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Türkei: Wachsende Zweifel am Kurs der Notenbank
12.03.24 11:40
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Zentralbank hat auf ihrer Februar-Sitzung den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 45% gelassen, so die Analysten der DekaBank.
Eine weitere Anhebung würde sie nur dann für notwendig halten, wenn der weitere Inflationsverlauf nachhaltig und deutlich von den Projektionen abweiche. Die Zinsen sollten so lange auf dem aktuellen Niveau bleiben, bis sich die Inflationserwartungen den Projektionen der Zentralbank angenähert hätten. Die Notenbank habe klar zu erkennen gegeben, dass sie die Geldpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt für ausreichend restriktiv halte. Die jüngsten Makrodaten und auch die Kapitalmarktentwicklungen würden allerdings Zweifel an dieser Einschätzung wecken. So habe die Inflationsrate zu Beginn des Jahres nach oben überrascht: Im Februar sei sie von 64,9% auf 67,1% gestiegen. Die Kernrate habe von 70,5% auf 72,9% zugelegt. Nach problematischer sei, dass sich das Kreditwachstum in den vergangenen Wochen wieder beschleunigt habe. In dieses Bild passe die positive Überraschung bei der Konjunkturentwicklung: Im vierten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt um 1,0% qoq und 4,0% yoy zugelegt, nachdem im dritten Quartal der Zuwachs in der Quartalsveränderungsrate noch bei 0,3% gelegen habe. Auch am Finanzmarkt steige der Druck auf die Zentralbank: Die türkische Lira (TRY) habe in den vergangenen vier Wochen um mehr als 4% gegenüber dem US-Dollar verloren und sei damit die schwächste aller bedeutenden Schwellenländerwährungen gewesen. Die Rendite türkischer Lokalwährungsanleihen (gemessen am GBI von J.P. Morgan) sei seit Mitte Februar um mehr als 4 Prozentpunkte auf 31,1% gestiegen. Die Zentralbank habe auf die Lira-Schwäche mit administrativen Maßnahmen zur Einschränkung der Liquidität reagiert, womit sie den von ihr propagierten Weg einer transparenten Geldpolitik nicht konsequent weiterverfolgt. Zudem dränge sich der Eindruck auf, dass die Notenbank vor den wichtigen Kommunalwahlen am 31 März wohl keinen Spielraum habe, die Zinsen weiter anzuheben.
Perspektiven: Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren und gleichzeitig die Konjunktur am Laufen zu halten. Sie selbst würden erst ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit nennenswerten niedrigeren Inflationsraten rechnen. Ob dieses graduelle Vorgehen ausreiche, um das Vertrauen in die Lira dauerhaft wiederherzustellen, sei offen. Bis auf Weiteres würden hohe Inflation, eine schwächere Währung und geringeres Wirtschaftswachstum das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden zwei Jahre erscheinen. Außenpolitisch sei die Bedeutung der Türkei für den Westen durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gestiegen. Dies gebe Präsident Erdogan Spielraum, innenpolitisch seine harte Linie weiter zu verfolgen.
Länderrisiko: Die drei großen Ratingagenturen hätten auf die wirtschaftspolitische Kehrtwende hin zu einer stärker stabilitätsorientierten Politik reagiert und den Ratingausblick von negativ auf stabil angehoben. Bevor es aber zu ersten Heraufstufungen des Ratings kommen könne, müssten die Erfolge der neuen Politik klarer zu erkennen sein, als dies bislang der Fall sei. Zudem dürften die Agenturen abwarten, wie Präsident Erdogan auf eine nachhaltige Konjunkturverlangsamung reagieren würde. In der Vergangenheit habe Erdogan einen Wechsel an der Zentralbankspitze vorgenommen, wenn ihm die Geldpolitik zu straff erschienen sei. Neben fehlendem Vertrauen in den Stabilitätswillen Erdogans seien die hohe Fremdwährungsverschuldung, die niedrigen Nettoreserven der Zentralbank sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit die wichtigsten Gründe für niedrige Ratings im Single-B-Bereich. Die Spreads von Hartwährungsanleihen würden signalisieren, dass der neuen wirtschaftspolitischen Führung zugetraut werde, eine Zahlungsbilanzkrise verhindern zu können. (Emerging Markets Trends vom 12.03.2024) (12.03.2024/alc/a/a)
Eine weitere Anhebung würde sie nur dann für notwendig halten, wenn der weitere Inflationsverlauf nachhaltig und deutlich von den Projektionen abweiche. Die Zinsen sollten so lange auf dem aktuellen Niveau bleiben, bis sich die Inflationserwartungen den Projektionen der Zentralbank angenähert hätten. Die Notenbank habe klar zu erkennen gegeben, dass sie die Geldpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt für ausreichend restriktiv halte. Die jüngsten Makrodaten und auch die Kapitalmarktentwicklungen würden allerdings Zweifel an dieser Einschätzung wecken. So habe die Inflationsrate zu Beginn des Jahres nach oben überrascht: Im Februar sei sie von 64,9% auf 67,1% gestiegen. Die Kernrate habe von 70,5% auf 72,9% zugelegt. Nach problematischer sei, dass sich das Kreditwachstum in den vergangenen Wochen wieder beschleunigt habe. In dieses Bild passe die positive Überraschung bei der Konjunkturentwicklung: Im vierten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt um 1,0% qoq und 4,0% yoy zugelegt, nachdem im dritten Quartal der Zuwachs in der Quartalsveränderungsrate noch bei 0,3% gelegen habe. Auch am Finanzmarkt steige der Druck auf die Zentralbank: Die türkische Lira (TRY) habe in den vergangenen vier Wochen um mehr als 4% gegenüber dem US-Dollar verloren und sei damit die schwächste aller bedeutenden Schwellenländerwährungen gewesen. Die Rendite türkischer Lokalwährungsanleihen (gemessen am GBI von J.P. Morgan) sei seit Mitte Februar um mehr als 4 Prozentpunkte auf 31,1% gestiegen. Die Zentralbank habe auf die Lira-Schwäche mit administrativen Maßnahmen zur Einschränkung der Liquidität reagiert, womit sie den von ihr propagierten Weg einer transparenten Geldpolitik nicht konsequent weiterverfolgt. Zudem dränge sich der Eindruck auf, dass die Notenbank vor den wichtigen Kommunalwahlen am 31 März wohl keinen Spielraum habe, die Zinsen weiter anzuheben.
Perspektiven: Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren und gleichzeitig die Konjunktur am Laufen zu halten. Sie selbst würden erst ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit nennenswerten niedrigeren Inflationsraten rechnen. Ob dieses graduelle Vorgehen ausreiche, um das Vertrauen in die Lira dauerhaft wiederherzustellen, sei offen. Bis auf Weiteres würden hohe Inflation, eine schwächere Währung und geringeres Wirtschaftswachstum das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden zwei Jahre erscheinen. Außenpolitisch sei die Bedeutung der Türkei für den Westen durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gestiegen. Dies gebe Präsident Erdogan Spielraum, innenpolitisch seine harte Linie weiter zu verfolgen.
Länderrisiko: Die drei großen Ratingagenturen hätten auf die wirtschaftspolitische Kehrtwende hin zu einer stärker stabilitätsorientierten Politik reagiert und den Ratingausblick von negativ auf stabil angehoben. Bevor es aber zu ersten Heraufstufungen des Ratings kommen könne, müssten die Erfolge der neuen Politik klarer zu erkennen sein, als dies bislang der Fall sei. Zudem dürften die Agenturen abwarten, wie Präsident Erdogan auf eine nachhaltige Konjunkturverlangsamung reagieren würde. In der Vergangenheit habe Erdogan einen Wechsel an der Zentralbankspitze vorgenommen, wenn ihm die Geldpolitik zu straff erschienen sei. Neben fehlendem Vertrauen in den Stabilitätswillen Erdogans seien die hohe Fremdwährungsverschuldung, die niedrigen Nettoreserven der Zentralbank sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit die wichtigsten Gründe für niedrige Ratings im Single-B-Bereich. Die Spreads von Hartwährungsanleihen würden signalisieren, dass der neuen wirtschaftspolitischen Führung zugetraut werde, eine Zahlungsbilanzkrise verhindern zu können. (Emerging Markets Trends vom 12.03.2024) (12.03.2024/alc/a/a)


