USA: Leitzinsen für längere Zeit unverändert nahe 0% erwartet


14.04.20 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die täglichen Todesopfer von COVID-19 haben mit 1.922 Toten am 9. April in den USA einen neuen Höchststand erreicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dennoch scheine sich die Anzahl der Neuinfektionen vorerst zu stabilisieren. Die ökonomischen Kosten der Corona-Krise würden sich größer erweisen als gedacht und so steige auch der politische Druck den wirtschaftlichen Shutdown "eher früher als später" zu beenden. Finanzminister Mnuchin habe auf eine Lockerung der Restriktionen im Mai hingedeutet. Erst vor kurzem seien die Restriktionen bis Ende April verlängert worden. Klar sei, dass der verordnete Shutdown zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenrate auf über 10% führen werde. Auch letzte Woche seien über 6 Millionen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden, nach 6,6 Millionen in der Vorwoche. Die Konsumentenstimmung (University of Michigan) habe den bislang größten monatlichen Rückgang verzeichnet und sei vornehmlich durch die Einschätzung der aktuellen Lage als durch die Erwartungskomponente getrieben.

Diese Woche würden wichtige Konjunkturindikatoren für den Monat März veröffentlicht (Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze), die im Zusammenhang mit den bereits verfügbaren Arbeitsmarkt- und Stimmungsindikatoren eine bessere Einschätzung des BIP-Wachstums im ersten Quartal erlauben würden. Es sei zu erwarten, dass die deutlichen Rückgänge im März den soliden Jahresbeginn überschatten und trotz der vergleichsweise späten Einführung von flächendeckenden Restriktionen die US-Wirtschaft bereits im ersten Quartal deutlich geschrumpft sei. In Anbetracht dessen sowie in Erwartung eines deutlichen Einbruchs im 2. Quartal hätten die Analysten der RBI ihr Konjunkturszenario für die USA überarbeitet und die BIP-Prognose 2020 auf -5,3% gesenkt.

Die US-Notenbank Federal Reserve habe weitere Kreditprogramme initiiert und stelle KMUs sowie Bundesstaaten, Städten und Bezirken umfassend Liquidität zur Verfügung. Des Weiteren seien bestehende Programme ausgeweitet worden, insbesondere im Investment Grade Unternehmenssektor. Das Kreditvolumen der neu geschaffenen bzw. adaptierten Programme betrage USD 2.300 Mrd. Davon würden USD 600 Mrd. an KMUs und USD 500 Mrd. an Regionalregierungen gehen. Ebenfalls inkludiert seien USD 349 Mrd. an Krediten des Paycheck Protection Programms, welche die FED nun als Collateral akzeptiere.

Die Analysten der RBI würden erwarten, dass die Federal Reserve in nächster Zeit weitere Liquiditätsprogramme starte oder bestehende aufstocke. Im US-Fiskalpaket (CARES Act) würden der Federal Reserve USD 454 Mrd. an Eigenkapital für Kreditprogramme zugesichert. Die nun verlautbarten Maßnahmen würden USD 195 Mrd. verwenden, sodass ein zusätzliches Kreditvolumen von USD 2.590 Mrd. finanziert werden könnte. In einem Webcast habe FED-Präsident Powell am 9. April betont, dass Liquiditätsprogramme oberste Priorität hätten.

Der geldpolitische Kurs (Leitzinsen, Forward Guidance, QE) werde im aktuellen Umfeld als angemessen erachtet, er habe aber auch betont, dass eine mögliche geldpolitische Normalisierung sehr viel Vorlaufzeit haben werde. Dies festigt unsere Einschätzung, dass die Leitzinsen für längere Zeit und jedenfalls 2020 unverändert nahe 0% bleiben werden, so die Analysten der RBI. Das kurze Ende der US-Treasury-Renditekurve habe sich im Wochenvergleich daraufhin stabil verhalten und sei weiterhin im Einklang mit den aktuellen Prognosen der Analysten der RBI. Der Renditespread zwischen 2- und 10-jährigen Laufzeiten sei um etwa 10 BP auf 0,5%-Punkte gestiegen. Die Analysten der RBI sähen 10-jährige Treasury-Renditen seitwärts in einem Band zwischen 0,6% und 0,8%.(Ausgabe vom 10.04.2020) (14.04.2020/alc/a/a)





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