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Türkische Anleihen geraten stark unter Druck


20.01.14 16:43
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach fast elf Jahren relativ hoher politischer Stabilität seit dem Machtantritt der AKP 2002 wurden die Investoren im Dezember vom Ausbruch heftiger innenpolitischer Spannungen in der Türkei überrascht, berichten die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Korruptionsvorwürfe bis in die höchsten politischen und wirtschaftlichen Kreise hätten zu Rücktritten und Abberufungen von Ministern und einer großen Kabinettsumbildung (gleich zehn Minister seien ausgetauscht worden) sowie zu weiteren Ermittlungen unter anderem gegen den Sohn von Premierminister Erdogan geführt. Im Gegenzug sei seitens der Regierung alles als eine große ausländische Verschwörung bezeichnet worden und zahlreiche der ermittelnden Polizeibeamten seien kurzerhand auf andere Positionen versetzt worden.

Die Tragweite dieser Entwicklungen sei derzeit noch schwer abzuschätzen, zumal erstmalig auch die regierende AKP intern mit großen internen Spannungen konfrontiert sei. Eine geplante Verfassungsänderung, die dem Präsidenten künftig mehr Macht verleihen solle und die für Sommer 2014 erwartete Wahl von Premier Erdogan zum Präsidenten würden inzwischen keineswegs mehr so sicher zu sein scheinen wie noch vor wenigen Wochen.

Auch für das Wirtschaftswachstum könnte es negative Auswirkungen geben, allerdings aus heutiger Sicht wohl nur in sehr begrenztem Ausmaß. Besonders dank einer recht strikten Fiskalpolitik der letzten Jahre hätte die Regierung erheblichen finanziellen Spielraum zum Gegensteuern. Das größte Risiko und die eigentliche Achillesferse des Landes bleibe daher zweifellos die Finanzierung des nach wie vor zu hohen Leistungsbilanzdefizits.

Die Lira sowie türkische Anleihen hätten stark inmitten dieser politischen Turbulenzen verloren, obwohl die türkische Notenbank auf den Devisenmärkten interveniert habe. Es sei gut vorstellbar, dass als weitere Maßnahme der Zinskorridor ausgeweitet werde, zumal sich die Inflationsaussichten nach der jüngsten Währungsabwertung verschlechtert hätten.

Dem türkischen Aktienmarkt seien diese Entwicklungen nicht gut bekommen - er habe im Dezember um über 10% nachgegeben. (Ausgabe Januar 2014) (20.01.2014/alc/a/a)