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US-High-Yield-Anleihen-Markt: groß, liquide und attraktiv


16.03.12 09:59
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Marktwert des US-High-Yield-Universums beträgt mehr als 1 Billion USD, was etwa 80% des globalen Marktes für Hochzinsanleihen entspricht, so Doug Forsyth, Managing Director bei Allianz Global Investors Capital.

Dies sei der größte, am stärksten diversifizierte und liquideste Markt der Welt. High-Yield-Märkte außerhalb der USA seien in der Regel auf bestimmte Sektoren konzentriert, wodurch das dortige Klumpenrisiko, nur auf spezielle Sektoren fokussiert zu sein, höher ausfalle als bei einer Investition in US-High-Yield-Anleihen. Zudem würden die USA die am weitesten entwickelten Gläubigerschutzgesetze besitzen, wodurch Gläubiger in diesem System zumeist besser geschützt seien als in Märkten außerhalb der USA. Und nicht zuletzt würden die Corporate-Governance-Gesetze der USA als die strengsten der Welt gelten, wodurch gute Voraussetzungen für eine korrekte und transparente Unternehmensberichterstattung gegeben seien.

Die hohen Renditedifferenzen (Spreads) Ende Februar 2012 - annähernd 650 Basispunkte - würden dem High-Yield-Segment einen spürbaren Zinsvorteil verleihen, nicht nur gegenüber Staatsanleihen, sondern auch im Vergleich zu anderen Schuldverschreibungen. Makroökonomische Ereignisse hätten zu einem weiteren Anstieg der Kursvolatilität und zur Ausweitung der Spreads geführt.

Der Markt nehme deutlich höhere Ausfallraten vorweg, als sie - sowohl gegenwärtig als auch in naher Zukunft - realistisch erscheinen würden. Die aktuelle Ausfallrate habe sich Ende Januar 2012 mit 2,19% in der Nähe eines Rekordtiefs befunden, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von 3 bis 4%. Die Experten würden für die kommenden zwölf bis 18 Monate selbst für den Fall eines Abgleitens in die Rezession nicht mit einem Anstieg der Ausfallraten auf über 6% rechnen.

Die Bilanzen der Unternehmen seien - im Unterschied zu 2008 - sehr gesund und würden hohe Liquiditätsbestände aufweisen. Unternehmen hätten einen Großteil ihrer Schulden refinanziert, wodurch sie die Kosten ihres Schuldendienstes deutlich verringert hätten. Diese Entwicklung dürfte zu einer weiter ansteigenden Liquidität sowie einer geringen Verschuldung der Unternehmen insgesamt führen, was sich günstig auf deren operativen Leistungsfähigkeit auswirke, was wiederum zu einem niedrigeren Ausfallrisiko führen sollte.

Man beobachte einen positiven Trend des Upgrade/Downgrade-Verhältnisses, d. h. der Anteil von Rating-Heraufstufungen sei höher als die Anzahl von Herabstufungen, wobei sich die Geschwindigkeit dieses Trends zuletzt nahezu mit Rekordtempo entwickelt habe. Dies sei in Augen der Experten ein Beleg für die Solidität der Gewinne und Bilanzen der Emittenten.

Die aktuelle Lage bei Unternehmensbilanzen lasse sich am besten mit der Situation Mitte der 1990er und 2000er Jahre vergleichen. Damals seien die Ausfallraten außergewöhnlich niedrig gewesen, die Konjunktur habe sich erholt, High-Yield-Emittenten hätten sich zu niedrigeren Zinsen refinanzieren können und es sei zu zahlreichen Rating-Heraufstufungen gekommen. Insgesamt erscheine das Fundament der meisten Unternehmensbilanzen in den USA solide.

Der Anteil an Branchen des investierbaren Universums habe sich in vergangenen Jahren erweitert. Früher habe es Perioden mit hoher Konzentration gegeben, heute dagegen sei das Anlageuniversum gut diversifiziert. Auf dem US-High-Yield-Markt weise keine Branche einen Anteil von mehr als 13% auf. Eine Investition in High-Yield-Anleihen könne somit eher zur Diversifizierung der Anleihepositionen eines Portfolios beitragen, wodurch sich das Gesamtrisiko in der Anlage verringern lasse.

Langfristig würden High-Yield-Anleihen im Vergleich mit anderen Assetklassen ein vorteilhaftes Chance-Risiko-Profil besitzen; sie böten aktienähnliche Renditen bei zugleich geringerer Volatilität. Hinzu komme, dass Inhaber von Hochzinsanleihen gegenüber Aktionären in der Regel eine vorrangige Stellung (Seniorität) innerhalb der Kapitalstruktur einnehmen würden, d. h., dass die Forderungen der Anleihegläubiger im Falle einer Insolvenz des Emittenten bevorzugt bedient würden. Neben höheren Kupons als andere festverzinsliche Assetklassen böten High-Yield-Anleihen auch das Potenzial der Wertsteigerung. Da Investoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld auf laufende Erträge angewiesen seien, scheine die Nachfrage von High-Yield-Anleihen zusätzlichen Rückenwind zu bekommen, wodurch langfristig zusätzliche Kurssteigerungschancen entstehen könnten.

Die Sensitivität gegenüber Zinsschwankungen sei in der Vergangenheit bei High-Yield-Anleihen geringer gewesen als bei Staatsanleihen oder bei Unternehmensanleihen hoher Qualität, da deren Kurse stärker mit der Bonität einzelner Emittenten zusammenhängen würden. Im letzten Zinserhöhungszyklus (vom 30. Juni 2004 bis zum 29. Juni 2006, als die US-Zentralbank ihren Leitzins 17 Mal in Folge angehoben habe - von 1,00% auf 5,25%) hätten High-Yield-Anleihen die Wertentwicklung von Staatsanleihen deutlich um 11,98 Prozentpunkte übertroffen.
In einem Portfolio mit anderen Festzinsanlagen könnten High-Yield-Anleihen sowohl einen Beitrag zur Diversifikation als auch zur relativen Wertentwicklung leisten.

Könnte die Staatsschuldenkrise in Europa zu steigenden Ausfällen führen? Hierüber werde zurzeit zwar viel gesprochen, zum jetzigen Zeitpunkt würden dies die Experten jedoch lediglich als "Rauschen" im Markt werten. Sie würden davon ausgehen, dass Unternehmen, Staaten, Banken und Zentralbanken ihre Herausforderungen meistern würden, ohne dass dies wesentliche Auswirkungen auf die US-Kreditmärkte haben dürfte. Und selbst wenn sie mit ihrer Einschätzung falsch lägen und die Schuldenkrise in Europa weiter auf der Konjunktur lasten sollte, dann könnten US-High-Yield-Emittenten Umsatzrückgänge ohne weiteres verkraften, ohne die Einhaltung ihrer finanziellen Verpflichtungen zu gefährden.

Der Ausblick der Experten für den High-Yield-Markt falle vor dem Hintergrund der aktuellen Bonitätsentwicklungen positiv aus. Die Ausfallraten seien niedrig und dürften dies noch für längere Zeit sein. Der Anteil von Rating-Heraufstufungen sei höher als die Anzahl von Herabstufungen, wobei sich das Upgrade/Downgrade-Verhältnis zuletzt nahezu mit Rekordtempo verbessert habe. Der Verschuldungsgrad in den Bilanzen liege auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen 25 Jahre. Die Hälfte des Volumens am High-Yield-Markt sei in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren refinanziert worden, wodurch das Laufzeitenrisiko deutlich verringert worden sei. All diese Faktoren würden zu dem Ausblick weiterhin niedriger Ausfallraten beitragen.

Der Energiesektor erscheine hier attraktiv, da er eine Reihe positiver Katalysatoren biete. Erstens habe der Sektor in den zurückliegenden Quartalen die Gewinnerwartungen stets erreichen oder übertreffen können, zumal hohe Öl- und Gaspreise für robuste Kreditkennzahlen gesorgt hätten. Zweitens hätten sich mehrere US-Unternehmen zum ersten Mal in den vergangenen 18 Monaten am High-Yield-Markt refinanzieren können, wodurch Anlegern neue Chancen eröffnet worden seien.

Und drittens entwickle sich ein bedeutsamer Trend zur Erschließung heimischer Öl- und Gasvorkommen durch US-Unternehmen. In den USA finde ein technologischer Wandel statt, der es den Unternehmen ermögliche, Öl- und Gasreserven in bislang unzugänglichen Gebieten zu erschließen und zu fördern. Die Experten würden davon ausgehen, dass dieser wachsende Trend anhalten werde. Vermutlich auch deshalb, weil die USA nach größerer Energieunabhängigkeit strebe. (16.03.2012/alc/a/a)