Türkei: Zentralbank hebt den Leitzins erneut kräftig an


08.12.23 12:51
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Türkische Zentralbank hat im November den Leitzins erneut deutlich um 500 Basispunkte auf nun 40% angehoben. Wir hatten wie die meisten Analysten eine Rücknahme des Straffungstempos auf 250 Basispunkte erwartet, so die Analysten der DekaBank.

Die Notenbank habe den Schritt jedoch mit der Ankündigung verbunden, sich nun nahe dem Zinsniveau zu befinden, das benötigt werde, um die preispolitischen Ziele zu erreichen und dass der Zyklus schon bald beendet werde. Es erscheine daher sehr wahrscheinlich, dass die Zinsen maximal um weitere 500 Basispunkte (2 mal 250 Basispunkte) erhöht würden. Nach dieser deutlichen Straffung zunächst die Wirkung der bisherigen Zinsanhebung abzuwarten, sei nachvollziehbar. Die Notenbank könne zudem auf schwächere Wirtschaftsdaten verweisen, die für einen Rückgang des nachfragebedingten Inflationsdrucks sprechen würden: So sei das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal saisonbereinigt nur um 0,3% qoq gestiegen. Veränderte Saisonfaktoren hätten allerdings gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Jahresveränderungsrate mit 5,9% nach oben überrascht habe.

Insgesamt bleibe das makroökonomische Umfeld schwierig: Erst ab Juli kommenden Jahres dürften starke Basiseffekte dazu führen, dass die Inflationsrate deutlich falle. Bislang sei weder ein deutlicher Rückgang der Inflationserwartungen noch des Kreditwachstums zu beobachten. Auch das Vertrauen in die Lira sei weiterhin angeschlagen, was sich an der starken Entwicklung der Fremdwährungseinlagen und der Stagnation der Netto-Währungsreserven ablesen lasse. Schon jetzt große Fortschritte auf dem Weg zu Preisstabilität zu verkünden, wie die Türkische Zentralbank dies tue, sei jedenfalls nicht der vorsichtige Ansatz, der eigentlich verfolgt werden müsste, um die Märkte von ihrem klaren Stabilitätswillen zu überzeugen. Außenpolitisch habe Staatspräsident Erdogan mit massiven verbalen Attacken auf die israelische Regierung und einer Politik des Hinhaltens mit Blick auf das Nato-Beitrittsgesuch Schwedens das Verhältnis zu den westlichen Partnern erneut belastet.

Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren und gleichzeitig die Konjunktur am Laufen zu halten. Sie selbst würden erst ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit nennenswerten niedrigeren Inflationsraten rechnen. Ob dieses graduelle Vorgehen ausreiche, um das Vertrauen in die Lira wiederherzustellen, sei offen. Bis auf Weiteres würden hohe Inflation, eine schwächere Währung und geringeres Wirtschaftswachstum das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden zwei Jahre erscheinen. Außenpolitisch sei die Bedeutung der Türkei für den Westen durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gestiegen. Dies gebe Präsident Erdogan Spielraum, innenpolitisch seine harte Linie weiter zu verfolgen.

Die drei großen Ratingagenturen hätten auf die wirtschaftspolitische Kehrtwende hin zu einer stärker stabilitätsorientierten Politik reagiert und den Ratingausblick von negativ auf stabil angehoben. Bevor es aber zu ersten Heraufstufungen des Ratings kommen könne, müssten die Erfolge der neuen Politik klarer zu erkennen sein, als dies bislang der Fall sei. Zudem dürften die Agenturen abwarten, wie Präsident Erdogan auf eine nachhaltige Konjunkturverlangsamung reagieren würde. In der Vergangenheit habe Erdogan einen Wechsel an der Zentralbankspitze vorgenommen, wenn ihm die Geldpolitik zu straff erschienen sei. Neben fehlendem Vertrauen in den Stabilitätswillen Erdogans seien die hohe Fremdwährungsverschuldung, die niedrigen Nettoreserven der Zentralbank sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit die wichtigsten Gründe für niedrige Ratings im Single-B-Bereich. Die Spreads von Hartwährungsanleihen würden signalisieren, dass der neuen wirtschaftspolitischen Führung zugetraut werde, eine Zahlungsbilanzkrise verhindern zu können. (08.12.2023/alc/a/a)





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