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USA: Achillesferse Regionalbanken
07.07.23 10:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Konjunkturdaten Deutschlands haben diese Woche wieder gemischte Signale für die übrige Eurozone, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die größte Ökonomie Europas habe mit leicht angestiegener Inflation, sinkendem Wirtschaftsvertrauen (HCOB PMIs) der Marktakteure und nachlassenden Exporten zu kämpfen. Umso erstaunlicher sei es, wie robust die deutschen Einzelhandelsdaten seien. Noch erstaunlicher sei die konjunkturelle Lage in den USA, da die FED im Zinsanhebungszyklus sehr weit fortgeschritten sei und dessen ungeachtet die neuen Daten zu persönlichen Ausgaben und Bauinvestitionen sehr robust gewesen seien. Sorgen würden den US-Amerikanern lediglich die verlangsamende Industrie und die Fragilität der mittleren und kleineren Banken bereiten. Auch die PCE Kerninflation gehöre noch zu den Sorgenkindern der FED.
Insgesamt dürfe man sowohl in Washington als auch in Frankfurt fest mit einer Zinsanhebung von 25 BP im Juli-Meeting rechnen. In diesem zwar unsicheren, aber doch berechenbaren Fahrwasser sei es nicht überraschend, dass die Renditen auf den Rentenmärkten angestiegen seien. Die T-Notes mit einer zehnjährigen Laufzeit hätten zuletzt bei 3,9% rentiert.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe habe sich über der Schwelle von 3,9% gehalten und sich in der Nähe des höchsten Stands seit Anfang März bewegt, nachdem aus dem Protokoll der Juni-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) hervorgegangen sei, dass sich die Mehrheit der Entscheidungsträger darin einig gewesen sei, dass weitere Zinserhöhungen im Jahr 2023 angemessen wären. Die Rendite der Bunds mit zehnjähriger Laufzeit liege bei 2,53%.
In Deutschland seien die Inflationszahlen im Juni mit einem Wert von 6,4% YoY leicht höher als im Vormonat (+0,3 Prozentpunkte) ausgefallen. Grund hierfür sei das auf drei Monate befristete Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt gewesen, die Juni 2022 eingesetzt worden seien, um den damaligen Preisauftrieb zu bremsen. Größere Sorgen bereite da der Außenhandel. Deutschland und Europa würden die global schwächelnde Nachfrage stark zu spüren bekommen. Die deutschen Handelszahlen würden ein pessimistisches Bild zeichnen. Die Geschäfte mit den USA und mit den EU-Ländern würden schrumpfen, und insgesamt seien die Exporte im Mai um 0,1% YoY gefallen. Die Analysten hätten dagegen mit einem Wachstum von 0,3% gerechnet. Importe hingegen hätten um 1,7% im Mai zugelegt.
Auch in Spanien und Italien scheine die Konjunktur eine Delle zu bekommen. Die HCOB PMI Zahlen insbesondere für das Verarbeitende Gewerbe seien in beiden Ländern deutlich unter 50 gemeldet worden. Die Kontraktion halte nun seit April an und bisher sei keine Besserung in Sicht. Weitere Sorgenfalten hätten die Anleger angesichts der Juli-Zahlen des GfK Konsumklimaindex bekommen. Dieser sei von - 24,4 im Vormonat auf -25,4 gesunken. Von diesem Ausblick seien die Mai-Daten der Einzelhandelsumsätze noch unberührt geblieben. Mit einem leichten Anstieg von 0,4% MoM hätten sie noch einen positiven Impuls aussenden können.
Nicht so ganz positiv sei die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen sei im Zuge der Frühjahrsbelebung im Mai um 42.000 im Vergleich zum Vormonat auf 2,544 Millionen gesunken. Um jahreszeitliche Schwankungen bereinigt sei die Erwerbslosenzahl im Monatsvergleich um 9000 gestiegen. Für Juni würden Experten einen Anstieg um 15.000 erwarten. Die Chefin der BA Andrea Nahles habe gesagt: "Die schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spüren wir nun auch auf dem Arbeitsmarkt".
Die USA könnten in diesem schweren ökonomischen Umfeld sogar zum Teil robustere Daten aufweisen. Die Bauinvestitionen in den Vereinigten Staaten seien im Mai 2023 im Vergleich zum Vormonat um 0,9% auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 1.925,6 Mrd. USD, nach einem Anstieg von 0,4% im April und habe damit leicht über den Marktprognosen von 0,6% gelegen. Dies sei der stärkste Anstieg der Bauinvestitionen seit vier Monaten gewesen. Aber auch das konjunkturelle Bild in den USA bleibe nicht ganz ohne Risse.
Beispielhaft könne man da den ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe heranziehen, der von 46,9 Indexpunkten im Vormonat auf 46 im Juni gefallen sei und sich damit im tiefen kontraktiven Bereich befinde. Das Potenzial, zur kontinuierlichen Achillesferse der USA zu avancieren, scheinen die Regionalbanken unvermindert zu haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Bei den mittelgroßen Regionalbanken sehe es nicht so rosig aus. Die Banken hätten in diesem Monat wieder die Anleger davor gewarnt, dass die höheren Finanzierungskosten die Branche belasten würden.
Eine Anhebung der Leitzinsen durch die FED und der EZB im Juli scheine nicht gefährdet. Beide Seiten würden betonen, dass man ein gutes Stück vom Inflationsziel entfernt wäre. Der FED-Chef Jerome Powell habe im Rahmen seiner Vorträge in Europa die Botschaft dagelassen, dass in diesem Jahr wahrscheinlich mindestens zwei weitere Zinserhöhungen erforderlich seien, um die Inflation auf das Zielniveau zu bringen.
In dieselbe Richtung sei das kommunikative Signal des Bundesbankpräsidenten Joachim Nagel gegangen, der klargestellt habe, dass Preisstabilität sich nicht wie von Zauberhand und ganz von alleine einstellen werde. Weiter habe er gesagt: "Die Geldpolitik muss entschieden reagieren." EZB Chefvolkswirt Philip Lane habe allen, die am Markt bald auf Zinssenkungen gehofft hätten, eine klare Absage erteilt. Die Erwartung baldiger Zinssenkungen habe der EZB-Chefvolkswirt als unrealistisch bezeichnet. Es werde eine Phase anhaltend "restriktiver" Zinsen geben, habe er gesagt.
Datenseitig dürfte die FED besonders die Arbeitsmarktdaten (7.7.) interessieren, denn diese sollten einen Hinweis darauf geben, wie wahrscheinlich eine Rezession im kommenden Quartal werde, bisher gebe der Arbeitsmarkt dafür keine Anzeichen. Außerdem stünden Inflationszahlen (CPI, 12.7.) für die USA an. Das Nowcast der Analysten signalisiere einen Rückgang der Gesamtinflation auf 3,1% YoY und ebenfalls einen Rückgang der hartnäckigeren Kerninflation auf 5,0%.
Im Euroraum würden Industriezahlen (7.7.) in Deutschland veröffentlicht. Nach zuletzt schwachen Zahlen zeichne sich ein Anstieg an, das würden die am 6. Juli 2023 veröffentlichten Umsatzzahlen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (+2,7% MoM) nahelegen. Die HCOB PMI würden allerdings nahelegen, dass dieser Anstieg nicht sonderlich kräftig ausfallen sollte. (Ausgabe vom 06.07.2023) (07.07.2023/alc/a/a)
Die größte Ökonomie Europas habe mit leicht angestiegener Inflation, sinkendem Wirtschaftsvertrauen (HCOB PMIs) der Marktakteure und nachlassenden Exporten zu kämpfen. Umso erstaunlicher sei es, wie robust die deutschen Einzelhandelsdaten seien. Noch erstaunlicher sei die konjunkturelle Lage in den USA, da die FED im Zinsanhebungszyklus sehr weit fortgeschritten sei und dessen ungeachtet die neuen Daten zu persönlichen Ausgaben und Bauinvestitionen sehr robust gewesen seien. Sorgen würden den US-Amerikanern lediglich die verlangsamende Industrie und die Fragilität der mittleren und kleineren Banken bereiten. Auch die PCE Kerninflation gehöre noch zu den Sorgenkindern der FED.
Insgesamt dürfe man sowohl in Washington als auch in Frankfurt fest mit einer Zinsanhebung von 25 BP im Juli-Meeting rechnen. In diesem zwar unsicheren, aber doch berechenbaren Fahrwasser sei es nicht überraschend, dass die Renditen auf den Rentenmärkten angestiegen seien. Die T-Notes mit einer zehnjährigen Laufzeit hätten zuletzt bei 3,9% rentiert.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe habe sich über der Schwelle von 3,9% gehalten und sich in der Nähe des höchsten Stands seit Anfang März bewegt, nachdem aus dem Protokoll der Juni-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) hervorgegangen sei, dass sich die Mehrheit der Entscheidungsträger darin einig gewesen sei, dass weitere Zinserhöhungen im Jahr 2023 angemessen wären. Die Rendite der Bunds mit zehnjähriger Laufzeit liege bei 2,53%.
In Deutschland seien die Inflationszahlen im Juni mit einem Wert von 6,4% YoY leicht höher als im Vormonat (+0,3 Prozentpunkte) ausgefallen. Grund hierfür sei das auf drei Monate befristete Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt gewesen, die Juni 2022 eingesetzt worden seien, um den damaligen Preisauftrieb zu bremsen. Größere Sorgen bereite da der Außenhandel. Deutschland und Europa würden die global schwächelnde Nachfrage stark zu spüren bekommen. Die deutschen Handelszahlen würden ein pessimistisches Bild zeichnen. Die Geschäfte mit den USA und mit den EU-Ländern würden schrumpfen, und insgesamt seien die Exporte im Mai um 0,1% YoY gefallen. Die Analysten hätten dagegen mit einem Wachstum von 0,3% gerechnet. Importe hingegen hätten um 1,7% im Mai zugelegt.
Auch in Spanien und Italien scheine die Konjunktur eine Delle zu bekommen. Die HCOB PMI Zahlen insbesondere für das Verarbeitende Gewerbe seien in beiden Ländern deutlich unter 50 gemeldet worden. Die Kontraktion halte nun seit April an und bisher sei keine Besserung in Sicht. Weitere Sorgenfalten hätten die Anleger angesichts der Juli-Zahlen des GfK Konsumklimaindex bekommen. Dieser sei von - 24,4 im Vormonat auf -25,4 gesunken. Von diesem Ausblick seien die Mai-Daten der Einzelhandelsumsätze noch unberührt geblieben. Mit einem leichten Anstieg von 0,4% MoM hätten sie noch einen positiven Impuls aussenden können.
Die USA könnten in diesem schweren ökonomischen Umfeld sogar zum Teil robustere Daten aufweisen. Die Bauinvestitionen in den Vereinigten Staaten seien im Mai 2023 im Vergleich zum Vormonat um 0,9% auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 1.925,6 Mrd. USD, nach einem Anstieg von 0,4% im April und habe damit leicht über den Marktprognosen von 0,6% gelegen. Dies sei der stärkste Anstieg der Bauinvestitionen seit vier Monaten gewesen. Aber auch das konjunkturelle Bild in den USA bleibe nicht ganz ohne Risse.
Beispielhaft könne man da den ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe heranziehen, der von 46,9 Indexpunkten im Vormonat auf 46 im Juni gefallen sei und sich damit im tiefen kontraktiven Bereich befinde. Das Potenzial, zur kontinuierlichen Achillesferse der USA zu avancieren, scheinen die Regionalbanken unvermindert zu haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Bei den mittelgroßen Regionalbanken sehe es nicht so rosig aus. Die Banken hätten in diesem Monat wieder die Anleger davor gewarnt, dass die höheren Finanzierungskosten die Branche belasten würden.
Eine Anhebung der Leitzinsen durch die FED und der EZB im Juli scheine nicht gefährdet. Beide Seiten würden betonen, dass man ein gutes Stück vom Inflationsziel entfernt wäre. Der FED-Chef Jerome Powell habe im Rahmen seiner Vorträge in Europa die Botschaft dagelassen, dass in diesem Jahr wahrscheinlich mindestens zwei weitere Zinserhöhungen erforderlich seien, um die Inflation auf das Zielniveau zu bringen.
In dieselbe Richtung sei das kommunikative Signal des Bundesbankpräsidenten Joachim Nagel gegangen, der klargestellt habe, dass Preisstabilität sich nicht wie von Zauberhand und ganz von alleine einstellen werde. Weiter habe er gesagt: "Die Geldpolitik muss entschieden reagieren." EZB Chefvolkswirt Philip Lane habe allen, die am Markt bald auf Zinssenkungen gehofft hätten, eine klare Absage erteilt. Die Erwartung baldiger Zinssenkungen habe der EZB-Chefvolkswirt als unrealistisch bezeichnet. Es werde eine Phase anhaltend "restriktiver" Zinsen geben, habe er gesagt.
Datenseitig dürfte die FED besonders die Arbeitsmarktdaten (7.7.) interessieren, denn diese sollten einen Hinweis darauf geben, wie wahrscheinlich eine Rezession im kommenden Quartal werde, bisher gebe der Arbeitsmarkt dafür keine Anzeichen. Außerdem stünden Inflationszahlen (CPI, 12.7.) für die USA an. Das Nowcast der Analysten signalisiere einen Rückgang der Gesamtinflation auf 3,1% YoY und ebenfalls einen Rückgang der hartnäckigeren Kerninflation auf 5,0%.
Im Euroraum würden Industriezahlen (7.7.) in Deutschland veröffentlicht. Nach zuletzt schwachen Zahlen zeichne sich ein Anstieg an, das würden die am 6. Juli 2023 veröffentlichten Umsatzzahlen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (+2,7% MoM) nahelegen. Die HCOB PMI würden allerdings nahelegen, dass dieser Anstieg nicht sonderlich kräftig ausfallen sollte. (Ausgabe vom 06.07.2023) (07.07.2023/alc/a/a)


