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Türkei: Versprechen und widersprüchliche Signale


04.09.18 10:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Normalerweise sind US-Feiertage wie der gestrige Labor Day Garanten für einen relativ ruhigen Devisenhandelstag, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Was aber nicht heißen solle, dass unter der Oberfläche nicht die alten Probleme weiter brodeln würden. Immerhin habe es nach Wochen verbaler Zurückhaltung der türkischen Notenbank so etwas wie ein Lebenszeichen gegeben. Denn nachdem gestern die türkischen Verbraucherpreise im August gegenüber dem Vorjahr um 17,9 Prozent (Vormonat 15,85 Prozent) gestiegen seien, habe die Zentralbank "notwendige Maßnahmen" angekündigt. Allerdings sollten entsprechende Beschlüsse erst in der kommenden Woche bei der Sitzung am 13. September gefasst werden. Wobei sich für viele Marktteilnehmer bereits jetzt die Frage stelle, um wie viel der Leitzins, der Ein-Wochen-Repo-Satz, denn steigen müsste, um nach Ansicht der Investoren die trabende Inflation in den Griff zu bekommen.

Viele Akteure würden dabei davon ausgehen, dass eine Leitzinserhöhung zwischen 500 und 550 Basispunkten liegen müsste. Zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen, weil Staatspräsident Recep Erdogan ein Gegner von Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation sei. Immerhin habe Finanzminister Berat Albayrak (übrigens Erdogans Schwiegersohn) bereits am Sonntag betont, die Zentralbank sei unabhängig und würde alle notwendigen Schritte [zur Inflationsbekämpfung] unternehmen. Ob es die Marktteilnehmer glauben würden, sei indes ungewiss, zumal die türkische Währung gegenüber dem Dollar zum Handelsschluss wieder leicht nachgegeben habe.

Ein widersprüchliches Bild habe sich aber auch beim Problemkind Italien ergeben. Weiterhin seien es die unterschiedlichen Signale aus Regierungskreisen, die für Unsicherheit unter den Akteuren und dafür sorgen würden, dass die Anleiherenditen immer noch unweit ihres Jahreshochs vom 29. Mai notieren würden. Es sorge schon für Verwirrung, wenn etwa Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini (Lega Nord) gestern geäußert habe, dass er ein Haushaltsdefizit nahe, aber dennoch unterhalb von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also innerhalb der EU-Neuverschuldungsgrenze, anstrebe. Der parteilose Finanzminister für Wirtschaft und Finanzen, Giovanni Tria, werbe unterdessen mit einem sportlichen Satz von 1,5 Prozent des BIP. Unterdessen erkläre Luigi di Maio, ebenfalls stellvertretender Ministerpräsident und Minister für wirtschaftliche Entwicklung, er möchte bereits im kommenden Jahr das Grundeinkommen für die Bürger einführen, eine Maßnahme, die zweifellos das Defizit kräftig aufblähen würde.

Unterdessen habe der Euro trotz all dieser widersprüchlichen Ansagen einen ruhigen Handelstag verbrach - in einem stabilen Umfeld innerhalb seines kurzfristigen Aufwärtstrends zwischen 1,1565 und 1,1755. (04.09.2018/alc/a/a)