangenen Wochen gestiegen - und zwar beidseitig: Rutschten die USA dank Trumps Handelskrieg in die Rezession, würde die Fed wohl schneller und stärker lockern. Löse sich wegen der Zölle der Anker der Inflationserwartungen, dann seien sogar Zinserhöhungen plausibel. (02.05.2025/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 23.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


