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USA: Fed bleibt wegen geopolitischer Unsicherheit in Warteposition


27.04.26 10:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Geldpolitiker werden wohl angesichts der Unsicherheiten um den Irankonflikt auf der anstehenden Sitzung weder den Leitzins ändern noch klare Signale über ihre zukünftigen Schritte senden, so die Analysten der Helaba.

Neue Projektionen werde es diesmal turnusgemäß nicht geben.

Nachdem absehbar gewesen sei, dass der Irankrieg zu einem Sprung bei den Energiepreisen führen würde, hätten die Analysten Ende März ihre Fed-Prognose angepasst. Die Zinssenkung um 25 Basispunkte im Jahr 2026, die die Analysten vorher noch erwartet hätten, hätten sie gestrichen. Aktuell würden die Analysten davon ausgehen, dass der Zielkorridor für die Federal Funds Rate wahrscheinlich auch 2027 bei 3,50% bis 3,75% bleiben würde.

Auf der Inflationsseite habe der Druck durch Donald Trumps Zollpolitik gerade nachgelassen, als mit dem Irankrieg der nächste Angebotsschock gefolgt sei. Neben den Energiepreisen, die mit Verzögerung über Transportkosten u.ä. auch die Kernrate etwas anschieben würden, betreffe der Konflikt im Persischen Golf noch andere Güterkategorien: Die Region sei normalerweise ein wichtiger globaler Lieferant von Düngemitteln (bzw. deren Inputfaktoren), Helium und Aluminium. Eine Düngemittelknappheit auf dem Weltmarkt drohe, Nahrungsmittelengpässe zu erzeugen, die - selbst in den USA - mit steigenden Lebensmittelpreisen verbunden sein dürften.

Im Februar - also noch vor Ausbruch des Konfliktes - habe die Teuerungsrate gemessen am Kernindex des von der Fed präferierten Indikators (PCE Preisindex) bei 3% gelegen (Gesamtrate: 2,8%). Im März dürfte die Gesamtteuerung dank höherer Energiepreise auf 3,5% gesprungen sein. Die Fed strebe eine Jahresrate von 2% an. Auf eine Energieknappheit mit einer restriktiveren Geldpolitik zu reagieren, sei grundsätzlich nicht sinnvoll. Allerdings liege die Inflation in den USA nun seit vollen fünf Jahren (zum Teil deutlich) oberhalb des Ziels der Fed. In dieser Situation habe die Notenbank nicht den Luxus, durch den Preisschock einfach "hindurchzusehen".

Andererseits sei die Realwirtschaft auch nicht in einem Zustand, der höhere Leitzinsen zwingend mache. Trotz des zuletzt wieder robusteren Beschäftigungsaufbaus bleibe der Arbeitsmarkt für US-Verhältnisse anämisch. Die gleichzeitige Schwäche des Arbeitskräfteangebots dank Trumps Einwanderungspolitik kompensiere allerdings die Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen.

Das US-Wachstum habe im ersten Quartal wohl bei annualisiert 1 bis 2% gegenüber Vorquartal gelegen (Daten am Donnerstag). Anfang des zweiten Quartals habe sich die Konsumnachfrage laut den Einzelhandelszahlen recht gut gehalten - deutlich höhere Steuerrückzahlungen durch Trumps "Big Beautiful Bill" würden kurzfristig offenbar den Effekt der massiv gestiegenen Benzinpreise (im Schnitt fast +40% seit Ende Februar) kompensieren. Aber Expertenschätzungen, wann im besten Fall mit einer näherungsweisen Normalisierung der Lieferungen aus dem Persischen Golf zu rechnen sei, würden sich stetig nach hinten verschieben. Die Belastungen der Haushalte durch höhere Preise würden also wohl nicht nur auf die kurze Frist beschränkt sein.

Schließlich werde dies die letzte FOMC-Sitzung sein, die Jerome Powell leite, wenn bei seiner Ablösung alles termingerecht laufe. Offiziell solle er Mitte Mai als Chairman abtreten. Da sein designierter Nachfolger Kevin Warsh im für die Ernennung zuständigen Senatsausschuss aber derzeit keine Mehrheit habe, bleibe unklar, ob dieser Zeitplan eingehalten werden könne. Powell könnte daher zunächst kommissarisch im Amt bleiben - unabhängig davon, wie er sich hinsichtlich seiner noch bis 2028 laufenden, von der Position als Chairman separaten, Amtszeit als Gouverneur entscheide. Mit der Frage, welchen Einfluss Kevin Warsh als Fed-Chef auf die US-Geldpolitik haben werde, würden sich die Analysten in den kommenden Wochen noch detaillierter beschäftigen. (Ausgabe vom 24.04.2026) (27.04.2026/alc/a/a)