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US-Arbeitsmarkt: Die Lohnentwicklung als Problem für die FED


07.06.24 17:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach noch vorläufigen Angaben sind in den Vereinigten Staaten im Mai beachtliche 272.000 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse entstanden, so die Analysten der Nord LB.

Damit notiere der Stellenaufbau in der US-Wirtschaft klar oberhalb der Erwartungen der absoluten Mehrzahl der Marktteilnehmer. Die an den Vormonatsdaten vorgenommenen Revisionen würden dieses erfreuliche Bild zudem kaum trüben. Allerdings habe die im Rahmen einer separaten Umfrage erhobene Arbeitslosenquote am aktuellen Rand auf nun 4,0% angezogen, was perspektivisch durchaus noch eine psychologische Bedeutung haben könnte. Dennoch müssten die aktuellen Zahlen zu den Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt in der Summe zweifellos als positiv bezeichnet werden.

Die Dienstleistungsunternehmen seien auch weiterhin der Motor des Beschäftigungsaufbaus in Nordamerika. Hier seien im Mai mehr als 200.000 zusätzliche Stellen entstanden. Die Industrie habe dagegen in der Summe nur 8.000 neue Beschäftigungsverhältnisse aufbauen können. Die Arbeitsmarktkomponenten der zwei ISM-Einkaufsmanagerindices hätten ein ganz anderes Bild der Lage der Beschäftigungssituation in den USA gezeigt. Insofern seien die aktuellen Daten schon eine Überraschung.

Der im Mai beobachtbare deutliche Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne könne sicherlich noch zu einem Problem für die US-Notenbank werden. Gemeldet worden sei ein Zuwachs um immerhin 0,4% M/M. Damit notiere die Jahresrate dieser Zeitreihe nun bei beachtlichen 4,1%. Folglich dürften die Löhne in den USA am aktuellen Rand signifikant stärker steigen als der Headline-Index der Konsumentenpreise. Die Mai-Daten zu dieser Zeitreihe würden erst in der nächsten Woche gemeldet, aber selbst bei einer wirklich unerfreulichen Entwicklung dürfte die Jahresrate dieses Indexes kaum über die Marke von 3,5% steigen. Diese Entwicklung wäre damit positiv für die Finanzlage der privaten Haushalte in den USA.

Die aktuellen Zahlen zur Beschäftigungssituation in den Vereinigten Staaten würden per se schon für mehr Vorsicht der FED bei der wahrscheinlich anstehenden Neuausrichtung der US-Geldpolitik sprechen. Folglich sei es natürlich gut nachvollziehbar, dass das Renditeniveau in den USA direkt nach der Meldung der Daten spürbar habe anziehen können. So sei die Verzinsung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren nachhaltig über die Marke von 4,30% gesprungen und habe dann fast instantan bei immerhin 4,40% notiert. Allerdings handele es sich nur um einen einzelnen Mosaikstein - und alternative Daten zur Beschäftigungssituation in den USA würden inzwischen schon auf gewisse Eintrübungstendenzen hindeuten. Daher sollte man perspektivisch wohl auch weiterhin mit sinkenden US-Leitzinsen rechnen.

Die Beschäftigungssituation in den Vereinigten Staaten präsentiere sich im Mai unerwartet freundlich. So seien 272.000 neue Stellen geschaffen worden. Revisionen an den Vormonatsdaten würden das positive Bild der Lage kaum trüben. Allerdings sei die Arbeitslosenquote inzwischen auf einen Wert von immerhin 4,0% gestiegen, was perspektivisch noch eine gewisse psychologische Bedeutung haben könnte. Trotzdem müssten die aktuellen Daten in der Summe als erfreulich bezeichnet werden. Vor allem der starke Anstieg der Löhne könnte jetzt zu einem Problem für die US-Notenbank werden. Mittlerweile würden sich aber die Signale mehren, die für das zweite Halbjahr eine gewisse Eintrübung der Beschäftigungssituation im Land der eigentlich unbegrenzten Möglichkeiten andeuten würden. Insofern sollte 2024 auch in den USA noch zu einem Jahr der geldpolitischen Tauben werden. (07.06.2024/alc/a/a)