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US-Geldpolitik in der Schwebe: Wann kommt das Tapering?


05.11.13 11:25
Bank J. Safra Sarasin AG

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Lange Zeit galt die Reduktion der Anleihenankäufe (Tapering) durch die US-Zentralbank FED im zweiten Halbjahr als eine ausgemachte Sache, so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Die sehr robuste Entwicklung der Vorlaufindikatoren im Frühherbst habe die Hoffnungen genährt, dass sich die Erholung der US-Wirtschaft im vierten Quartal akzentuiere. Die logische Folge davon wäre eine restriktivere Geldpolitik ab dem Dezember gewesen. Im Moment deute jedoch wenig darauf hin, dass die Geldpolitik tatsächlich restriktiver werde. Der wirtschaftliche Schaden der zwei Wochen dauernden Schließung der US-Regierungsstellen auf die US-Wirtschaft sei gering. Allerdings werde der "Shutdown" die in den nächsten Wochen publizierten makroökonomischen Daten verzerrt haben.

Die Datenpunkte des Oktobers würden sich deshalb denkbar schlecht eignen, um einen Aufschluss über den gegenwärtigen Stand der US-Konjunktur zu erhalten. Das FED dürfte deshalb noch weitere Daten abwarten wollen, bevor es über eine mögliche Kursänderung in der Geldpolitik entscheide. Ein anderer Grund liege im Arbeitsmarktbericht für den September: Dieser zeige an, dass sich in den USA das Beschäftigungswachstum im Herbst verlangsamt habe. Vor diesem Hintergrund würden die Chancen schwinden, den Beginn des Tapering im Dezember zu sehen. Da der Oktober-Arbeitsmarkt vom FED kaum als Maßstab für den Zustand der Beschäftigung herangezogen werde, brauche es schon eine massive Verbesserung im November-Arbeitsmarkt um die US-Notenbank von einer restriktiveren Geldpolitik zu überzeugen. Das sei nicht unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich.

Eine Verschiebung des Tapering werde Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten nehmen. Die Aussicht auf einen späteren Start habe bereits heute zu einem signifikanten Rückgang in den Anleihen-Renditen und Hypothekarzinsen geführt, was sich wiederum positiv für die US-Wirtschaft auswirken sollte. Angesichts des hohen Niveaus der Vorlaufindikatoren sei es zwar unwahrscheinlich, dass diese noch weiter ansteigen würden. Die unerwartet expansive Geldpolitik könne jedoch die wirtschaftliche Verlangsamung in den nächsten Monaten abbremsen. Wenn der Start des Taperings nicht im vierten Quartal erfolge, so stelle sich die Frage, ob und wann die expansive Geldpolitik überhaupt zurückgefahren werde?

Gelinge es dem FED tatsächlich, die Stimmung in der Wirtschaft in den nächsten Monaten auf einem relativ hohen Niveau zu stabilisieren, wäre die Sitzung vom nächsten März der wahrscheinlichste Termin für einen Start einer restriktiveren Geldpolitik. Ob das FED den März-Termin wahrnehme, hänge aber entscheidend davon ab, dass sich die Wirtschaftsstimmung in den nächsten Monaten nicht allzu stark abschwäche. Bei einer akzentuierten Abkühlung der Wirtschaft wäre eine restriktivere Politik im Jahr 2014 auf die lange Bank geschoben. (05.11.2013/alc/a/a)