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US-Geldpolitik: Der politische Druck nimmt zu


13.06.24 10:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die letzte Zinsentscheidung des 1. Halbjahres '24 durch die FED hat mit Blick auf das Leitzinsniveau in den USA erwartungsgemäß keine Überraschungen gebracht, so die Analysten der Nord LB.

Die FED Funds Target Rate werde demnach in der Spanne von 5,25% bis 5,50% belassen. Die makroökonomischen Daten würden derzeit auch noch keine hinreichenden Anlässe für die weithin erwarteten und noch mehr erhofften Zinssenkungen geben. Zwar habe die auch als Inflation bekannte Preisaufwärtsdynamik in den USA im Mai stärker nachgelassen, als es Marktbeobachter zunächst erwartet hätten - die Veränderungsrate im Vergleich zum Vormonat habe bei lediglich 0,0% M/M gelegen. Die folglich ausgewiesene Rate von 3,3% Y/Y habe demnach also nicht für eine Zinssenkung gereicht, befinde sich diese schließlich immer noch 1,3% über dem ausgelobten Ziel der Preisniveaustabilität!

Auch der Arbeitsmarkt - auf welchen die FED im Rahmen ihres sog. "Dualmandates" den zweiten großen Fokus lege - sei zuletzt zu stark gewesen, als dass man eine Anpassung des Leitzinses aus dieser Richtung hätte rechtfertigen können. Mit 272.000 neugeschaffenen Stellen (ex Agrar) würden sich nicht die befürchteten Abkühlungstendenzen zeigen - eine Daumenregel besage, dass bereits 100.000 bis 130.000 neu geschaffene Stellen ausreichen würden, um alle suchenden US-Amerikaner mit genügend Jobs zu versorgen. Dies sei zwar abhängig von dem tatsächlichen Grad der Beschäftigung, dem Bevölkerungswachstum und stelle somit eine fließende Größe dar. Wenn man diese aber den tatsächlich gemeldeten Daten gegenüberstelle, dann könne von Abkühlung wirklich kaum die Rede sein.

Diese Fakten habe auch der FOMC-Vorsitzende Powell in der gestrigen Pressekonferenz aufgegriffen. Zwar hätten sich die Risiken zur Erreichung der oben genannten Ziele im Verlaufe des Jahres verbessert, die Aussicht sei aber ungewiss und man bleibe sehr wachsam, was die weiteren Inflationsrisiken anbelange; so weit, so bekannt diplomatisch. Ein großes Augenmerk würden viele Beobachter aber auf die Dot Plots legen wollen, welche zu dieser Sitzung wieder aktualisiert worden seien. Diese würden signalisieren, dass 15 von 19 Notenbankern in diesem Jahr weiterhin von Zinssenkungen ausgehen würden. Der Median liege aber bei nur einer Zinssenkung. Da diese Projektionen jedoch keine "harten" Forecasts seien, sondern u.a. auch als politisches Instrument genutzt würden, sollten diese grundsätzlich wichtigen Daten nicht überinterpretiert werden.

Das FOMC lasse sich also die Hintertür offen, mit einer zweiten Zinssenkung zum Ende dieses Jahres wohlbedacht zu überraschen. Die Unterzeichner des jüngst veröffentlichten Briefes an Mr Powell (u.a. Elizabeth Warren) würden darauf drängen, die Zinsen schleunigst zu senken. Die an sich unabhängige FED werde sich am Ende demnach vielleicht doch einem gewissen politischen Druck beugen müssen.

Das dritte offizielle Mandat der FED würden "moderate Langfristzinsen" darstellen. Was angemessen sei und was nicht, sei hierbei nicht abschließend definiert. Den Haushaltspolitikern in Washington und den verschiedenen Bundesstaaten dürfte aber sehr daran gelegen sein, dass sich das Zinsniveau wieder in ein für die (Re-)Finanzierung des Staatshaushaltes günstigeres Niveau bewege. Hohe Coupons bei Begebungen von Anleihen würden nämlich für eine stärker steigende Neuverschuldung sorgen - und auch das berge politischen Sprengstoff.

Die gestrige Zinsentscheidung des FOMC sei wie erwartet verlaufen. Die FED Funds Target Rate sei auf dem Niveau der vergangenen Monate belassen worden und es seien die üblichen Verdächtigen für diese Entscheidung ins Feld geführt worden. Die Inflation sei zu hoch, trotz jüngst positiver Daten, und der Arbeitsmarkt zu stark. Die beiden validen Punkte würden also eine abwartende Haltung rechtfertigen, auch wenn alternative Indikatoren bereits stärker abkühlende Tendenzen der US-Wirtschaft offenbaren würden.

Von Interesse dürften aber vor allem die Dot Plots sein - die Mehrheit der Notenbanker würden von mindestens einer Zinssenkung in diesem Jahr ausgehen. Dass aber möglicherweise die Mehrheit der relevanten FED-Offizielle zwei Zinssenkungen favorisieren, aber nur eine signalisieren würden, könnte daran liegen, dass diese Plots auch als politisches Kommunikationsmittel genutzt würden. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die FED geneigt sei zum Ende des Jahres noch mit einer zweiten Senkung zu überraschen. (13.06.2024/alc/a/a)