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USA: Einschätzung einer ersten Zinssenkung auf September 2024 verschoben
15.04.24 11:00
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Während die vergangene Woche ganz im Zeichen der weiteren geldpolitischen Vorgehensweise der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks stand, stehen diese Woche Datenveröffentlichungen zur konjunkturellen Lage im Mittelpunkt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
So erscheinen in der Eurozone Daten zur Industrieproduktion im Februar, berichten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Diesbezügliche nationale Daten stünden bereits zur Verfügung, und speziell die deutschen Zahlen hätten mit einer Überraschung aufwarten können. So sei die deutsche Industrieproduktion mit einer Zunahme in Höhe von 2,1% p.m. im Februar deutlich über den Erwartungen zu liegen gekommen. Die Januar-Zahl sei indessen von 1% auf 1,3% revidiert worden, auch dieser Wert habe klar über den Erwartungen gelegen. Damit stünden die tatsächlichen Daten zur Entwicklung des deutschen Industriesektors in einem klaren Gegensatz zu Stimmungsindikatoren wie den PMIs, welche zuletzt auf eine sehr verhaltene Entwicklung des Sektors hingewiesen hätten.
Hinsichtlich des Eurozonen-Aggregats würden die Analysten einen Anstieg der Industrieproduktion in Höhe von 0,7% p.m. erwarten, was eine Abnahme in Höhe von -6,1% im Vergleich zum Februar des Vorjahres implizieren würde. Mit dem deutschen ZEW für April stehe diese Woche außerdem ein Stimmungsindikator zur konjunkturellen Lage auf der Agenda. Während die Komponente betreffend den Zukunftserwartungen zuletzt deutlich habe zulegen können und im März ein Langzeit-Hoch von 31,7 Punkten erreicht habe, habe sich die Komponente für die aktuelle Lage auf einem pessimistischen Niveau seitwärts bewegt (März: -80,5 Punkte). Die Analysten würden eine Fortsetzung dieses Trends erwarten, und eine Verbesserung der Zukunftserwartungen auf 45,7 Punkte, sowie einen Anstieg der Einschätzungen zur aktuellen Lage auf -75,3 Punkte prognostizieren.
Auch in den USA stünden diese Woche Daten zur Wirtschaftsaktivität (im März) zur Veröffentlichung an. Die Einzelhandelsumsätze hätten im Februar um 0,6% p.m. zulegen können, nach einer Abnahme im Januar in Höhe von -1,1%. Für März werde aktuell eine weitere Zunahme von 0,3% p.m. erwartet. Die Industrieproduktion sei im Februar um 0,1% p.m. gewachsen (Januar: -0,1% p.m.). Hier werde für März aktuell eine Zunahme von 0,4% p.m. erwartet. Die US-Konjunktur entwickele sich im Großen und Ganzen also weiterhin solide.
Das Hauptaugenmerk liege in den USA aktuell allerdings auf der Inflationsentwicklung. So seien die vergangene Woche erschienenen VPI-Inflationsdaten für März durch die Bank weg über den Erwartungen zu liegen gekommen, was eine erneute Bestätigung einer zu hohen Inflationsdynamik seit Jahresbeginn darstelle. Die Kerninflationsrate sei zum dritten Mal in Folge auf 0,4% p.m. zu liegen gekommen, was einer Jahreswachstumsrate von 3,8% entspreche. Auch die Gesamtinflationsrate sei im Monatsvergleich um 0,4% angewachsen (3,5% p.a.).
Besonders inflationstreibend seien abermals die Wohn- und Kraftstoffpreise gewesen, aber auch andere Komponenten wie etwa Autoversicherungen hätten zusätzlichen Preisdruck erzeugt. Die jüngsten Daten hätten also abermals einen Beweis dafür geliefert, dass der Weg zum Inflationsziel von 2% keine Einbahnstraße sei.
Die FED blicke auf eine starke Konjunkturdynamik, einen engen Arbeitsmarkt und eine Inflationsdynamik, die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Disinflationstrends wecke. FED Präsident Powell habe letzte Woche noch bekräftigt, dass die stärkere Inflationsdynamik in den ersten beiden Monaten des Jahres womöglich auch statistische Ursachen rund um die Saisonbereinigung haben könnte. Mit den nun vorgelegten Daten vom März scheine diese Interpretation zu bröckeln.
Auch wenn das bevorzugte Inflationsmaß der FED - die PCE Inflation - noch nicht veröffentlicht worden sei, erscheine die aktuelle Datenlage eine Zinssenkung im Juni keinesfalls zu unterstützen. Und die FED agiere äußerst datengetrieben. Die Analysten hätten aufgrund dessen ihre Einschätzung einer ersten Zinssenkung von Juni 2024 auf September 2024 verschoben und die restlichen Zinsprognosen für den Geld- und Rentenmarkt der USA angepasst.
Der Zinsmarkt habe vergangene Woche ganz im Zeichen des Repricings zur FED gestanden. US Treasury Renditen seien deutlich angestiegen und in dessen Sog hätten sich auch Bund Renditen nach oben bewegt. Der US Dollar habe in Folge deutlich aufgewertet. Der Rückgang bei EUR/USD dürfe aber nicht nur im Lichte der späteren Zinssenkungen der FED gesehen werden. Währungsmärkte würden immer relative Entwicklungen reflektieren. Und so müsse auch ein Blick auf die EZB geworfen werden. Die dieswöchige Zinssitzung habe zwar keine Überraschungen gebracht, da die Leitzinsen unverändert belassen worden seien, aber eine Zinssenkung im Juni sei nun auch offiziell im geldpolitischen Beschluss vorbereitet worden.
Die Entwicklungen in den USA würden somit nichts am Zeitpunkt des Zinssenkungszyklus in der Eurozone verändern. Sie sollten aber als Warnung interpretiert werden, dass auch in der Eurozone der Disinflationstrend keine Einbahnstraße sein könnte. Ein behutsames Vorgehen mit Zinssenkungen im Quartalsrhythmus, wie von den Analysten prognostiziert, könnte somit eine Konsequenz des womöglich späteren Handelns der FED sein, auch um den Wechselkurs nicht zusätzlich zu belasten. (Ausgabe vom 12.04.2024) (15.04.2024/alc/a/a)
So erscheinen in der Eurozone Daten zur Industrieproduktion im Februar, berichten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Diesbezügliche nationale Daten stünden bereits zur Verfügung, und speziell die deutschen Zahlen hätten mit einer Überraschung aufwarten können. So sei die deutsche Industrieproduktion mit einer Zunahme in Höhe von 2,1% p.m. im Februar deutlich über den Erwartungen zu liegen gekommen. Die Januar-Zahl sei indessen von 1% auf 1,3% revidiert worden, auch dieser Wert habe klar über den Erwartungen gelegen. Damit stünden die tatsächlichen Daten zur Entwicklung des deutschen Industriesektors in einem klaren Gegensatz zu Stimmungsindikatoren wie den PMIs, welche zuletzt auf eine sehr verhaltene Entwicklung des Sektors hingewiesen hätten.
Hinsichtlich des Eurozonen-Aggregats würden die Analysten einen Anstieg der Industrieproduktion in Höhe von 0,7% p.m. erwarten, was eine Abnahme in Höhe von -6,1% im Vergleich zum Februar des Vorjahres implizieren würde. Mit dem deutschen ZEW für April stehe diese Woche außerdem ein Stimmungsindikator zur konjunkturellen Lage auf der Agenda. Während die Komponente betreffend den Zukunftserwartungen zuletzt deutlich habe zulegen können und im März ein Langzeit-Hoch von 31,7 Punkten erreicht habe, habe sich die Komponente für die aktuelle Lage auf einem pessimistischen Niveau seitwärts bewegt (März: -80,5 Punkte). Die Analysten würden eine Fortsetzung dieses Trends erwarten, und eine Verbesserung der Zukunftserwartungen auf 45,7 Punkte, sowie einen Anstieg der Einschätzungen zur aktuellen Lage auf -75,3 Punkte prognostizieren.
Auch in den USA stünden diese Woche Daten zur Wirtschaftsaktivität (im März) zur Veröffentlichung an. Die Einzelhandelsumsätze hätten im Februar um 0,6% p.m. zulegen können, nach einer Abnahme im Januar in Höhe von -1,1%. Für März werde aktuell eine weitere Zunahme von 0,3% p.m. erwartet. Die Industrieproduktion sei im Februar um 0,1% p.m. gewachsen (Januar: -0,1% p.m.). Hier werde für März aktuell eine Zunahme von 0,4% p.m. erwartet. Die US-Konjunktur entwickele sich im Großen und Ganzen also weiterhin solide.
Besonders inflationstreibend seien abermals die Wohn- und Kraftstoffpreise gewesen, aber auch andere Komponenten wie etwa Autoversicherungen hätten zusätzlichen Preisdruck erzeugt. Die jüngsten Daten hätten also abermals einen Beweis dafür geliefert, dass der Weg zum Inflationsziel von 2% keine Einbahnstraße sei.
Die FED blicke auf eine starke Konjunkturdynamik, einen engen Arbeitsmarkt und eine Inflationsdynamik, die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Disinflationstrends wecke. FED Präsident Powell habe letzte Woche noch bekräftigt, dass die stärkere Inflationsdynamik in den ersten beiden Monaten des Jahres womöglich auch statistische Ursachen rund um die Saisonbereinigung haben könnte. Mit den nun vorgelegten Daten vom März scheine diese Interpretation zu bröckeln.
Auch wenn das bevorzugte Inflationsmaß der FED - die PCE Inflation - noch nicht veröffentlicht worden sei, erscheine die aktuelle Datenlage eine Zinssenkung im Juni keinesfalls zu unterstützen. Und die FED agiere äußerst datengetrieben. Die Analysten hätten aufgrund dessen ihre Einschätzung einer ersten Zinssenkung von Juni 2024 auf September 2024 verschoben und die restlichen Zinsprognosen für den Geld- und Rentenmarkt der USA angepasst.
Der Zinsmarkt habe vergangene Woche ganz im Zeichen des Repricings zur FED gestanden. US Treasury Renditen seien deutlich angestiegen und in dessen Sog hätten sich auch Bund Renditen nach oben bewegt. Der US Dollar habe in Folge deutlich aufgewertet. Der Rückgang bei EUR/USD dürfe aber nicht nur im Lichte der späteren Zinssenkungen der FED gesehen werden. Währungsmärkte würden immer relative Entwicklungen reflektieren. Und so müsse auch ein Blick auf die EZB geworfen werden. Die dieswöchige Zinssitzung habe zwar keine Überraschungen gebracht, da die Leitzinsen unverändert belassen worden seien, aber eine Zinssenkung im Juni sei nun auch offiziell im geldpolitischen Beschluss vorbereitet worden.
Die Entwicklungen in den USA würden somit nichts am Zeitpunkt des Zinssenkungszyklus in der Eurozone verändern. Sie sollten aber als Warnung interpretiert werden, dass auch in der Eurozone der Disinflationstrend keine Einbahnstraße sein könnte. Ein behutsames Vorgehen mit Zinssenkungen im Quartalsrhythmus, wie von den Analysten prognostiziert, könnte somit eine Konsequenz des womöglich späteren Handelns der FED sein, auch um den Wechselkurs nicht zusätzlich zu belasten. (Ausgabe vom 12.04.2024) (15.04.2024/alc/a/a)


