US-Inflation wohl über den Berg - Anders als in Europa


10.08.22 16:31
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Die heute Nachmittag veröffentlichten US-Verbraucherpreistrends zeigen einen stärkeren Rückgang der amerikanischen Gesamtinflation als die Konsensschätzung es erwarten ließ, so die Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank in ihrem aktuellen "Wochenausblick".

Die Preissteigerungsrate sei von 9,1% im Juni auf 8,5% im Juli zurückgegangen. Der Markt habe einen Rückgang auf 8,7% antizipiert. Ohne Energie und Nahrungsmittel sei die Kerninflation mit 5,9% stabil zum Vormonat geblieben, während Volkswirte hier durchschnittlich mit einem leichten Anstieg gerechnet hätten.

Damit hätten sich - auf Basis zuletzt überwiegend rückläufiger Rohstoffpreistrends unter anderem im Öl- und Agrarbereich - vor allem die Energie-, aber auch die Nahrungsmittelkomponenten im Juli gegenüber dem entsprechenden Vorjahrsmonat als weniger verbraucherpreistreibend als noch im Juni erwiesen. Insbesondere der klare Rückgang der Benzinpreise habe eine wichtige Rolle gespielt. Während die wichtige Mietpreiskomponente weiterhin spürbar zugelegt habe, hätten sich die schwankungsintensiveren Gebrauchtwagenpreise entspannt. Auch bei Gütern insgesamt (inklusive Bekleidung), sowie im Transportbereich (z.B. Flugtickets, Mietwägen) und Dienstleistungen wie Hotelübernachtungen sei der Preisdruck im Juli rückläufig gewesen.

Die Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank würden nun weiterhin davon ausgehen, dass die US-Inflationsrate ihren Höhepunkt im aktuellen Zyklus im Juni gesehen habe. Darauf würden nicht nur die in den vergangenen Monaten überwiegend rückläufigen Preistrends sowohl im Energie- (vor allem bei Öl), Metall- und Agrarbereich hindeuten. Vielmehr lasse der industrielle Preisdruck nach. Dies sehe man unter anderem am Einbruch der Preiskomponente der Einkaufsmanager-Befragung des Institute for Supply Management für das Verarbeitende Gewerbe vom Juli. Und Chinas weiterhin klar rückläufige Produzentenpreise ("Werkbank der Welt") würden ebenfalls auf weiter abnehmenden Güter-Inflationsdruck im Westen hindeuten.

Während wir uns damit in unserer Prognose, dass die US-Inflation bereits im Juni ihren Höhepunkt gesehen hat, bestätigt sehen (die Kerninflation hatte bereits im März ihr bisheriges Hoch markiert), erwarten wir dies in Europa inklusive Deutschlands erst später, vermutlich gegen Jahresende, so die Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank. Schließlich treibe hier anders als in den USA die Gas-Krise insbesondere die Gas- und Strompreise in die Höhe, was auch bei vielen Gütern und Dienstleistungen den Preisdruck bis auf weiteres höher als in Amerika halte. Die Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank würden per Jahresende 2023 mit 3,2% Gesamtinflation in den USA und 3,5% in der Eurozone rechnen.

Für die FED würden die heutigen Zahlen nach dem starken Juli-Arbeitsbericht vom Freitag einen weiteren wichtigen Datenpunkt bedeuten, der den Druck für einen weiteren Leitzinsschritt von über 50 Basispunkten nach oben erst einmal etwas nehme. Die Experten von Merck Finck a Quintet Private Bank würden bis zum Jahresende unverändert mit insgesamt noch 100 Basispunkten nach oben rechnen und damit weniger, als die Märkte einpreisen würden. Ende 2023 dürfte es dann aus unserer Sicht in den USA vermutlich bereits wieder die erste Leitzinssenkung geben. (10.08.2022/alc/a/a)