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USA: Moderater Zinssenkungszyklus erwartet - Eurozone: Weitere Lockerung der Geldpolitik möglich


10.09.24 08:57
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Derzeit ist die wirtschaftliche Dynamik in den USA, Europa und Asien unserer Meinung nach relativ schwach, so die Analysten von Postbank Research.

Die Schwäche konzentriere sich vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Das Vertrauen der Unternehmen im Dienstleistungssektor schwäche sich aber auch etwas ab, da die FED einen stärkeren Fokus auf den Arbeitsmarkt lege. Die JOLTS-Daten zu den offenen Stellen in den USA seien letzte Woche auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen. Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag sei schwächer ausgefallen als erwartet. Das habe Befürchtungen aufkommen lassen, dass der Arbeitsmarkt nun weniger angespannt sein könnte als vor der Pandemie. Die Reaktion der Rentenmärkte habe zum ersten Mal in den vergangenen beiden Jahren zu einem leicht positiven Renditeabstand zwischen 10-und 2-jährigen US-Staatsanleihen geführt. Wir hätten es jetzt mit der längsten Inversionsphase in 60 Jahren zu tun. Auch wenn eine Zeit lang ein schwächeres Wachstumsumfeld vorherrschen könnte, würden die Analysten von Postbank Research Vorsicht vor hohen Rezessionswahrscheinlichkeiten walten lassen. Im Gegenteil, 2025 zeichne sich als ein Jahr mit einer leicht zunehmenden Wachstumsdynamik ab, die von einem Anstieg der Realeinkommen und etwas niedrigeren kurzfristigen Zinsen gestützt werden dürfte.

Zu den politischen Ereignissen, die die kurzfristige Volatilität an den Aktienmärkten beeinflussen könnten, gehöre die erste Präsidentschaftsdebatte zwischen Donald Trump und Kamala Harris, die morgen stattfinde. Die Ernennung von Michel Barnier, einem der Hauptunterhändler bei den Brexit-Verhandlungen, zum französischen Ministerpräsidenten dürfte ebenfalls politische Auswirkungen haben.

Die FED scheine zunehmend zuversichtlich, dass sich die Inflation auf einem nachhaltigen Pfad in Richtung des Zielwerts von 2% befinde. Die Analysten von Postbank Research würden mit einem moderaten Zinssenkungszyklus rechnen, da sich die Volkswirtschaft im nächsten Jahr wieder beschleunigen dürfte, was den Abwärtstrend der Renditen begrenzen sollte. Darüber hinaus dürften ein Wiederaufflammen der Debatte um die Schuldenobergrenze und die Risiken anhaltender Haushaltsungleichgewichte die Laufzeitprämie in die Höhe treiben.

Wie in den USA seien auch in der Eurozone erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung der Inflation erzielt worden. Allerdings bleibe das Wachstum bisher schwach, so dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockern könne. Dies dürfte eine Versteilerung der Renditekurve von Bundesanleihen begünstigen, die sich an der Schwelle zur Normalisierung befinde. Die Renditen bei längeren Laufzeiten dürften aufgrund der fiskalischen Ungleichgewichte in den großen Volkswirtschaften und gelegentlicher politikinduzierter Volatilitätsschübe auf erhöhten Niveaus bleiben. (CIO Week up front vom 09.09.2024) (10.09.2024/alc/a/a)