USA: Wachstum runter auf 1 Prozent, Inflation hoch auf 5 Prozent


07.04.25 11:32
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Risikoscheu der Anleger belastete in dieser Woche die Aktienmärkte und ließ Anleihen stärker werden, nachdem US-Präsident Donald Trump am von ihm sogenannten "Liberation Day" umfassende Zölle angekündigt hatte, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Viele Investoren hätten wohl gehofft, dass Trumps Bellen sich als schlimmer erweisen würde als sein Biss.

Das tatsächlich gelieferte Zollpaket habe Bedenken hinsichtlich seiner voraussichtlichen Auswirkungen auf Wachstum und Inflation ausgelöst. Dowding schätze die durchschnittlichen globalen Zölle auf rund 18 Prozent. Auf dieser Grundlage gehe er davon aus, dass sich das US-Wachstum in den nächsten Quartalen auf etwa 1 Prozent verlangsamen werde, während die Inflation auf ca. 5 Prozent ansteige.

In diesem Fall glaube Dowding weiterhin, dass die Zentralbanken nur schwerlich die Geldpolitik werden lockern könnten. Was die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) betreffe, so gehe ihr Präsident Jerome Powell in seine letzten zwölf Monate im Amt. Dowding vermute, dass er nicht der Fed-Vorsitzende werden möchte, der die Kontrolle über die Inflation während seiner Amtszeit gleich zweimal verloren habe.

Die Fed werde daher nach Meinung von Dowding in absehbarer Zeit nichts unternehmen, solange es nicht zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit komme, der Rezessionsängste auslösen könnte. Da die Zahl der Jobs im verarbeitenden Gewerbe in den USA allmählich zunehme und sich die Zuwanderung verlangsame, dürfte die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten aber nur geringfügig ansteigen.

In Europa sehe Dowding ebenfalls Potenzial für ein langsameres Wachstum und höhere Preise, da die Europäische Union (EU) Vergeltungsmaßnahmen gegen Trumps Zölle ergreife. Wie bei der Fed in den USA bezweifle Dowding, dass von der Europäischen Zentralbank eine größere geldpolitische Lockerung komme. Er sei skeptisch bezüglich der 65 Basispunkte, die bis Jahresende an Zinssenkungen eingepreist seien. Die finanzpolitische Lockerung in der EU dürfte den Bedarf an geldpolitischen Maßnahmen ausgleichen.

Eine fiskalische Reaktion scheine auf einen Angebotsschock wie Zölle angemessen. Daher sei zu erwarten, dass auch andere Länder ihren Spielraum nutzen würden, um die sich abzeichnenden negativen Auswirkungen abzufedern. Dabei stelle sich die Frage, wie schnell wachstumsstützende Ausgaben umgesetzt werden könnten.

Nach der Ankündigung der US-Zölle hoffe Dowding nun, dass die Marktvolatilität nachlasse, sobald sich die Nachrichtenlage beruhigt habe. Mit Blick auf die Zukunft gehe er davon aus, dass die US-Regierung letztlich von Zöllen auf der Grundlage von Durchführungsverordnungen zu einem vom Kongress erlassenen Universalzoll übergehen werde. Dieser werde vermutlich bei 10 Prozent liegen, aber erst viel später in diesem Jahr in Kraft treten.

Es bestehe die Hoffnung, dass die kurzfristige Hysterie um die Zölle mittelfristig der Akzeptanz weiche. Das könnte eine Verbesserung der Aussichten bis 2026 bedeuten. Wenn sich die US-Wirtschaft im nächsten Jahr erhole, würden sich Trump, sein Berater Elon Musk und ihre Kollegen zweifellos dazu beglückwünschen, dass es ihnen gelungen sei, einen Wandel herbeizuführen, der Amerika wieder groß mache.

Dies sei jedoch nur ein mögliches Szenario. Es gebe auch die alternative Darstellung, wonach sich die US-Regierung einer beispiellosen Übung in Selbstbeschädigung schuldig gemacht habe und es Jahre dauern werde, bis der Schaden, der der US-Wirtschaft zugefügt worden sei, behoben sei.

Sicherlich seien die langfristigen Aussichten äußerst ungewiss. Kurzfristig könne man davon ausgehen, dass die Inflation anziehen werde. Wenn die Märkte also die Rezessionserzählung übertreiben und zu viele Zinssenkungen erwarten würden, sollten sich auf der anderen Seite Chancen bieten. (Ausgabe vom 04.04.2025) (07.04.2025/alc/a/a)