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US-Anleihen: FED geht "all in"
27.12.12 12:04
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft hat zuletzt wieder etwas Fahrt aufgenommen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "bondreport".
Je nachdem, ob, wann und wie sich Republikaner und Demokraten über Steueranreize und Ausgabenkürzungen verständigen würden (könnten), sei für die USA 2013 sowohl eine Rezession als auch ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum möglich. Am wahrscheinlichsten scheine derzeit ein Kompromiss Ende 2012/Anfang 2013 zu sein, der für die US-Volkswirtschaft ein reales Wachstum zwischen 1,5% und 2% erlauben werde - ähnlich wie schon 2012.
Die Größenordnungen freilich, um die es dabei bislang gehe, seien im Vergleich zum amerikanischen Verschuldungsproblem geradezu harmlos. Einige man sich beispielsweise auf die Hälfte der geplanten Einsparungen und Steuererhöhungen, würde der Staatshaushalt um rund 325 Mrd. US-Dollar entlastet. Zugleich liege das jährliche Haushaltsdefizit der USA aber bereits seit mehreren Jahren bei weit mehr als 1.000 Mrd. US-Dollar und das werde vermutlich noch auf mehrere Jahre hinaus anhalten.
Immerhin scheine sich im Immobiliensektor derzeit eine leichte Belebung abzuzeichnen, was den privaten Konsum stärken sollte. Vonseiten der Bundestaaten und Kommunen könnte das Schlimmste in Sachen Budgetkürzungen vorerst überstanden sein, was die Effekte von Einsparungen auf Bundesebene etwas abmildern könnte. Mittelfristig drohe allerdings neues Ungemach von den öffentlichen Pensionsverpflichtungen.
Ein seit zehn Jahren faktisch stagnierender Aktienmarkt und die extrem niedrigen Renditeniveaus auf den Rentenmärkten würden dafür sorgen, dass die Annahmen für die Kapitalerträge der Pensionsfonds (zumeist um die 8% p.a.) inzwischen völlig absurd geworden seien. Die Folge seien drohende Löcher von einer bis zu mehreren Billionen US-Dollar, die durch steigende Einzahlungen oder durch massive Pensionskürzungen geschlossen werden müssten. Ähnliche Probleme dürften übrigens auch auf die Pensionspläne vieler Unternehmen zukommen.
Die US-Notenbank (FED) habe ihre "geldpolitischen Lockerungen" abermals ausgeweitet und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt, die solange andauern sollten, bis die Arbeitslosenrate auf 6,5% oder darunter gefallen sei. Eine derartige direkte Koppelung der FED-Politik an einen einzigen wirtschaftlichen Indikator (der gerade in den USA zudem eine eher zweifelhafte Aussagequalität habe), sei bisher beispiellos.
Aller Voraussicht nach werde die FED damit bis mindestens ins Jahr 2015 hinein sowohl ihre Nullzinspolitik fortsetzen als auch jeden Monat für einen nahezu dreistelligen Milliardenbetrag Anleihen aufkaufen. Damit sei bis auf weiteres kein nachhaltiger oder gar stärkerer Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen in Sicht, zumal die Inflation in den kommenden Quartalen zurückgehen dürfte. Verbesserte Fördertechnologien und ein daraus resultierender Boom bei der Erdgas- und Erdölförderung würden vermutlich für deutlich niedrigere Treibstoff- und Energiekosten in den USA sorgen. Unter den G3 (USA, Japan, EU) dürften die USA damit weiterhin die mit Abstand besten wirtschaftlichen Aussichten besitzen.
Unternehmensanleihen stünden angesichts dessen weiterhin hoch in der Gunst vieler Anleger. Die Mittelzuflüsse in entsprechende Anleihefonds seien ungebrochen. Die börsennotierten US-Unternehmen ihrerseits hätten 2012 die durch Anleiheemissionen aufgenommenen Geldmittel nahezu komplett für Aktienrückkäufe verwendet. Das mache aus Renditeüberlegungen zwar vielfach Sinn. Es schwäche aber tendenziell die finanzielle Gesundheit der Unternehmen, auch wenn dies wohl erst im Falle einer Rezession zu einem Problem werde. Es signalisiere zugleich den Mangel an attraktiven realwirtschaftlichen Investitionsprojekten und zudem hätten US-Unternehmen in der Vergangenheit die massivsten Aktienrückkäufe fast immer zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt (an markanten Tops der Aktienkurse) durchgeführt.
Die absoluten Renditeniveaus seien aus historischer Sicht daher sicherlich nur noch sehr eingeschränkt als attraktiv zu bezeichnen. Hingegen seien die relativen Bewertungen, etwa die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen, im historischen Vergleich noch immer recht günstig. Fraglich bleibe aber, ob die Renditen vieler Unternehmensanleihen die Anleger wirklich in jedem Fall noch ausreichend für die damit verbundenen Risiken kompensieren würden - vor allem, falls negativere volkswirtschaftliche Szenarien eintreten sollten. (Ausgabe Dezember 2012) (27.12.2012/alc/a/a)
Je nachdem, ob, wann und wie sich Republikaner und Demokraten über Steueranreize und Ausgabenkürzungen verständigen würden (könnten), sei für die USA 2013 sowohl eine Rezession als auch ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum möglich. Am wahrscheinlichsten scheine derzeit ein Kompromiss Ende 2012/Anfang 2013 zu sein, der für die US-Volkswirtschaft ein reales Wachstum zwischen 1,5% und 2% erlauben werde - ähnlich wie schon 2012.
Die Größenordnungen freilich, um die es dabei bislang gehe, seien im Vergleich zum amerikanischen Verschuldungsproblem geradezu harmlos. Einige man sich beispielsweise auf die Hälfte der geplanten Einsparungen und Steuererhöhungen, würde der Staatshaushalt um rund 325 Mrd. US-Dollar entlastet. Zugleich liege das jährliche Haushaltsdefizit der USA aber bereits seit mehreren Jahren bei weit mehr als 1.000 Mrd. US-Dollar und das werde vermutlich noch auf mehrere Jahre hinaus anhalten.
Immerhin scheine sich im Immobiliensektor derzeit eine leichte Belebung abzuzeichnen, was den privaten Konsum stärken sollte. Vonseiten der Bundestaaten und Kommunen könnte das Schlimmste in Sachen Budgetkürzungen vorerst überstanden sein, was die Effekte von Einsparungen auf Bundesebene etwas abmildern könnte. Mittelfristig drohe allerdings neues Ungemach von den öffentlichen Pensionsverpflichtungen.
Die US-Notenbank (FED) habe ihre "geldpolitischen Lockerungen" abermals ausgeweitet und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt, die solange andauern sollten, bis die Arbeitslosenrate auf 6,5% oder darunter gefallen sei. Eine derartige direkte Koppelung der FED-Politik an einen einzigen wirtschaftlichen Indikator (der gerade in den USA zudem eine eher zweifelhafte Aussagequalität habe), sei bisher beispiellos.
Aller Voraussicht nach werde die FED damit bis mindestens ins Jahr 2015 hinein sowohl ihre Nullzinspolitik fortsetzen als auch jeden Monat für einen nahezu dreistelligen Milliardenbetrag Anleihen aufkaufen. Damit sei bis auf weiteres kein nachhaltiger oder gar stärkerer Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen in Sicht, zumal die Inflation in den kommenden Quartalen zurückgehen dürfte. Verbesserte Fördertechnologien und ein daraus resultierender Boom bei der Erdgas- und Erdölförderung würden vermutlich für deutlich niedrigere Treibstoff- und Energiekosten in den USA sorgen. Unter den G3 (USA, Japan, EU) dürften die USA damit weiterhin die mit Abstand besten wirtschaftlichen Aussichten besitzen.
Unternehmensanleihen stünden angesichts dessen weiterhin hoch in der Gunst vieler Anleger. Die Mittelzuflüsse in entsprechende Anleihefonds seien ungebrochen. Die börsennotierten US-Unternehmen ihrerseits hätten 2012 die durch Anleiheemissionen aufgenommenen Geldmittel nahezu komplett für Aktienrückkäufe verwendet. Das mache aus Renditeüberlegungen zwar vielfach Sinn. Es schwäche aber tendenziell die finanzielle Gesundheit der Unternehmen, auch wenn dies wohl erst im Falle einer Rezession zu einem Problem werde. Es signalisiere zugleich den Mangel an attraktiven realwirtschaftlichen Investitionsprojekten und zudem hätten US-Unternehmen in der Vergangenheit die massivsten Aktienrückkäufe fast immer zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt (an markanten Tops der Aktienkurse) durchgeführt.
Die absoluten Renditeniveaus seien aus historischer Sicht daher sicherlich nur noch sehr eingeschränkt als attraktiv zu bezeichnen. Hingegen seien die relativen Bewertungen, etwa die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen, im historischen Vergleich noch immer recht günstig. Fraglich bleibe aber, ob die Renditen vieler Unternehmensanleihen die Anleger wirklich in jedem Fall noch ausreichend für die damit verbundenen Risiken kompensieren würden - vor allem, falls negativere volkswirtschaftliche Szenarien eintreten sollten. (Ausgabe Dezember 2012) (27.12.2012/alc/a/a)


