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US-Anleihemarkt: Neue Höhen erklimmen


08.07.24 12:43
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - In den letzten zwölf Monaten gab es mehrere Entwicklungen, die sich positiv auf den US-Anleihemarkt auswirkten: Die Federal Reserve (FED) hat die Zinsen zum letzten Mal im Juli 2023 angehoben, die PCE-Kerninflation (der bevorzugte Inflationsindikator der FED) hat sich stetig nach unten entwickelt, und im Dezember hat die Zentralbank signalisiert, dass sie zu einem Zinssenkungszyklus übergehen will, so Lara Castleton, Andrew Molinet und Matthew Bullock, Portfolio Construction & Strategy Team bei Janus Henderson Investors.

Dennoch seien die Anleiherenditen nicht zurückgegangen, um diesen positiven Entwicklungen Rechnung zu tragen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries sei heute sogar höher als vor zehn Monaten, als die FED zum letzten Mal die Zinsen angehoben habe.

Seit der letzten Zinserhöhung der FED im Juli 2023 habe sich die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries eng an den Durchschnitt der 1970er Jahre angelehnt. Und das, obwohl der aktuelle Zyklus einen günstigen Inflationsausblick aufweise, der näher an den Bedingungen für den Durchschnitt von 1984-2018 liege.

Nach Erachten der Experten eröffne diese Situation den Anlegern ein günstiges Zeitfenster, da die Voraussetzungen für sinkende Renditen (und eine Outperformance der Anleihen) gegeben seien, während die Zinsen diese Entwicklung noch nicht vollständig widerspiegeln würden.

Aufgrund steigender Renditen, die sich offenbar ihrem zyklischen Höchststand nähern würden, habe sich das Risiko-Ertrags-Verhältnis verschoben. Dies schaffe positive Ertragschancen, bei denen die Erträge aus Anleihen - neben den potenziellen Kapitalgewinnen bei fallenden Zinsen - die Verluste im Falle eines Zinsanstiegs überwiegen würden.

Wie in einer Abbildung der Experten dargestellt, hätten die erhöhten Renditen die negativen Auswirkungen eines möglichen Zinsanstiegs auf die Gesamterträge deutlich abgeschwächt. Umgekehrt würde sich bei fallenden Zinsen der erwartete Kapitalzuwachs als zusätzlicher Rückenwind erweisen und zu höher erwarteten Gesamterträgen führen.

Nach Erachten der Experten könnten Anleger Chancen über die gesamte Zinsstrukturkurve hinweg nutzen - sei es, indem sie die relativ hohen Renditen bei kurzen Laufzeiten mitnehmen oder indem sie ein höheres Durationsrisiko eingehen würden, um im Gegenzug das höhere Gesamtertragspotenzial zu nutzen, das sich bei einem Rückgang der Renditen bei längeren Laufzeiten ergeben könnte.

Angesichts der attraktiven Renditeniveaus und des Potenzials positiv verzerrter Erträge könnten Anleger davon profitieren, ihre Fixed-Income-Allokation jetzt auf ihr langfristiges Zielgewicht umzuschichten.

Für diejenigen, die nach zusätzlichem Gesamtertragspotenzial suchen würden, könnte ein sektorübergreifender Ansatz angebracht sein, um höhere Erträge und relative Wertchancen über Sektoren, Laufzeiten und Regionen hinweg zu erzielen. Nach Ansicht der Experten würden verschiedene Sektoren und Laufzeiten solide Erträge und überzeugende Gesamtertragsaussichten bieten.

Obwohl die FED derzeit noch abwarte, würden die Experten das Risiko einer ausbleibenden Zinssenkung der Zentralbank für gering halten. Darüber hinaus sei das wachsende Vertrauen in die Beendigung des Straffungszyklus in anderen globalen Industrieländern ein positives Zeichen, da Zinssenkungen entweder begonnen hätten (Kanada, Schweiz, Schweden, Eurozone) oder in den kommenden Monaten erwartet würden (Großbritannien).

Auch wenn das Risiko eines erneuten Inflationsanstiegs oder höherer Zinssätze nicht auszuschließen sei, würden die Experten dieses Szenario für unwahrscheinlich halten. Alles in allem seien sie der Meinung, dass sich das geldpolitische und wirtschaftliche Umfeld für eine weltweite Zinssenkung abzeichne. Das sollte die Anleger dazu ermutigen, auf höhere Renditen zu setzen, ihre Fixed-Income-Allokationen auf die Zielgewichtung umzustellen und das günstige Zeitfenster für positiv verzerrte Erträge zu nutzen. (08.07.2024/alc/a/a)