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USA: Anleiherenditen fallen trotz "tapering"-Start
26.02.14 15:31
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Nach der für die Märkte überraschenden Verschiebung im Herbst kündigte die US-Notenbank (FED) jeweils zum Jahresende 2013 und zu Jahresbeginn 2014 nun doch erste Reduktionen ihrer Anleihekäufe ("tapering") um jeweils 10 Mrd. US-Dollar an, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport" im vierteljährlichen Bericht zu den globalen Anleihemärkten.
Wer angesichts dessen auf eine Fortsetzung des seit Mai 2013 zu beobachtenden kräftigen Renditeanstiegs bei US-Treasuries gesetzt habe, sei jedoch eines anderen belehrt worden. Denn nachdem die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen das alte Jahr nahezu auf dem Hochpunkt bei über 3% beendet hätten, hätten sie anschließend wieder den Rückwärtsgang eingelegt und zwischenzeitlich bis auf 2,60% nachgegeben. Mehrere Faktoren dürften dabei am Werke sein. Erstens, schlechtere US-Konjunkturdaten als erwartet und zweitens - und vermutlich am wichtigsten - die abermalige Schwäche bei Währungen, Anleihen und Aktien der Schwellenländer, die diesmal auch auf die entwickelten Aktienmärkte übergriffen hätten, einschließlich den USA. Das deutlich verschlechterte weltweite Risikosentiment habe dann wie so oft zur Flucht vieler Anleger in den "sicheren Hafen" der US-Staatsanleihen geführt.
Diese Nachfrage sei dann, drittens, auf einen Markt getroffen, in dem die allermeisten Marktteilnehmer klar auf weiter steigende Renditen positioniert gewesen seien und die damit auf dem falschen Fuß erwischt worden seien. Abgesehen davon sei das "tapering" der FED in erster Linie deshalb relevant, weil es eine mögliche Trendwende in der US-Geldpolitik darstelle. Diese sei aber ungeachtet dessen natürlich noch immer sehr expansiv und vom Ausmaß her würden die bisherigen Reduktionen kaum ins Gewicht fallen.
Der mittelfristige, zyklische Konjunkturausblick für die USA sei unterdessen weiter positiv, doch es deute sich bereits an, dass - ähnlich wie schon in den beiden Vorjahren - die Wachstumsprognosen zu optimistisch sein dürften. Was immer die FED an "Vermögenseffekten" (dank ihrer indirekten Stimulierung der Aktien- und Immobilienmärkte) geschaffen habe, komme weitgehend den oberen 1% und vor allem den oberen 0,1% der Bevölkerung zu Gute. Trotz der optisch stark gesunkenen Arbeitslosenquote sei die wirtschaftliche Erholung seit 2009 am Arbeitsmarkt weitgehend vorbeigelaufen. Die gesunken Arbeitslosenquote widerspiegle vor allem das Ausscheiden einer immer größeren Anzahl von Menschen aus dem Arbeitsmarkt und weniger die Schaffung neuer Jobs. Und was an Arbeitsplätzen neu geschaffen werde, sei zumeist von niedrigerer Entlohnungsqualität gekennzeichnet oder stark auf Teilzeitjobs konzentriert.
Kein Wunder, dass angesichts dessen die Durchschnittseinkommen der übergroßen Bevölkerungsmehrheit weiterhin stagnieren oder sogar fallen würden. Gleichzeitig kämen für viele Privathaushalte zusätzliche Belastungen durch die neue Gesundheitsreform hinzu. Da würden auch die positiven Effekte gesunkener Energie- und Treibstoffpreise recht schnell kompensiert. Angesichts einer US-Wirtschaft, die in erster Linie vom privaten Konsum abhänge, liege es dann aber wiederum auf der Hand, dass wichtige Voraussetzungen für ein nachhaltig dynamisches Wachstum damit fehlen würden.
Die Hoffnungen der Konjunkturoptimisten würden daher vor allem darauf ruhen, dass die Unternehmen nach vielen Jahren großer Zurückhaltung wieder verstärkt investieren würden. Das dürfte - zumindest teilweise - auch tatsächlich erfolgen, denn vielfach sei der Kapitalstock überaltert. Dass davon aber ein starker, dynamischer Wachstumsimpuls für die gesamte Volkswirtschaft ausgehen werde, müsse sich erst noch erweisen. Vor diesem Hintergrund dürfte auch weiterhin eine Seitwärtsbewegung der Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen zwischen 2,50% und 3,00% das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Monate bleiben. (Ausgabe Februar 2014) (26.02.2014/alc/a/a)
Wer angesichts dessen auf eine Fortsetzung des seit Mai 2013 zu beobachtenden kräftigen Renditeanstiegs bei US-Treasuries gesetzt habe, sei jedoch eines anderen belehrt worden. Denn nachdem die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen das alte Jahr nahezu auf dem Hochpunkt bei über 3% beendet hätten, hätten sie anschließend wieder den Rückwärtsgang eingelegt und zwischenzeitlich bis auf 2,60% nachgegeben. Mehrere Faktoren dürften dabei am Werke sein. Erstens, schlechtere US-Konjunkturdaten als erwartet und zweitens - und vermutlich am wichtigsten - die abermalige Schwäche bei Währungen, Anleihen und Aktien der Schwellenländer, die diesmal auch auf die entwickelten Aktienmärkte übergriffen hätten, einschließlich den USA. Das deutlich verschlechterte weltweite Risikosentiment habe dann wie so oft zur Flucht vieler Anleger in den "sicheren Hafen" der US-Staatsanleihen geführt.
Der mittelfristige, zyklische Konjunkturausblick für die USA sei unterdessen weiter positiv, doch es deute sich bereits an, dass - ähnlich wie schon in den beiden Vorjahren - die Wachstumsprognosen zu optimistisch sein dürften. Was immer die FED an "Vermögenseffekten" (dank ihrer indirekten Stimulierung der Aktien- und Immobilienmärkte) geschaffen habe, komme weitgehend den oberen 1% und vor allem den oberen 0,1% der Bevölkerung zu Gute. Trotz der optisch stark gesunkenen Arbeitslosenquote sei die wirtschaftliche Erholung seit 2009 am Arbeitsmarkt weitgehend vorbeigelaufen. Die gesunken Arbeitslosenquote widerspiegle vor allem das Ausscheiden einer immer größeren Anzahl von Menschen aus dem Arbeitsmarkt und weniger die Schaffung neuer Jobs. Und was an Arbeitsplätzen neu geschaffen werde, sei zumeist von niedrigerer Entlohnungsqualität gekennzeichnet oder stark auf Teilzeitjobs konzentriert.
Kein Wunder, dass angesichts dessen die Durchschnittseinkommen der übergroßen Bevölkerungsmehrheit weiterhin stagnieren oder sogar fallen würden. Gleichzeitig kämen für viele Privathaushalte zusätzliche Belastungen durch die neue Gesundheitsreform hinzu. Da würden auch die positiven Effekte gesunkener Energie- und Treibstoffpreise recht schnell kompensiert. Angesichts einer US-Wirtschaft, die in erster Linie vom privaten Konsum abhänge, liege es dann aber wiederum auf der Hand, dass wichtige Voraussetzungen für ein nachhaltig dynamisches Wachstum damit fehlen würden.
Die Hoffnungen der Konjunkturoptimisten würden daher vor allem darauf ruhen, dass die Unternehmen nach vielen Jahren großer Zurückhaltung wieder verstärkt investieren würden. Das dürfte - zumindest teilweise - auch tatsächlich erfolgen, denn vielfach sei der Kapitalstock überaltert. Dass davon aber ein starker, dynamischer Wachstumsimpuls für die gesamte Volkswirtschaft ausgehen werde, müsse sich erst noch erweisen. Vor diesem Hintergrund dürfte auch weiterhin eine Seitwärtsbewegung der Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen zwischen 2,50% und 3,00% das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Monate bleiben. (Ausgabe Februar 2014) (26.02.2014/alc/a/a)


