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USA/Euroraum: Die Inflation wird höchstwahrscheinlich weiter zurückgehen
08.07.24 08:59
National-Bank AG
Essen (www.anleihencheck.de) - In den USA blieb der Abwärtstrend der Kapitalmarktsätze, der seit dem Jahresende 2023 eingesetzt hatte, bis zuletzt erhalten, so die Analysten der National-Bank AG.
Zwar stocke der Disinflationsverlauf etwas, nach wie vor bleibe ein globaler Rückgang der Inflation aber das dominante Szenario: Die Inflation werde im Prognosezeitraum sowohl in den USA als auch im Euroraum höchstwahrscheinlich weiter zurückgehen. Es sei zwar davon auszugehen, dass von den Energiepreisen in einigen Ländern kaum mehr dämpfende Effekte auf die Verbraucherpreise ausgehen würden. Demgegenüber werde aber die mittlerweile signifikante Abschwächung der Lohndynamik den Preisauftrieb zunehmend verringern: Die Inflationsdynamik in den USA werde hier mittlerweile beinahe ausschließlich von den Dienstleistungen bestimmt. Die Verlangsamung des Inflationsrückgangs sei allerdings nicht ungewöhnlich, da Dienstleistungspreise im Allgemeinen weniger oft angepasst würden und daher träger seien als etwa Warenpreise. Zudem seien Dienstleistungen meist lohnin tensiver, so dass die Lohnentwicklung, die der allgemeinen Preisentwicklung nachlaufe, den Preisauftrieb von Dienstleistungen länger hochhalte. Wann genau auch die Preisdynamik im Dienstleitungssektor dem allgemeinen Abwärtstrend der Preisdynamik folge, werde derzeit intensiv diskutiert. Insgesamt bleibe die exakte Anatomie der Disinflationsprozesses hier der Unsicherheitsfaktor, insbesondere da die Löhne des Sektors in Relation zu den Güterpreien noch einiges nachzuholen haben könnten.
Eine Quantifizierung bzw. Saldierung der Effekte spreche nach Erachten der Analysten aber dafür, dass die Nachholeffekte bei der Dienstleistungsinflation im weiteren Verlauf immer stärker in den Hintergrund treten dürften. Den pandemiebedingten Sonderfaktoren stehe hier insbesondere entgegen, dass das gesamte vorlaufendende US-Datenspektrum für einen spürbar sinkende Lohndynamik spreche: Schaue man sich die Signifikanz der US-Übernachrage nach Arbeitskräften für die Lohndynamik genauer an, würde es schon an ein Wunder grenzen, wenn sich die Lohndynamik auch mit Blick auf die erhebliche Zuwanderung nicht weiter deutlichst zurückbilden würde. Man dürfe in der Summe eben keinesfalls vergessen, dass der Disinflationsprozess erhebliche Wirkungsverzögerungen aufweise, insofern müsse die US-Notenbank beide sich verdichtenden Anzeichen eines Abschwungs am Arbeitsmarkt auch aufpassen, dass sich der pandemiebedingte Strukturbruch bei der Lohndynamik nicht in sein Gegenteil verkehre.
Viele höchstsignifikante Datensätze würden seit rund zwei Jahren auf massive Disinflationsimpulse verweisen, insofern nehme die Gefahr zu, dass sich das Inflationsproblem zumindest in den USA sehr viel schneller löse, als von den Märkten erwartet. Die FED wird also rasch umsteuern müssen, wenn sich die Dinge gemäß der traditionellen Wirkungskanäle entwickeln - der US-Kapitalmarktsatz sowie die stellare Aktienmarktentwicklung bei den zinssensitiven Technologiewerten scheinen dies bereits vorwegzunehmen: Der exakte Wendepunkt blieb bis zuletzt zwar ungewiss, die preisdämpfenden Faktoren dürften aber nunmehr immer stärker spürbar werden, so die Analysten der National-Bank AG. Im Euroraum sei derweil zu erwarten, dass die Inflation bereits zu Jahresende 2024 unter 2% sinke: Würden die Rahmenbedingungen in Europa so bleiben wie sie derzeit seien, arbeite die Zeit für eine expansivere Geldpolitik der EZB. Insgesamt würden die Analysten die Schätzungen für die Zinssätze auf den bisherigen Niveaus belassen und die Renditen für die 10-jährigen Bundesanleihen aktuell auf knapp über 2,0% taxieren. Die Projektionen für die US-amerikanischen 10-jährigen Benchmark-Sätze sähen die Analysten aktuell fast unverändert bei Werten um 3,8% auf Sicht der nächsten 12 Monate.
Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage in der Eurozone würden die Risikoprämien mit Werte knapp oberhalb von 50 Basispunkten strukturell niedrig bleiben - allerdings hätten sie im Umfeld der zunehmenden innenpolitischen Risiken in Frankreich zwischenzeitlich wieder etwas spürbarer angezogen: Hintergrund seien die Befürchtungen, dass neue politische Kräftekonstellationen die Eurozone schwächen könnten und insofern der Druck auf die EZB zunehmen könnte, die ohnehin fragilen Staatsfinanzen etwa Frankreichs zu stützen: Die Erhöhung der Finanzierungskosten durch die Erhöhung der Risikoaufschläge sei mittel- bis längerfristig sicherlich eine zusätzliche Belastung. Erfahrungsgemäß falle die Politikwende im Realitätstests dann ggf. aber viel geringer aus als angekündigt. Trotz der strukturell schwierigen Lage in der Eurozone würden insgesamt sehr niedrige Spreads vorherrschen. Gemessen an ihren Simulationen halten die Analysten der National-Bank AG dieses Niveau zwar ungebrochen für zu gering. Mit Blick auf die EZB-Leitzinswende und die sich zumindest wieder etwas festigenden konjunkturellen Perspektiven für die Eurozone hätten die Risiken aber zuletzt klar abgenommen. Grundsätzlich bleibe das Chance-Risiko-Verhältnis auf der US-Zinsstrukturkurve aber deutlich besser - zumal mit Blick auf die Aufwertungserwartung für den US-Dollar. (Ausgabe vom 05.07.2024) (08.07.2024/alc/a/a)
Zwar stocke der Disinflationsverlauf etwas, nach wie vor bleibe ein globaler Rückgang der Inflation aber das dominante Szenario: Die Inflation werde im Prognosezeitraum sowohl in den USA als auch im Euroraum höchstwahrscheinlich weiter zurückgehen. Es sei zwar davon auszugehen, dass von den Energiepreisen in einigen Ländern kaum mehr dämpfende Effekte auf die Verbraucherpreise ausgehen würden. Demgegenüber werde aber die mittlerweile signifikante Abschwächung der Lohndynamik den Preisauftrieb zunehmend verringern: Die Inflationsdynamik in den USA werde hier mittlerweile beinahe ausschließlich von den Dienstleistungen bestimmt. Die Verlangsamung des Inflationsrückgangs sei allerdings nicht ungewöhnlich, da Dienstleistungspreise im Allgemeinen weniger oft angepasst würden und daher träger seien als etwa Warenpreise. Zudem seien Dienstleistungen meist lohnin tensiver, so dass die Lohnentwicklung, die der allgemeinen Preisentwicklung nachlaufe, den Preisauftrieb von Dienstleistungen länger hochhalte. Wann genau auch die Preisdynamik im Dienstleitungssektor dem allgemeinen Abwärtstrend der Preisdynamik folge, werde derzeit intensiv diskutiert. Insgesamt bleibe die exakte Anatomie der Disinflationsprozesses hier der Unsicherheitsfaktor, insbesondere da die Löhne des Sektors in Relation zu den Güterpreien noch einiges nachzuholen haben könnten.
Viele höchstsignifikante Datensätze würden seit rund zwei Jahren auf massive Disinflationsimpulse verweisen, insofern nehme die Gefahr zu, dass sich das Inflationsproblem zumindest in den USA sehr viel schneller löse, als von den Märkten erwartet. Die FED wird also rasch umsteuern müssen, wenn sich die Dinge gemäß der traditionellen Wirkungskanäle entwickeln - der US-Kapitalmarktsatz sowie die stellare Aktienmarktentwicklung bei den zinssensitiven Technologiewerten scheinen dies bereits vorwegzunehmen: Der exakte Wendepunkt blieb bis zuletzt zwar ungewiss, die preisdämpfenden Faktoren dürften aber nunmehr immer stärker spürbar werden, so die Analysten der National-Bank AG. Im Euroraum sei derweil zu erwarten, dass die Inflation bereits zu Jahresende 2024 unter 2% sinke: Würden die Rahmenbedingungen in Europa so bleiben wie sie derzeit seien, arbeite die Zeit für eine expansivere Geldpolitik der EZB. Insgesamt würden die Analysten die Schätzungen für die Zinssätze auf den bisherigen Niveaus belassen und die Renditen für die 10-jährigen Bundesanleihen aktuell auf knapp über 2,0% taxieren. Die Projektionen für die US-amerikanischen 10-jährigen Benchmark-Sätze sähen die Analysten aktuell fast unverändert bei Werten um 3,8% auf Sicht der nächsten 12 Monate.
Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage in der Eurozone würden die Risikoprämien mit Werte knapp oberhalb von 50 Basispunkten strukturell niedrig bleiben - allerdings hätten sie im Umfeld der zunehmenden innenpolitischen Risiken in Frankreich zwischenzeitlich wieder etwas spürbarer angezogen: Hintergrund seien die Befürchtungen, dass neue politische Kräftekonstellationen die Eurozone schwächen könnten und insofern der Druck auf die EZB zunehmen könnte, die ohnehin fragilen Staatsfinanzen etwa Frankreichs zu stützen: Die Erhöhung der Finanzierungskosten durch die Erhöhung der Risikoaufschläge sei mittel- bis längerfristig sicherlich eine zusätzliche Belastung. Erfahrungsgemäß falle die Politikwende im Realitätstests dann ggf. aber viel geringer aus als angekündigt. Trotz der strukturell schwierigen Lage in der Eurozone würden insgesamt sehr niedrige Spreads vorherrschen. Gemessen an ihren Simulationen halten die Analysten der National-Bank AG dieses Niveau zwar ungebrochen für zu gering. Mit Blick auf die EZB-Leitzinswende und die sich zumindest wieder etwas festigenden konjunkturellen Perspektiven für die Eurozone hätten die Risiken aber zuletzt klar abgenommen. Grundsätzlich bleibe das Chance-Risiko-Verhältnis auf der US-Zinsstrukturkurve aber deutlich besser - zumal mit Blick auf die Aufwertungserwartung für den US-Dollar. (Ausgabe vom 05.07.2024) (08.07.2024/alc/a/a)
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