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US-Anleihen: Unbeeindruckt von Euro-Problemen


25.11.14 11:23
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Der Anleihenmarkt hat eine turbulente Zeit hinter sich, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Das illustriere die Renditeentwicklung der 5-jährigen US-Staatsanleihen. Zu Beginn des Oktobers hätten diese noch bei 1,72% notiert, seien bis Mitte Oktober auf ein Niveau von 1,34% abgerutscht, aber hätten sich bis heute wieder auf 1,62% erholt. Solche Schwankungen hätten die Analysten letztmals im September 2013 gesehen, als die anstehende Schließung der US-Behörden - der sogenannte "Government Shutdown" - Rezessionsängste in den USA heraufbeschworen und die Anleihenmärkte in Aufruhr versetzt habe.

Auch heute würden makroökonomische Risiken die Entwicklung im Anleihenmarkt dominieren. Dieses Mal betreffe es aber nicht die US-Wirtschaft - diese stehe im Moment auf festen Füßen: Die Arbeitslosigkeit in den USA sei im Oktober auf 5,8% gesunken und die Konsumentenstimmung auf den höchsten Stand seit 2008 gestiegen. Der Anleihenmarkt mache sich allerdings um die Weltwirtschaft Sorgen.

Die enttäuschende Entwicklung in Euroland und in den Schwellenländern habe den internationalen Währungsfonds in seinem Herbstgutachten vor globalen Risiken zu warnen bewogen. Solche Risiken könnten über eine Aufwertung des US-Dollars und einer schwächeren Auslandsnachfrage auch in den USA zu einer empfindlichen Konjunktureintrübung führen.

Vor diesem Hintergrund würden sich die Anleger besonders für die Offenmarktsitzungen der US-Zentralbank FED interessieren. Die letzte Sitzung habe Ende Oktober stattgefunden, die nächste sei für Mitte Dezember geplant. Teile Janet Yellen, die Vorsitzende des FED, die Wachstumsängste der Marktteilnehmer? Bisher scheine dies - der Presseerklärung der Oktober-Sitzung zufolge - nicht der Fall zu sein. Das FED habe in ihrem Bericht die robusten Wirtschaftsdaten im Inland hervorgehoben.

Während die US-Notenbank im Sommer noch auf eine signifikante Unterauslastung des US-Arbeitsmarktes hingewiesen habe, habe sie im Oktober festgestellt, dass die Unterauslastung abnehme. Unwägbarkeiten wie Euro-Konjunktur, Ebola, Geopolitik hätten in der Presseerklärung kaum Eingang gefunden. Das FED habe die Risiken bezüglich der Wirtschaftsentwicklung weiterhin als "nahezu ausgewogen" charakterisiert. Trotz den Turbulenzen an den Anleihenmärkten und der verschiedenen Risiken scheine das FED an seinem Kurs auf einen ersten Zinsschritt im Jahr 2015 unbeirrt festzuhalten.

Damit blicke die US-Notenbank wesentlich optimistischer in die Zukunft als mancher Anleger. Falls sich die erste Anhebung der Leitzinsen in den nächsten Quartalen tatsächlich konkretisiere, werde das beim einen oder anderen Anleihen-Investor zum Umdenken und in der Folge auch zu steigenden Renditen führen. Das Ende der Nullzinspolitik in den USA kontrastiere mit der Zinsenwicklung in Euroland, wo der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB unausweichlich erscheine. Vor diesem Hintergrund dürften sich die US-Euro-Anleihen-Renditen weiter auseinander entwickeln. (25.11.2014/alc/a/a)