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USA: Geldpolitik - Wasser auf die Mühlen der Tauben


22.08.24 16:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nichts ist sicher, bevor nicht auf Worte Taten folgen - diese Maxime gilt besonders bei Spekulationen rund um geldpolitische Entscheidungen, so die Analysten der Nord LB.

Es spreche jedoch vieles dafür, dass die FED im September dann doch die erste Zinssenkung dieses Jahres vollziehen könnte. Dies würden jedenfalls die gestern veröffentlichten Sitzungsprotokolle des FOMC nahelegen, sofern die Daten dies rechtfertigen würden. Jerome Powell habe schon im Vorfeld geäußert, dass im September eine Senkung "auf dem Tisch" liegen könnte.

Analysten und Marktteilnehmer würden deshalb schon gar nicht mehr unbedingt über das "Ob", sondern eher über das "wie hoch" diskutieren. Dies könne zum Beispiel beim CME FED Watch Tool beobachtet werden, welchem entsprechend aggregierte Futures Kontrakte für die nächsten 30 Tage zugrunde lägen. Diese Kontrakte würden aktuell die Erwartung ausdrücken, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 71,5% im September die Zinsen um 25 Basispunkte gesenkt würden.

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (28,5%) werde sogar von einer Senkung um 50 Basispunkte ausgegangen. Freilich unterlägen diese Ableitungen dabei auch einem spekulativen Moment. Aber auch die verschiedenen Laufzeitbänder der US-Amerikanischen Renten, sowie die für den dortigen Immobilienmarkt sehr wichtigen durchschnittlichen 30-jährigen Hypothekenzinsen, würden bereits eine gesteigerte Erwartungshaltung für eine Lockerung der Geldpolitik reflektieren. Während diese durchschnittlichen Hypotheken in 2023 zeitweise im Bereich um die 8% notiert hätten, wären langfristige Kredite für Immobilien mittlerweile sogar schon wieder für unter 6,5% zu haben.

Nicht nur die Arbeitsmarktdaten vom 2. August würden noch immer einen gewissen Druck auf die FED ausüben, welche zwischenzeitlich zu teils erheblichen Verwerfungen auf den Kapitalmärkten geführt hätten. Aktuelle Erkenntnisse des Bureau of Labor Statistics würden nahelegen, dass der vorab gemeldete Stellenaufbau ("non-farm payrolls") bis März 2024 wohl nicht so positiv ausgefallen sei, wie es die monatlichen Veröffentlichungen zunächst signalisiert hätten - ein Phänomen, was sich bis in die Gegenwart durchziehen dürfte. In dem zwölf Monate umfassenden Zeitraum bis März dieses Jahres sei demnach eine Revision um 818.000 Stellen nach unten vorgenommen worden, was einer Abweichung von rund 30% entspreche. Bei den Monatsdaten handele es sich um zeitnahe Rückmeldungen aus Arbeitgeberbefragungen, während das BLS mit größerem zeitlichem Abstand anhand von Arbeitslosendaten einen akkurateren Wert ermittele.

Es sei jedenfalls auffällig, dass sich die Abwärtsrevisionen beim Stellenaufbau zuletzt nach wie vor gehäuft hätten, was den Schluss nahelege, dass die aktuellen Zahlen möglicherweise ebenfalls noch zu positiv ausfallen könnten. So signalisiere der Arbeitsmarkt somit als einer der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren eine stärkere Abkühlung der Wirtschaft als zunächst angenommen worden sei, und außerdem rücke das Ziel der maximalen Beschäftigung in immer weitere Ferne. Ein Umstand, der noch mehr Wasser auf die Mühlen all jener gießen dürfte, welche im September eine Lockerung der Geldpolitik erwarten würden.

Neben verschiedenen im Vorfeld getätigten Aussagen von Notenbankern sowie von Jerome Powell selbst, signalisiere auch das gestern veröffentlichte Sitzungsprotokoll des FOMC, dass nun im kommenden September die erste Zinssenkung seit März 2020 erfolgen könnte. Die ökonomischen Rahmenbedingungen würden dies zumindest nahelegen. Einerseits sei man bei der Jahresrate der Inflation noch nicht am Ziel, aber die 0,2% M/M im Juli würden vielversprechend wirken, dass die Preisniveaustabilität in näherer Zukunft doch erreicht werden könnte.

Ein viel drängenderes Problem stelle aber der US-Arbeitsmarkt dar und verdränge die Inflationsentwicklung zunehmend aus dem Fokus. Mit zuletzt stärker gestiegener Arbeitslosenquote als erwartet und vor allem einem deutlich schwächeren Stellenaufbau als angenommen, würden sich die Bremsspuren in der Wirtschaft immer deutlicher zeigen - Revisionen würden das Bild jedenfalls deutlich trüben. Zinssenkungen würden von den Kapitalmärkten auch immer stärker eingepreist, was man nicht zuletzt bei den Renten und den durchschnittlichen 30-jährigen Hypotheken sehen könne. Realistischerweise sollte ein Unsicherheitsfaktor aber immer auch im Hinterkopf behalten werden. (22.08.2024/alc/a/a)