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US-Anleihemärkte: Steuern wir auf eine neue Finanzkrise zu?
11.06.25 12:41
Crédit Mutuel AM
Paris (www.anleihencheck.de) - Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, fragt sich die Finanzwelt, wo die Obergrenze für die US-Staatsverschuldung liegt, so François Rimeu, Senior Strategist bei Crédit Mutuel Asset Management.
Dank der sehr niedrigen Inflation in den Industrieländern seit 2008 und der sehr starken Nachfrage nach US-Anleihen von Ländern mit Haushaltsüberschüssen sei diese Frage bisher rein rhetorisch gewesen. Die niedrige Inflation habe zu mehreren Runden quantitativer Lockerungen[1] geführt, die wiederum verschiedene Regierungen zu einer laxen Haushaltspolitik "ermutigt" hätten. Die Situation, die wir jetzt in den USA erleben würden, treffe auch auf andere Länder zu, allen voran auf Frankreich.
Bisher sei die Staatsverschuldung während Rezessionen gestiegen und bei Wirtschaftswachstum gesunken. Seit Anfang der 2010er Jahre und angesichts der mangelnden Haushaltsdisziplin der Regierungen gebe es diese Korrelation jedoch nicht mehr. Die Staaten hätten insofern Glück, als dass es trotz steigender Defizite keine Auswirkungen auf die Laufzeitprämien gegeben habe - d. h. die zusätzliche Rendite, die Anleger als Ausgleich für langfristige Risiken verlangen würden. Infolgedessen seien die langfristigen Zinssätze auf einem sehr vernünftigen Niveau geblieben und hätten die Schuldenlast unter Kontrolle gehalten.
Die aktuelle Herausforderung sei, dass wir uns nicht mehr in einer Phase niedriger Inflation und quantitativer Lockerung befinden würden. Die Anleger würden allmählich hinterfragen, ob sie für die Risiken, die sie eingehen, angemessen kompensiert würden. Dies habe zu einem Anstieg der Laufzeitprämien um rund 2% zwischen Ende 2019 und Mai 2025 geführt. Die unmittelbare Folge dieses Anstiegs sei die Versteilerung der Zinsstrukturkurven - ein Trend, der nun seit fast 24 Monaten zu beobachten sei.
Sei dieser Trend vorbei? Wahrscheinlich nicht. In den USA herrsche nach wie vor keine Haushaltsdisziplin (d. h. die derzeit diskutierte Steuerreform). Einige bisherige Käufer würden sich von US-Schuldtiteln abwenden, entweder aus politischen Gründen (wie im Falle Chinas) oder weil die inländischen Märkte attraktivere Erträge bieten würden (z. B. Japan). Die nachstehende Abbildung veranschaulichet die historische Beziehung zwischen Haushaltsdefizit und Laufzeitprämien und zeige die hohe Wahrscheinlichkeit, dass letztere weiter steigen würden. Dieser Trend könnte zu einer weiteren Versteilerung der Zinsstrukturkurve führen.
Könnte es zu einer Finanzkrise kommen? Alles sei möglich und eine schlecht aufgenommene Emission von 30-jährigen Anleihen (mit sehr niedrigem Bid-to-Cover[2]) könnte eine gewisse Panik auslösen. Allerdings sei zu beachten, dass der US-Markt weitaus liquider sei als der britische Markt. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die langfristigen Zinssätze in den USA in einem einzigen Monat um mehr als 200 Basispunkte steigen würden, wie es in Großbritannien während der Krise der Fall gewesen sei, die durch den stark expansiven Haushalt von Lizz Truss 2022 ausgelöst worden sei. Dennoch sei der Anstieg der Laufzeitprämien unbestreitbar eine potenzielle Quelle der Marktinstabilität. Und es sei nicht zu erwarten, dass Präsident Donald Trump die traditionellen Lösungen zum Abbau der öffentlichen Defizite (Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen, langfristige Strukturreformen) bevorzuge.
[1] Ein geldpolitisches Instrument, das von einer Zentralbank eingesetzt wird und den groß angelegten Ankauf von Finanzaktiva (vor allem Staatsanleihen) beinhaltet, um die Zinssätze zu senken.
[2] Das Verhältnis, mit dem die Nachfrage nach einem Wertpapier zum Zeitpunkt seiner Emission gemessen wird. (11.06.2025/alc/a/a)
Dank der sehr niedrigen Inflation in den Industrieländern seit 2008 und der sehr starken Nachfrage nach US-Anleihen von Ländern mit Haushaltsüberschüssen sei diese Frage bisher rein rhetorisch gewesen. Die niedrige Inflation habe zu mehreren Runden quantitativer Lockerungen[1] geführt, die wiederum verschiedene Regierungen zu einer laxen Haushaltspolitik "ermutigt" hätten. Die Situation, die wir jetzt in den USA erleben würden, treffe auch auf andere Länder zu, allen voran auf Frankreich.
Bisher sei die Staatsverschuldung während Rezessionen gestiegen und bei Wirtschaftswachstum gesunken. Seit Anfang der 2010er Jahre und angesichts der mangelnden Haushaltsdisziplin der Regierungen gebe es diese Korrelation jedoch nicht mehr. Die Staaten hätten insofern Glück, als dass es trotz steigender Defizite keine Auswirkungen auf die Laufzeitprämien gegeben habe - d. h. die zusätzliche Rendite, die Anleger als Ausgleich für langfristige Risiken verlangen würden. Infolgedessen seien die langfristigen Zinssätze auf einem sehr vernünftigen Niveau geblieben und hätten die Schuldenlast unter Kontrolle gehalten.
Sei dieser Trend vorbei? Wahrscheinlich nicht. In den USA herrsche nach wie vor keine Haushaltsdisziplin (d. h. die derzeit diskutierte Steuerreform). Einige bisherige Käufer würden sich von US-Schuldtiteln abwenden, entweder aus politischen Gründen (wie im Falle Chinas) oder weil die inländischen Märkte attraktivere Erträge bieten würden (z. B. Japan). Die nachstehende Abbildung veranschaulichet die historische Beziehung zwischen Haushaltsdefizit und Laufzeitprämien und zeige die hohe Wahrscheinlichkeit, dass letztere weiter steigen würden. Dieser Trend könnte zu einer weiteren Versteilerung der Zinsstrukturkurve führen.
Könnte es zu einer Finanzkrise kommen? Alles sei möglich und eine schlecht aufgenommene Emission von 30-jährigen Anleihen (mit sehr niedrigem Bid-to-Cover[2]) könnte eine gewisse Panik auslösen. Allerdings sei zu beachten, dass der US-Markt weitaus liquider sei als der britische Markt. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die langfristigen Zinssätze in den USA in einem einzigen Monat um mehr als 200 Basispunkte steigen würden, wie es in Großbritannien während der Krise der Fall gewesen sei, die durch den stark expansiven Haushalt von Lizz Truss 2022 ausgelöst worden sei. Dennoch sei der Anstieg der Laufzeitprämien unbestreitbar eine potenzielle Quelle der Marktinstabilität. Und es sei nicht zu erwarten, dass Präsident Donald Trump die traditionellen Lösungen zum Abbau der öffentlichen Defizite (Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen, langfristige Strukturreformen) bevorzuge.
[1] Ein geldpolitisches Instrument, das von einer Zentralbank eingesetzt wird und den groß angelegten Ankauf von Finanzaktiva (vor allem Staatsanleihen) beinhaltet, um die Zinssätze zu senken.
[2] Das Verhältnis, mit dem die Nachfrage nach einem Wertpapier zum Zeitpunkt seiner Emission gemessen wird. (11.06.2025/alc/a/a)


