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USA: Resilienz der Wirtschaft überrascht


28.09.23 09:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Resilienz der US-Wirtschaft hat erneut überrascht, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Mittlerweile würden die Analysten damit rechnen, dass das BIP der Vereinigten Staaten in diesem Jahr um 2,4% steigen werde. Sie würden jedoch einige Faktoren sehen, die auf eine Abschwächung hindeuten würden, weswegen sie für das kommende Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 1,6% erwarten würden.

Die Resilienz zeige sich insbesondere am Arbeitsmarkt. So nehme zwar der Beschäftigungszuwachs seit Ende 2021 kontinuierlich ab, bleibe aber mit einem Anstieg von rund 150.000 Personen (Dreimonatsdurchschnitt) immer noch sehr robust. Für das dritte Quartal berechne das Nowcast-Modell zudem einen BIP-Zuwachs von 5,4% (QoQ, annualisierte Rate).

Als erstaunlich resilient habe sich bis vor kurzem auch der Immobiliensektor erwiesen. So sei der Case/Shiller-Preisindex für Wohnimmobilien nach einem kurzzeitigen Rückgang seit einigen Monaten wieder im Steigen begriffen. Zuletzt allerdings seien die Baubeginne von Wohnimmobilien und der NAHB-Index für den Wohnungsbausektor abgerutscht. Hier könnte sich also schließlich doch der Zinsanstieg der vergangenen Monate deutlicher bemerkbar machen.

Die von ihnen erwartete BIP-Schwäche in Q4 2023/Q1 2024 würden die Analysten auch im Zusammenhang mit dem Ende des Moratoriums für den Schuldendienst der Studentenkredite sehen. Präsident Joe Biden habe im Corona-Jahr 2020 verfügt, dass die entsprechenden Gläubiger ihren Schuldendienst aussetzen könnten. Gerichtlich sei dieser Maßnahme jedoch widersprochen worden. Jetzt komme auf diese Menschen eine Mehrbelastung von rund 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr zu. Das entspreche etwa 0,6% der gesamtwirtschaftlichen Konsumausgaben. Dazu komme das Risiko eines Government-Shutdowns für den Fall, dass im Kongress kein neuer Haushalt verabschiedet werde. Zudem seien die gestiegenen Ölpreise ein Belastungsfaktor.

Die FED habe auf ihrer Sitzung im September den Leitzins unverändert bei 5,25 bis 5,50% gelassen. Die FED-Mitglieder würden jedoch mehrheitlich einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr für angemessen halten. Für das kommende Jahr würden sie nur noch zwei Zinssenkungen erwarten. Die langfristigen Renditen seien daraufhin deutlich gestiegen. Zehnjährige T-Notes würden nunmehr über 4,50% rentieren. (Finanzmarkttrends September 2023) (28.09.2023/alc/a/a)