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US-Anleihen: Wann kommt die erste Zinsanhebung der FED?


12.09.14 15:52
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Trotz der fortschreitenden Reduktionen der Anleihekäufe der US-Notenbank ("tapering") zeigen die Renditen für langlaufende US-Staatsanleihen keine Anzeichen für einen Anstieg, berichten die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport".

Im Gegenteil, seit dem Jahreswechsel seien sie kräftig gefallen und das trotz zuletzt wieder stärkerer Konjunkturdaten und einer Inflationsrate, die sich fast exakt auf dem Zielniveau der FED (ca. 2%) befinde. Den ursprünglich von der Notenbank benannten Zielwert habe auch die Arbeitslosenquote längst erreicht und sogar deutlich übertroffen.

Die Frage sei, wann die FED angesichts dessen die erste Zinsanhebung vornehmen wolle bzw. müsse? Gepreist werde ein erster Zinsschritt derzeit für März/Juni 2015. Doch komme es tatsächlich schon in rund sechs bis neun Monaten dazu? Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger versuche FED-Chefin Yellen, die Märkte etwas mehr im Unklaren zu lassen. Sie habe aber angedeutet, dass die FED im Zweifelsfall die Zinsen lieber zu spät als zu früh anheben werde. Zudem stünden weiterhin Fragezeichen hinter der Robustheit der US-Konjunktur. Neue Risiken könnten beispielsweise aus einer weiteren Abschwächung in China und in der Eurozone erwachsen oder wenn durch eine weitere Verschärfung der Sanktionsspirale mit Russland die gesamte Weltwirtschaft belastet würde.

Zudem könnten - wie auch die FED-Chefin mehrfach betont habe - der US-Arbeitsmarkt und die Einkommensentwicklung der Masse der Bevölkerung in Wirklichkeit schwächer sein, als es die offiziellen Zahlen widerspiegeln würden. Es sei auch völlig offen, wie weit der Aufschwung noch trage, wenn die enorme Unterstützung durch die extrem tiefen Zinsen wegfalle. Mit den geldpolitischen Lockerungen in der Eurozone und einer etwaigen weiteren Schwächung der Währung in Japan, könnte der US-Dollar weiter steigen - umso mehr, wenn die FED einen Zinsanhebungszyklus starte. Ein markant stärkerer Dollar wäre aber nicht im Sinne der US-Notenbank. Kurzum, eine Zinsanhebung für die erste Jahreshälfte 2015 sei alles andere als sicher.

Die Renditedifferenz zwischen 10jährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands befinde sich unterdessen in der Nähe mehrjähriger Hochs und auf einem Niveau, wo sie schon oft wieder nach unten abgedreht habe. Eine weitere Ausweitung sei natürlich möglich, aber - ähnlich wie einem bereits weit gedehnten Gummiband - zunehmend unwahrscheinlich. Eher sei wieder eine zumindest moderate Verringerung zu erwarten. Da deutsche Bundrenditen angesichts der schwachen EU-Konjunktur derzeit nicht sehr viel Potenzial nach oben hätten, könnte daraus ein weiterer leichter Abwärtsdruck für die US-Renditen folgen. Dem wirke natürlich das bessere US-Konjunkturbild entgegen, für das die aktuellen Renditen eigentlich deutlich zu niedrig seien.

10jährige US-Staatsanleihen würden weiterhin eher leichten Druck nach unten als nach oben zeigen. Zugleich scheine das weitere Abwärtspotenzial aus heutiger Sicht aber recht begrenzt zu sein. Möglicherweise würden sich die Renditen in den kommenden Monaten daher in einer Spanne zwischen 2,10% und 2,80% bewegen. (Ausgabe September 2014) (12.09.2014/alc/a/a)