USA: Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation im Fokus


10.02.23 12:27
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nächste Woche werden Konjunkturdaten aus den USA den Ton angeben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im Fokus stehe dabei zweifelsohne die Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation am Dienstag. Die letzten drei Veröffentlichungen (Okt. - Dez.) seien geprägt gewesen von einem geringeren Inflationsdruck. An den Finanzmärkten habe dies zu einem positiven Stimmungswandel geführt und Zinserwartungen hätten sich zunehmend hinsichtlich Zinssenkungen im späteren Jahresverlauf exponiert. Der substanziell besser als erwartete Arbeitsmarktbericht im Januar gepaart mit einem stärker als erwarteten Anstieg des ISM für das Nichtverarbeitende Gewerbe hätten Inflationsrisiken jedoch wieder stärker ins Bewusstsein der Investoren gebracht.

Nächste Woche könnte sich der Rückgang der Inflationsraten in den USA zumindest verlangsamt haben. Die Energiepreise seien im Monatsvergleich leicht gestiegen, sodass der monatliche Preisanstieg der Gesamtrate etwas höher ausfallen könnte als jener der Kernrate. Der Inflations-Nowcast der Cleveland FED zeige einen Preisanstieg von 0,63% (p.m.) für die Gesamtrate und 0,46% (p.m.) für die Kernrate, was zu leichten Rückgängen im Ausmaß von 0,1%-Punkte der Inflationsraten im Vorjahresvergleich führen würde. Würde sich diese Situation realisieren, sollte dies den Renditeaufwärtsdruck der letzten Tage unterstützen und die vorsichtigere Haltung der Federal Reserve zum Inflationsausblick bekräftigen.

Neben den Inflationsdaten seien aber auch die restlichen US-Konjunkturdaten nächste Woche von Bedeutung. Gegen Ende des Jahres habe sich die Konjunkturdynamik abgeschwächt. Da einige Indikatoren entgegen diesem Trend nun Verbesserungen aufgewiesen hätten, bleibe abzuwarten, ob dies weiter Bestätigung finde. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze aber auch erste Unternehmensumfragen für Februar (Empire State Index, Philly FED Index) stünden dabei nächste Woche in der Auslage.

In der Eurozone stünden im Vergleich zu den USA in der nächsten Woche nur wenige Datenpublikationen auf dem Programm. Hervorzuheben sei hier insbesondere die Veröffentlichung der Dezember-Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone. Eben dieser Indikator sei für die deutsche Wirtschaft bereits diese Woche erschienen und habe mit einigen Überraschungen aufwarten können. So sei die deutsche Industrieproduktion im Dezember um 3,1% im Monatsvergleich gesunken, was die Analystenschätzungen von -0,7% bei weitem untertroffen habe. Getrieben worden sei diese negative Entwicklung vor allem von Produktionsrückgängen in energieintensiven Sektoren und im Baugewerbe.

Positiveres gebe es hingegen hinsichtlich der Industrieaufträge zu berichten. Hier habe die deutsche Industrie aufgrund der gestiegenen Nachfrage aus der Eurozone und dem Inland ein Plus von 3,2% in der Monatsbetrachtung verbuchen können. Diese Information sei allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. So sei der starke Anstieg insbesondere aufgrund einer hohen Anzahl an Großaufträgen zustande gekommen. Außerdem hätten die Industrieaufträge noch im November um 4,4% abgenommen, was durch das Plus im Dezember nicht habe ausgeglichen werden können. Es wäre somit voreilig, von einer Trendwende der deutschen Industrie zu sprechen. Der bereits seit langem bestehende Abwärtstrend bleibe somit aufrecht. Das Auftragspolster, das als ein wesentlicher Grund für die Resilienz der (deutschen) Industrie des Jahres 2022 angesehen werden könne, sei bereits weitestgehend abgearbeitet. Das lasse auf eine - wenn auch nur moderate - Schwächephase des Industriesektors in den kommenden Monaten schließen.

Die Industrieproduktion in der Eurozone habe im November zwar noch um 1% zulegen können. Jedoch sei vor dem Hintergrund der bereits vorliegenden Daten einzelner Euroländer (u.a. wie eben ausgeführt Deutschland) ein merklicher Rückgang der Dezember-Industrieproduktion quasi "ausgemachte Sache" (Konsens: -0,8%, RBI-Schätzung: -1%). Sollte es so kommen, starte der Euro-Industriesektor mit einer schweren Hypothek ins erste Quartal, was die Erwartung der Analysten der RBI eines BIP-Rückgangs im ersten Quartal unterstütze. (10.02.2023/alc/a/a)