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US-Arbeitsmarktbericht lanciert Diskussion um die Zinswende neu


10.03.15 09:51
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Der überraschend starke Arbeitsmarktbericht von letzter Woche hat die Diskussion um eine bevorstehende Zinswende in den USA neu entfacht, so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Trotz des kalten Wetters der letzten Wochen sei es der US-Wirtschaft im Februar gelungen, beinahe 300.000 neue Stellen zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit sei auf 5,5% gefallen, was am oberen Ende der Bandbreite liege, welche die US-Notenbank FED als Normalbeschäftigung definiere. Trotzdem würden die Meinungen, wann die FED die Zinsen ein erstes Mal erhöhe, stark auseinander gehen. Die Prognosen würden von einer ersten Zinserhöhung im Juni dieses Jahres über einen Zinsschritt im Jahre 2016 bis zu überhaupt keiner Zinserhöhung in den nächsten Jahren reichen. Der Analysten-Konsens habe sich mit dem erfreulichen Stellenwachstum in den USA in Richtung des dritten Quartals dieses Jahres bewegt.

Der Arbeitsmarktbericht vom Februar habe jedoch nicht nur die Erwartungen des Marktes gelenkt, sondern dürfte auch den Wortlaut der FED-Presseerklärung nach der März-Sitzung in der nächsten Woche beeinflussen. Bereits an der Anhörung vor dem US-Kongress Ende Februar habe die Vorsitzende der FED Janet Yellen durchblicken lassen, dass man die Formulierung - die FED könne geduldig mit einem Zinsschritt warten - aus der Presseerklärung streichen dürfte. Die starke Verfassung des US-Arbeitsmarktes werde diesen Bestrebungen sicherlich weiteren Aufwind verleihen. Janet Yellen habe an der Anhörung ausgeführt, dass es ohne diese Formulierung der FED möglich sei, von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden, ob man den ersten Zinsschritt wagen möchte. Das bedeute allerdings nicht, dass ein Zinsschritt unmittelbar bevorstehe, so Yellen weiter - eine erste Zinserhöhung sei von den Wirtschaftsdaten abhängig.

Es seien vier makroökonomische Indikatoren, welche die FED zur Entscheidung herbeiziehen werde, ob es zu einem ersten Zinsschritt bereit sei. Das sei zum einen der Arbeitsmarkt - die heutige Verfassung, aber auch die erwartete Entwicklung. Das sei zum anderen die Inflationsentwicklung, insbesondere die Entwicklung der Kerninflation (ohne Energie). Die Inflationserwartungen werde die FED ebenfalls genau beobachten - seien das die Erwartungen des Marktes oder aus Konsumentenbefragungen.

Nicht zuletzt werde die Lohnentwicklung ein gewichtiges Argument sein. Arbeitsmarkt und Inflationserwartungen würden kein Hindernis für einen Zinsschritt darstellen. Von größerer Bedeutung dürfte sein, ob der starke Fall in den Energiepreisen auf die Kerninflation durchschlage. Entscheidend sei jedoch die Entwicklung der Löhne. Das Lohnwachstum sei auch im Februar auf einem sehr tiefen Niveau geblieben. Nur eine Beschleunigung des Lohnwachstums werde es der US-Notenbank erlauben, die Zinsen zu erhöhen. (10.03.2015/alc/a/a)