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USA: Weg für abermalige Zinswende geebnet


31.10.19 12:30
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - War das wirklich notwendig? Die FED hat am Donnerstag erwartungsgemäß noch einmal die Zinsen gesenkt. Und das obwohl sich bereits seit geraumer Zeit interner Widerstand gegen die geldpolitische Richtung regt, so Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Möglicherweise hätten Amerikas Währungshüter die bereits fest eingepreiste Zinssenkung aber auch nur "durchgewunken", um unliebsame Marktreaktionen zu vermeiden.

Doch viel wichtiger sei die Frage: Was komme jetzt noch? Werde die amerikanische Notenbank im Dezember noch einmal die Zinsen senken - trotz der vielen fundamentalen Argumente, die gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik sprechen würden?

- Ein unter Ökonomen und Notenbankern gefürchteter Indikator für eine bevorstehende Rezession sei, wenn die Zinsstrukturkurve invers werde - also die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihen höher sei als die der 10-jährigen. Das sei seit kurzem nicht mehr der Fall.

- Das von der FED bevorzugte Inflationsmaß - die Kernrate für die persönlichen Verbraucherausgaben - sei zuletzt wieder gestiegen.

- Die US-Arbeitslosigkeit sei weiter gesunken.

- Der Außenwert des US-Dollars habe nachgegeben, was letztendlich höhere Inflationsraten begünstige und den Warenexport unterstütze.

- Auch die Entspannung im Handelskonflikt mit China sollte sich auf die amerikanischen Unternehmen übertragen und ihnen helfen, den Investitionsstau abzubauen. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten erwarten, dass die zuletzt noch gesunkenen US-Stimmungsindikatoren in den kommenden Monaten wieder nach oben zeigen würden. Das gelte nicht nur in den USA, sondern - auch aufgrund der Fortschritte beim Brexit - in der Eurozone.

Möge sein, dass all diese Argumente noch nicht solide genug seien, um für eine Kehrtwende in der Zinspolitik zu sprechen - zumindest aber sollte es kein "Weiter so" geben. Geduldiges Abwarten laute das Gebot der Stunde. Das habe auch den Vorteil, dass die FED nicht wie ein Dackel dem US-Präsidenten hinterher hecheln müsse.

Als abschreckendes Beispiel fungiere hier die Europäische Zentralbank: Bei einem Leitzins von -0,5% könne die EZB im Falle eines Konjunktureinbruchs nicht mehr wirklich nachlegen. Ganz so eng sehe es für die FED zwar noch nicht aus; doch eine alte Faustregel besage, dass für eine erfolgreiche Rezessionsbekämpfung Luft für Zinssenkungen von mindestens 3 Prozentpunkten vorhanden sein sollten. So seien auch die Ausführungen von US-Notenbank-Präsident Powell zu verstehen. Er könnte am Donnerstag ganz vorsichtig einer abermaligen Zinswende den Weg geebnet haben. (Ausgabe vom 30.10.2019) (31.10.2019/alc/a/a)