USA: Weniger Inflation, FED noch "geduldiger"


15.02.19 11:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angesichts der niedrigeren Energiepreise und des überraschenden verbalen Kurswechsels der FED Ende Januar ändern wir unsere Prognose für die Gesamtteuerung und den US-Leitzins, so die Analysten der Helaba.

Beobachter würden sich noch immer am Kopf kratzen, was das FOMC geritten habe - vielleicht erlaube das in der Berichtswoche anstehende Protokoll der Sitzung vom Januar hier neue Erkenntnisse.

Hinsichtlich der konjunkturellen Perspektiven würden sich die neuen Erkenntnisse derzeit in engen Grenzen halten. Dies liege zum Teil am "government shutdown": Zum einen seien einige wichtige Daten wie das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal noch nicht veröffentlicht. Zum anderen sei umstritten, in welchem Maße die Unterbrechung der Behördentätigkeit die Aktivität in der US-Wirtschaft gebremst habe. Selbst wenn sich im ersten Quartal negative Effekte bemerkbar machen würden, dürften diese ebenso wie ein potenzieller Dämpfer von dem "polar vortex", einem extremen Kälteeinbruch, temporär sein und die Konjunktur nicht aus der Bahn werfen. Die wichtigsten Barometer für die Unternehmensstimmung würden weiterhin ein Wachstum deutlich oberhalb des Trends signalisieren.

Bei den Preisen würden die Analysten der Ölpreisentwicklung Rechnung tragen. Sie würden nach wie vor damit rechnen, dass die Kernrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) angesichts des Preisdrucks von Löhnen und Strafzöllen weiter anziehe. Die Rohölnotierungen dürften aber 2019 im Schnitt spürbar niedriger sein als 2018. Dies drücke die Gesamtteuerung (2019: 2,0%, bisher 2,3%). Vor allem im ersten Halbjahr werde die Vorjahresrate geringer ausfallen als bislang gedacht. Zwar stärke dies die Kaufkraft der privaten Haushalte. Ein niedrigerer Ölpreis belaste aber die wichtige Ölindustrie in den USA - wie der Preisverfall Ende 2014 eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe.

Zudem habe sich die FED darauf versteift, den aus Marktpreisen abgeleiteten "Inflationserwartungen" in ihrer Politik ein relativ (aus Sicht der Analysten unangemessen) hohes Gewicht zu geben. Da diese Größe stark vom aktuellen Ölpreis beeinflusst werde, sinke - zumindest aus Sicht einiger Notenbanker - der geldpolitische Handlungsbedarf.

Neben diesen fundamentalen Entwicklungen habe die US-Notenbank durch ihren überraschenden kommunikativen Kurswechsel im Januar ein noch vorsichtigeres Vorgehen signalisiert. In welchem Umfang dies nur der kurzfristigen Entwicklung am Aktienmarkt geschuldet gewesen sei, bleibe offen. Auch die mittelfristigen Absichten scheinen sich aber plötzlich geändert zu haben, so die Analysten der Helaba. Sie würden daher ihre Prognose für die Federal Funds Rate anpassen. Eine Zinserhöhung im März sei quasi vom Tisch.

Die Analysten würden aber bei ihrer Einschätzung bleiben, dass zur Jahresmitte die andauernde Eintrübung des Preisklimas, die Überauslastung des Arbeitsmarktes sowie stabilisierte Finanzmärkte und eine bessere Weltkonjunktur all die Faktoren entfallen lassen bzw. überlagern würden, die die FED zuletzt (ob vorgeschoben oder nicht) als Grund für ihre größere "Geduld" angeführt habe. Der Zinserhöhungszyklus dürfte deshalb im Gegensatz zu den aktuellen Markterwartungen keineswegs abgeschlossen sein und mindestens ein weiterer Zinsschritt 2019 auf der Agenda stehen. Ab dem zweiten Halbjahr würden die Analysten jedoch eine Abkühlung der US-Konjunktur sehen, weil der Rückenwind von der Fiskalpolitik nachlasse. Diese dürfte die neue, "geduldige" FED dann in Wartestellung wechseln lassen. (15.02.2019/alc/a/a)