USA: Inflation startet 2022 von einem hohen Niveau


02.12.21 08:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - 2022 wird das BIP in den USA voraussichtlich erneut mit einer relativ robusten Rate von 4,0% expandieren, nach 5,6% in diesem Jahr, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

In Q4 habe sich das BIP-Wachstum vermutlich beschleunigt und dieses hohe BIP-Niveau wirke sich positiv auf die Jahreswachstumsrate im kommenden Jahr aus.

Bemerkenswert sei die ungebrochene Wachstumsdynamik, die in den USA trotz der Pandemie zu beobachten sei. Es sei unklar, ob das Land auf Sicht der nächsten Monate weiter verschont bleibe. In ihrem Basisszenario würden die Analysten eine Fortsetzung der Erholung am Arbeitsmarkt unterstellen, die den privaten Konsum stützen werde. Dass die Stimmung bei den Konsumenten laut Michigan-Index auf einem Tiefpunkt sei, passe nicht ganz ins Bild und sei ein Hinweis auf die Risiken für das ansonsten freundlich erscheinende Bild.

Die PCE-Kernrate der Inflation habe im Oktober bei 4,2% gelegen und dürfte leicht höher driften, um dann durch schwächer werdende Basiseffekte insbesondere bei Energiepreisen im Jahr 2022 zu fallen. Allerdings könnte die Preisniveaustabilität in Gefahr geraten, falls die Löhne deutlich stärker steigen würden und es zu einer Lohn-Preis-Spirale komme.

FED-Chef Jerome Powell, dessen Wiederernennung für eine zweite Amtszeit jüngst erfolgt sei, werde versuchen, diese Gefahr abzuwehren. Mit der Reduktion der Anleiheankäufe (Tapering) sei bereits im November begonnen worden. Spätestens im Juni würden die Netto-Anleiheankäufe auf null gesunken sein. Im Anschluss seien Erhöhungen der Leitzinsen zu erwarten. Diskutiert werde derzeit, ob angesichts der hohen Inflation das Tapering beschleunigt und die Zinserhöhungen vorgezogen würden. Eine derartige Vorgehensweise berge die Gefahr, an den Kapitalmärkten Turbulenzen auszulösen. Die Analysten würden im Basisszenario von moderat steigenden Renditen ausgehen.

Das Anfang November beschlossene Infrastrukturpaket von 1,2 Billionen US-Dollar werde keinen konzentrierten Konjunktureffekt im kommenden Jahr haben, sondern langfristig positive Wirkung entfalten. Das Analysehaus S&P Global schätze, dass bis 2030 durch Infrastrukturausgaben von eine Billion US-Dollar 883.600 zusätzliche Jobs geschaffen würden. Dagegen könnte das Klima-, Sozial- und Bildungspaket von 1,8 Billionen US-Dollar, das möglicherweise noch 2021 vom Kongress verabschiedet werde, bereits 2022 einen Wachstumseffekt entfalten. (Ausgabe Dezember 2021) (02.12.2021/alc/a/a)