US-Arbeitsmarktbericht bringt das Thema Inflation ins Spiel


17.09.18 11:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ende vergangener Woche wurde der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht, so die Experten von Union Investment.

Die Zahl der neu geschaffenen Stellen habe sich leicht unter den Erwartungen bewegt. Das Hauptaugenmerk der Anleger habe diesmal aber auf einer anderen Komponente gelegen: Dem Lohnwachstum. Angetrieben von der US-Steuerreform bekomme die US-Wirtschaft derzeit viel Rückenwind. Höhere Löhne hätten das Potenzial die Inflationsrate weiter steigen zu lassen. Schon jetzt lägen die Teuerungsraten oberhalb der von der US-Notenbank gewünschten Marke von rund zwei Prozent. US-Schatzanweisungen hätten dementsprechend zu Beginn der letzten Woche mit einem leichten Renditeanstieg reagiert. Der zyklische Druck, der aufgrund der guten konjunkturellen Lage in den USA aufkomme, sei im Euroraum zwar nicht festzustellen. Bundesanleihen hätten sich davon aber dennoch leicht anstecken lassen, sodass dort die Renditen ebenfalls etwas angestiegen seien. Im weiteren Wochenverlauf habe an dieser Stelle aber schnell wieder Entwarnung gegeben werden können. Niedrige US-Produzenten- und Verbraucherpreise hätten deutlich gemacht, dass die Unternehmen derzeit keine Möglichkeit hätten, die leicht höheren Lohnkosten an die Endkunden weiterzugeben.

Darüber hinaus habe sich in Italien die Erholung fortgesetzt. Beide Regierungsparteien würden zwar an wichtigen Punkten aus ihrem Wahlprogramm festhalten, hätten aber zugleich eine gewisse Haushaltsdisziplin angedeutet. Die zentrale Figur sei weiterhin Wirtschaftsminister Tria, der in der letzten Woche die gute Zusammenarbeit der Koalitionspartner gelobt habe. Viele Investoren würden daher nun auf einen für alle Seiten versöhnlichen Haushaltsentwurf für 2019 hoffen. Die Renditen italienischer Staatsanleihen seien daher insbesondere am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve weiter zurückgekommen. Zweijährige Staatspapiere hätten Ende August noch bei 1,5 Prozent rentiert, am vergangenen Dienstag sei zwischenzeitlich die Marke von 0,7 Prozent unterschritten worden. In unseren Augen ist es aber noch zu früh hier Entwarnung zu geben, so die Experten von Union Investment. Es dürfe bezweifelt werden, dass sowohl die Lega Nord als auch die 5-Sterne-Bewegung so schnell von ihren Wahlversprechen abrücken würden.

Peripherieanleihen hätten somit auch in der vergangenen Woche zugelegt. Neben Italien hätten auch Staatsanleihen aus Griechenland und Portugal von der freundlichen Stimmung profitiert. In Spanien seien die Renditen hingegen auf der Stelle getreten.

Seit Jahresbeginn habe die Türkische Lira bereits rund 40 Prozent abgewertet. Um einen weiteren Währungsverfall zu vermeiden, sei eine Erhöhung der Leitzinsen erforderlich gewesen. Am vergangenen Donnerstag sei es dann endlich soweit gewesen. Zwei Stunden vorher habe Präsident Erdogan noch einmal für eine Zinssenkung plädiert, weil aus seiner Sicht höhere Sätze das Wirtschaftswachstum abwürgen würden. Analysten hätten mit einer Anhebung um 2,5 Prozent gerechnet. Tatsächlich seien am Ende 6,25 Prozent geliefert worden. Der Leitzins betrage nun 24 Prozent (!). Im April seien es noch acht Prozent gewesen. Mit der drastischen Erhöhung dürfte die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit vorerst wiederhergestellt haben. Die Türkische Lira habe freundlich reagiert und im Anschluss zum US-Dollar vier Prozent aufgewertet. Die Befugnisse Erdogans seien inzwischen aber derart weitreichend, dass er die Köpfe an der Spitze der Notenbank auswechseln könnte. Entsprechend werde auch weiterhin mit einer gewissen Unsicherheit in der Türkei zu rechnen sein.

Die höhere Risikobereitschaft der Anleger habe auch den Markt für Unternehmensanleihen beflügelt. In den vergangenen Handelstagen sei dort eine große Nachfrage nach Neuemissionen festzustellen gewesen. Nicht selten seien die neuen Papiere gleich mehrfach überzeichnet gewesen. Die Emittenten hätten also ein Vielfaches des geplanten Volumens an den Markt bringen können. (Ausgabe vom 14.09.2017) (17.09.2018/alc/a/a)