US-Inflation: Niedrige Erwartungen, mögliche Befürchtungen


23.09.24 10:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Inflation normalisiert sich und der Arbeitsmarkt kühlt sich ab, so Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management).

Die Wirtschaft befinde sich auf einem Kurs, der typischerweise zu einer weiteren Inflationsabschwächung führe. Der fiskalische Impuls, der den Verbraucher stark halte, lasse nach. Jerome Powell habe das FOMC davon überzeugen können, den Leitzins auf eine "neutralere" Position zu bringen, um das "noch solide" Bild zu bewahren. Sein Fokus liege auf der Erhaltung eines gesunden Arbeitsmarktes, nicht auf der Inflation.

Der Weg zur Neutralität aber führe über weitere Zinssenkungen. Eine Zinsentwicklung, die die Politik auf neutrale Zinssätze (maximal 3 %) normalisiere, sei das erforderliche Minimum. Vieles davon, aber auch nicht mehr, sei bereits am kurzen Ende der US-Zinsstrukturkurve eingepreist.

Die nächste FOMC-Sitzung finde kurz nach den US-Wahlen statt und werde wahrscheinlich nicht versuchen, politische Schlagzeilen zu machen; daher wäre eine Senkung um 25 Basispunkte angemessen. Dies eröffne Spielraum für weitere Senkungen im Dezember und im neuen Jahr. Eine stärkere Konjunkturabschwächung würde eine zusätzliche Lockerung erfordern.

Die Renditen für 2- und 10-jährige Anleihen würden nur wenig auseinander liegen; dieser Teil der Renditekurve sei flach. Der Terminmarkt preise bereits eine steilere Kurve ein – demnach würde der Renditeunterschied zwischen 2 und 10 Jahren in den nächsten sechs Monaten um 0,40 % steigen. Man erwarte, dass dies schneller eintrete. Dies rechtfertige die derzeitige übergewichtete Duration, wobei die Übergewichtung am kürzeren (steileren) Ende der Kurve die wichtigere sei: Sie habe sich bereits in den vergangenen Monaten bewährt.

Die kurzfristigen Inflationserwartungen seien angesichts der sich abschwächenden Konjunkturaussichten deutlich gesunken. Auf Sicht von zwei Jahren seien sie von über 2,9 % im ersten Quartal auf unter 1,7 % gefallen. Dies scheine attraktive Einstiegspunkte für inflationsgebundene Anleihen zu bieten. Wer die Konjunkturaussichten negativer einschätze, solle umso länger mit dem Einstieg warten, da in diesem Fall mit einer weiteren Schwäche zu rechnen sei.

Die Zinssenkungen der Fed dürften jedoch die Angst vor steigender Inflation schüren. Dies könnte zusammen mit einem positiven Basiseffekt bei einigen Inflationskomponenten dazu führen, dass der Zinsmarkt holpriger werde als wünschenswert. Aber daran sei man inzwischen gewöhnt. (23.09.2024/alc/a/a)