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Türkei: Pause im Zinssenkungszyklus zeichnet sich ab
09.03.26 14:21
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank dürfte auf ihrer Sitzung am 12. März den Leitzins unverändert lassen und damit eine Pause im Senkungszyklus einlegen, so die DekaBank.
Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten habe zu einem deutlichen Ölpreisanstieg geführt, was zumindest auf Sicht der kommenden Monate die Inflationsrisiken erhöhe. Schon zuvor hätten die Konsumentenpreise im Januar um 4,8% gegenüber dem Vormonat zugelegt und im Februar sei ein weiterer Anstieg um 3,0 % gefolgt. Die Jahresveränderungsrate sei im Februar von 30,7% auf 31,5% gestiegen. Die erhöhten Ölpreise lasteten nicht nur auf den Konsumentenpreisen, sondern auch auf der Leistungsbilanz. Der rollierende 12-Monatssaldo sei im Dezember auf ein Defizit von 25 Mrd. US-Dollar gestiegen. Mit 1,6% sei das Defizit als Anteil am Bruttoinlandsprodukt zwar noch nicht im kritischen Bereich, doch die Entwicklung erschwere den Aufbau von Währungsreserven und spreche dafür, dass die reale Aufwertung der türkischen Lira zunehmend zu einem Problem werde. Die Zentralbank wolle jedoch an der schrittweisen, kontrollierten Abwertung festhalten, um den Inflationsdruck nicht zu erhöhen. Die Währungsreserven seien zuletzt im Trend gefallen, was zeige, dass der Mix aus Geld- und Wechselkurspolitik gegenwärtig nicht ausreichend attraktiv sei, um ausländisches Kapital anzuziehen. Die Sorgen um die Entwicklung im Nahen Osten hätten Auslandsinvestoren zusätzlich verunsichert. Es spreche daher viel für eine vorsichtigere Gangart in der Geldpolitik und die Rückkehr zu einer etwas stärkeren nominalen Abwertung der türkischen Lira (zuletzt habe die Abwertung bei rund 1,5% pro Monat gelegen). Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt würden die Entscheidung in diese Richtung insofern unterstützen, als sie auf der einen Seite eine solide Entwicklung der Inlandsnachfrage zeigten, auf der anderen Seite aber einen Rückgang der Exporte. Mit einem Plus von 0,4% qoq (3,4% yoy) sei der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwar eher schwach gewesen, doch ihm seien vier ordentliche Vorquartale vorausgegangen und mit 3,6% habe der Zuwachs im Gesamtjahr 2025 auf gutem Niveau gelegen, wenn man in Rechnung stelle, dass die Geldpolitik seit längerem eher restriktiv ausgerichtet sei und es nur geringe fiskalische Impulse gebe.
Perspektiven: Staatspräsident Erdogan dürfe zwar laut Verfassung nicht erneut kandidieren, doch dürfte er Wege suchen, dies über eine Verfassungsänderung oder vorgezogene Neuwahlen zu erreichen. Um wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu erhalten, müsse er vor allem für mehr Preisstabilität sorgen, denn die hohe Inflation und der damit einhergehende Kaufkraftverlust seien für breite Bevölkerungsgruppen das vorherrschende Thema. Daher dürfte er seinem Finanzminister Simsek weiterhin Freiraum für eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik einräumen. Zur Profilierung eigne sich allerdings die internationale Bühne besser. Die geostrategische Lage und die Stärke der türkischen Armee machten das Land für Europa zu einem unverzichtbaren Sicherheitspartner, weshalb offene Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei in den vergangenen Jahren leiser geworden sei. Hierdurch erhalte Erdogan Spielraum für eine repressive Innenpolitik. Auch der Machtwechsel in Syrien habe die Rolle der Türkei gestärkt, da die Regierung enge Beziehungen zu den neuen Machthabern in Damaskus unterhalte und Europa an einer Stabilisierung Syriens ein großes Interesse habe.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen stuften das Länderrating der Türkei im Doppel-B-Bereich ein (Moody’s auf Ba3, S&P und Fitch auf BB-). Die Agenturen honorierten die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität. Die Repression gegen die Opposition habe jedoch zu Sorgen geführt, dass die Türkei immer stärker in eine Autokratie abgleite. (Emerging Markets Trends vom 05.03.2026) (09.03.2026/alc/a/a)
Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten habe zu einem deutlichen Ölpreisanstieg geführt, was zumindest auf Sicht der kommenden Monate die Inflationsrisiken erhöhe. Schon zuvor hätten die Konsumentenpreise im Januar um 4,8% gegenüber dem Vormonat zugelegt und im Februar sei ein weiterer Anstieg um 3,0 % gefolgt. Die Jahresveränderungsrate sei im Februar von 30,7% auf 31,5% gestiegen. Die erhöhten Ölpreise lasteten nicht nur auf den Konsumentenpreisen, sondern auch auf der Leistungsbilanz. Der rollierende 12-Monatssaldo sei im Dezember auf ein Defizit von 25 Mrd. US-Dollar gestiegen. Mit 1,6% sei das Defizit als Anteil am Bruttoinlandsprodukt zwar noch nicht im kritischen Bereich, doch die Entwicklung erschwere den Aufbau von Währungsreserven und spreche dafür, dass die reale Aufwertung der türkischen Lira zunehmend zu einem Problem werde. Die Zentralbank wolle jedoch an der schrittweisen, kontrollierten Abwertung festhalten, um den Inflationsdruck nicht zu erhöhen. Die Währungsreserven seien zuletzt im Trend gefallen, was zeige, dass der Mix aus Geld- und Wechselkurspolitik gegenwärtig nicht ausreichend attraktiv sei, um ausländisches Kapital anzuziehen. Die Sorgen um die Entwicklung im Nahen Osten hätten Auslandsinvestoren zusätzlich verunsichert. Es spreche daher viel für eine vorsichtigere Gangart in der Geldpolitik und die Rückkehr zu einer etwas stärkeren nominalen Abwertung der türkischen Lira (zuletzt habe die Abwertung bei rund 1,5% pro Monat gelegen). Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt würden die Entscheidung in diese Richtung insofern unterstützen, als sie auf der einen Seite eine solide Entwicklung der Inlandsnachfrage zeigten, auf der anderen Seite aber einen Rückgang der Exporte. Mit einem Plus von 0,4% qoq (3,4% yoy) sei der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwar eher schwach gewesen, doch ihm seien vier ordentliche Vorquartale vorausgegangen und mit 3,6% habe der Zuwachs im Gesamtjahr 2025 auf gutem Niveau gelegen, wenn man in Rechnung stelle, dass die Geldpolitik seit längerem eher restriktiv ausgerichtet sei und es nur geringe fiskalische Impulse gebe.
Perspektiven: Staatspräsident Erdogan dürfe zwar laut Verfassung nicht erneut kandidieren, doch dürfte er Wege suchen, dies über eine Verfassungsänderung oder vorgezogene Neuwahlen zu erreichen. Um wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu erhalten, müsse er vor allem für mehr Preisstabilität sorgen, denn die hohe Inflation und der damit einhergehende Kaufkraftverlust seien für breite Bevölkerungsgruppen das vorherrschende Thema. Daher dürfte er seinem Finanzminister Simsek weiterhin Freiraum für eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik einräumen. Zur Profilierung eigne sich allerdings die internationale Bühne besser. Die geostrategische Lage und die Stärke der türkischen Armee machten das Land für Europa zu einem unverzichtbaren Sicherheitspartner, weshalb offene Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei in den vergangenen Jahren leiser geworden sei. Hierdurch erhalte Erdogan Spielraum für eine repressive Innenpolitik. Auch der Machtwechsel in Syrien habe die Rolle der Türkei gestärkt, da die Regierung enge Beziehungen zu den neuen Machthabern in Damaskus unterhalte und Europa an einer Stabilisierung Syriens ein großes Interesse habe.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen stuften das Länderrating der Türkei im Doppel-B-Bereich ein (Moody’s auf Ba3, S&P und Fitch auf BB-). Die Agenturen honorierten die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität. Die Repression gegen die Opposition habe jedoch zu Sorgen geführt, dass die Türkei immer stärker in eine Autokratie abgleite. (Emerging Markets Trends vom 05.03.2026) (09.03.2026/alc/a/a)


