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USA: Inflationsveröffentlichung noch mehr als üblich im Fokus der Finanzmärkte
10.10.22 08:47
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche steht mit der US-Verbraucherpreisinflation ein wichtiger Datenpunkt am Kalender, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Als letzte Inflationsveröffentlichung vor der nächsten FED-Sitzung Anfang November rücke der Datenpunkt sogar noch mehr als üblich in den Fokus der Finanzmärkte. Das Ergebnis für September werde wohl ein ähnliches Muster ausweisen wie im August. Das heiße: Ein starker Preisdruck der Kernrate, während sinkende Energiepreise den Anstieg der Gesamtrate schmälern würden. Während die Kernrate auf 6,6% p.a. steigen könnte (August 6,3% p.a.), dürfte die Gesamtrate auf dem August-Niveau von 8,2% p.a. verharren oder sogar leicht rückläufig sein.
In Hinblick auf die US-Geldpolitik würde wohl ein monatlicher Preisanstieg der Kernrate nahe 0,5% p.m. (oder darüber) den aktuellen Status-quo einer Leitzinserhöhung um 75 BP auf der nächsten Zinssitzung Anfang November untermauern, während eine Kernrate von 0,3% p.m. (oder darunter) als dovishes Signal interpretiert werden könnte. Aktuell werde eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80% gepreist. Allgemein seien Zinsmärkte derzeit vergleichsweise sensitiv gegenüber Konjunkturindikatoren, wohl auch weil Notenbanken weitgehend auf Forward Guidance verzichten und von Zinssitzung-zu-Zinssitzung denken würden.
In diesem Licht sei auch ein Rückblick auf die ISM-Indices interessant. Würden Konjunkturindikatoren auf eine resiliente US-Wirtschaft hindeuten, werde dies oft so bewertet, dass Notenbanken ohne größere Bedenken gegen die Inflation vorgehen könnten. Zinserwartungen würden in der Folge steigen. Insbesondere der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe könne als Evidenz für Resilienz gesehen werden. Der Index sei im September nur leicht auf 56,7 Punkte gefallen und bleibe auf einem überraschend hohen Niveau. Die Sub-Komponenten Produktion (59,1) und Neuaufträge (60,6) lägen nahe der 60-Punkte-Marke, der Beschäftigungsindex habe von Stagnation auf Wachstum gedreht (53) und die Lieferzeiten (53,9) und Preiskomponenten (68,7) seien weiter gesunken, Letztere sei aber nach wie vor erhöht.
Auch wenn der Dienstleistungssektor wohl in den nächsten Monaten an Dynamik verlieren werde, was das Verarbeitende Gewerbe bereits getan habe (ISM nur noch knapp über 50 Punkte), würden die Stimmungsindikatoren auf ein freundlicheres Bild hindeuten, als dies in Europa der Fall sei. Für die Geldpolitik der FED sei das Spannungsverhältnis zwischen hoher Inflation und rückläufiger Konjunkturdynamik somit weniger prekär als für die EZB. Dennoch könnte das FED-Protokoll, welches diese Woche erscheine, interessante Einblicke gewähren, wie die US-Notenbank mit diesem Spannungsverhältnis umgehe und insbesondere wie das Verhältnis aus Inflationsrisiken und Konjunkturrisiken aktuell bewertet werde.
Das Protokoll zur letzten EZB-Zinssitzung sei bereits letzte Woche veröffentlicht worden. Aus der Mitschrift gehe hervor, dass die Ratsmitglieder durchaus unterschiedlicher Meinung seien in Bezug auf die wirtschaftliche Ausgangslage. Es habe zwar Einigkeit geherrscht, dass die Unsicherheiten hoch seien, die Risiken für die Konjunktur nach unten und für die Inflation nach oben überwiegen würden und das Leitzinsniveau als expansiv zu bezeichnen sei. Die Diskussion über Angebots- und Nachfrageverhältnisse, Lohnentwicklung und die Bestimmungsgründe der Inflation sei jedoch sehr kontrovers ausgefallen.
Zudem seien auch die Meinungen zur geeigneten geldpolitischen Reaktion weniger deckungsgleich, wie dies EZB-Präsidentin Lagarde auf der Pressekonferenz glaubhaft habe machen wollen. Beispielsweise sei der Entscheid für eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte (BP) zwar einhellig erfolgt, zuvor seien aber sehr wohl Stimmen für ein geringeres Ausmaß (50 BP) laut geworden. Letztlich sei der große Schritt abgesegnet worden, indem ergänzend das Bekenntnis erfolgt sei, unerwünschte Volatilität am Staatsanleihemarkt hintanzuhalten. In Summe erscheine das sehr rigorose Auftreten einiger Ratsmitglieder in den letzten Wochen weniger stark der allgemeinen Meinung zu entsprechen als zunächst vermutet.
Die zeitweilig sehr hawkische Interpretation der EZB-Absichten am Zinsmarkt, Ende September sei ein Anstieg des Einlagesatzes bis Mitte 2023 auf 3% gepreist worden, erscheine den Analysten der RBI gegeben des EZB-Protokolls jedenfalls als zu aggressiv. Unsere Zinsprognosen erscheinen dagegen näher am Konsens des EZB-Rats, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 07.10.2022) (10.10.2022/alc/a/a)
Als letzte Inflationsveröffentlichung vor der nächsten FED-Sitzung Anfang November rücke der Datenpunkt sogar noch mehr als üblich in den Fokus der Finanzmärkte. Das Ergebnis für September werde wohl ein ähnliches Muster ausweisen wie im August. Das heiße: Ein starker Preisdruck der Kernrate, während sinkende Energiepreise den Anstieg der Gesamtrate schmälern würden. Während die Kernrate auf 6,6% p.a. steigen könnte (August 6,3% p.a.), dürfte die Gesamtrate auf dem August-Niveau von 8,2% p.a. verharren oder sogar leicht rückläufig sein.
In Hinblick auf die US-Geldpolitik würde wohl ein monatlicher Preisanstieg der Kernrate nahe 0,5% p.m. (oder darüber) den aktuellen Status-quo einer Leitzinserhöhung um 75 BP auf der nächsten Zinssitzung Anfang November untermauern, während eine Kernrate von 0,3% p.m. (oder darunter) als dovishes Signal interpretiert werden könnte. Aktuell werde eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80% gepreist. Allgemein seien Zinsmärkte derzeit vergleichsweise sensitiv gegenüber Konjunkturindikatoren, wohl auch weil Notenbanken weitgehend auf Forward Guidance verzichten und von Zinssitzung-zu-Zinssitzung denken würden.
Auch wenn der Dienstleistungssektor wohl in den nächsten Monaten an Dynamik verlieren werde, was das Verarbeitende Gewerbe bereits getan habe (ISM nur noch knapp über 50 Punkte), würden die Stimmungsindikatoren auf ein freundlicheres Bild hindeuten, als dies in Europa der Fall sei. Für die Geldpolitik der FED sei das Spannungsverhältnis zwischen hoher Inflation und rückläufiger Konjunkturdynamik somit weniger prekär als für die EZB. Dennoch könnte das FED-Protokoll, welches diese Woche erscheine, interessante Einblicke gewähren, wie die US-Notenbank mit diesem Spannungsverhältnis umgehe und insbesondere wie das Verhältnis aus Inflationsrisiken und Konjunkturrisiken aktuell bewertet werde.
Das Protokoll zur letzten EZB-Zinssitzung sei bereits letzte Woche veröffentlicht worden. Aus der Mitschrift gehe hervor, dass die Ratsmitglieder durchaus unterschiedlicher Meinung seien in Bezug auf die wirtschaftliche Ausgangslage. Es habe zwar Einigkeit geherrscht, dass die Unsicherheiten hoch seien, die Risiken für die Konjunktur nach unten und für die Inflation nach oben überwiegen würden und das Leitzinsniveau als expansiv zu bezeichnen sei. Die Diskussion über Angebots- und Nachfrageverhältnisse, Lohnentwicklung und die Bestimmungsgründe der Inflation sei jedoch sehr kontrovers ausgefallen.
Zudem seien auch die Meinungen zur geeigneten geldpolitischen Reaktion weniger deckungsgleich, wie dies EZB-Präsidentin Lagarde auf der Pressekonferenz glaubhaft habe machen wollen. Beispielsweise sei der Entscheid für eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte (BP) zwar einhellig erfolgt, zuvor seien aber sehr wohl Stimmen für ein geringeres Ausmaß (50 BP) laut geworden. Letztlich sei der große Schritt abgesegnet worden, indem ergänzend das Bekenntnis erfolgt sei, unerwünschte Volatilität am Staatsanleihemarkt hintanzuhalten. In Summe erscheine das sehr rigorose Auftreten einiger Ratsmitglieder in den letzten Wochen weniger stark der allgemeinen Meinung zu entsprechen als zunächst vermutet.
Die zeitweilig sehr hawkische Interpretation der EZB-Absichten am Zinsmarkt, Ende September sei ein Anstieg des Einlagesatzes bis Mitte 2023 auf 3% gepreist worden, erscheine den Analysten der RBI gegeben des EZB-Protokolls jedenfalls als zu aggressiv. Unsere Zinsprognosen erscheinen dagegen näher am Konsens des EZB-Rats, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 07.10.2022) (10.10.2022/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


