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Türkei: Notenbank leitet die Zinswende ein


14.01.25 12:37
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hat im Dezember erwartungsgemäß den Leitzins um 250 Basispunkte auf 47,50% gesenkt und damit die Zinswende eingeleitet, so die Analysten der DekaBank.

Die Währungshüter hätten sich zuvor einen erhöhten geldpolitischen Spielraum verschafft, indem sie ihre Projektion für den Inflationspfad nach oben genommen hätten. Dies sei so zu interpretieren, dass sie sich kurzfristig ein weniger ambitioniertes Ziel gesetzt hätten als zuvor. An den Kapitalmärkten seien sowohl die Anhebung der Inflationsprojektionen als auch die Zinssenkung als angemessen und nicht als Abweichung von der Stabilitätsorientierung der Zentralbank eingestuft worden, eine Einschätzung, die die Analysten teilen würden. Es bleibe allerdings festzuhalten, dass der Inflationsdruck nur langsam sinke und das mittelfristige Inflationsziel von 5% in weiter Ferne liege.

Die Analysten würden erwarten, dass die Notenbank auf jeder der kommenden Sitzungen den Leitzins weiter senken werde und zum Jahresende das Zinsniveau bei 30% liegen werde. Ob es gelingen werde, den geldpolitischen Restriktionsgrad in einem Tempo zu senken, das ausreichend schnell sei, um eine Rezession zu vermeiden und gleichzeitig einen Rückgang der Inflationserwartungen zu ermöglichen, bleibe offen. Genauso ungewiss sei die Frage, ob Staatspräsident Erdogan der Notenbank ausreichend lange Zeit für ihren Kurs gebe.

Vonseiten der Inflationsentwicklung habe es im Dezember immerhin ein ermutigendes Zeichen gegeben: Die Monatsveränderungsrate sei von 2,2% auf 1,0% zurückgegangen und die Jahresveränderungsrate sei von 47,1% auf 44,4% gefallen. Die Monatsveränderungsrate habe damit erstmals seit Mai 2023 unter ihrem langjährigen Durchschnitt gelegen. Mit dem Sturz des syrischen Präsidenten Assad würden sich für Erdogan außenpolitisch neue Einflussmöglichkeiten eröffnen, denn die Türkei verfüge über gute Beziehungen zu den neuen Machthabern.

Die türkische Regierung habe angekündigt, die Existenz bewaffneter kurdischer Einheiten im Norden Syriens nicht mehr tolerieren zu wollen und es würden bereits Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und syrischen Gruppen, die der Türkei nahe stünden, gemeldet. Für den weiteren Verlauf des Konflikts werde viel davon abhängen, ob die neue US-Regierung die kurdischen Einheiten auch weiterhin als wichtige Verbündete betrachte.

Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine straffe Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren, aber keine schwere Rezession riskieren wollen. Der Inflationsdruck dürfte in den kommenden Monaten weiter abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass die Lira auch mittelfristig stabilisiert werden könne und neue Währungskrisen vermieden würden. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren würde. Der Machtwechsel in Syrien verschaffe der Türkei mehr Einfluss in der Region, doch die sich abzeichnende Konfrontation mit den syrischen Kurden könnte in Europa zu Kritik am Vorgehen der Türkei führen.

Mit S&P, Fitch und Moody‘s hätten alle drei großen Ratingagenturen seit Anfang 2024 das Länderrating der Türkei um zwei Stufen (Moody’s auf B1, S&P und Fitch auf BB-) angehoben. Moody‘s vergebe einen positiven Ratingausblick. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (Ausgabe vom 13.01.2025) (14.01.2025/alc/a/a)