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Türkei: Inflationsrate geht deutlich zurück
09.08.24 16:00
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Inflationsrate ist im Juli deutlich von 71,6% auf 61,8% gesunken, so die Analysten der DekaBank.
Was zunächst als großer geldpolitischer Erfolg erscheinen könnte, sei aber in erster Linie ein statistischer Effekt, weil aufgrund der starken Abwertung im Sommer letzten Jahres der Preisdruck massiv gestiegen sei, was sich in diesem Jahr so nicht wiederholt habe. Die Monatsveränderungsrate habe im Juli mit 3,2% im Rahmen der Werte gelegen, die seit März zu beobachten gewesen seien. Der Trend zu niedrigeren Inflationsraten sei jedoch erkennbar. Nun habe sich auch eine klare Tendenz zu einer Abschwächung des Kreditwachstums etabliert. Dies verbessere den Inflationsausblick, weil der nachfragebedingte Inflationsdruck, auf den die Notenbank weiterhin verweise, nachlassen dürfte.
Dies gehe allerdings mit geringerem Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen einher, weshalb die Analysten die BIP-Prognose für 2024 von 4,2% auf 3,8% und für 2025 von 3,6% auf 2,7% reduziert hätten. Dabei würden sie unterstellen, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan der Führung der Notenbank den nötigen Spielraum lasse, ihren stabilitätsorientierten Kurs fortzuführen. Erdogan habe in der Vergangenheit allerdings seine grundsätzliche Abneigung gegenüber einer Hochzinspolitik immer wieder zum Ausdruck gebracht.
Neben einer Abschwächung der Inlandsnachfrage solle vor allem eine weitgehend stabile Entwicklung der Türkischen Lira dazu beitragen, die Inflationsrate zu senken. Diese Stabilität habe in den vergangenen Monaten leicht erreicht werden können, weil massive Kapitalzuflüsse zu einem Aufwertungsdruck geführt hätten. Die Notenbank habe durch Deviseninterventionen ihre Währungsreserven deutlich aufstocken und gleichzeitig den Lira-Kurs in einem Crawling-Peg kontrolliert leicht abwerten lassen können, um so eine stärkere reale Aufwertung zu verhindern.
Auf der internationalen Bühne habe Erdogan sein Profil vor allem durch seine Rolle beim Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland geschärft, der auf türkischem Boden stattgefunden habe. Schon zu Beginn des russischen Angriffskriegs sei die Türkei der Ort für (erfolglose) Waffenstillstandsgespräche zwischen Russland und der Ukraine gewesen.
Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren, aber gleichzeitig die Konjunktur am Laufen halten wollen. Setze sich die jüngste Verlangsamung des Kreditwachstums fort, dürfte der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass die Lira auch mittelfristig stabilisiert werden könne und neue Währungskrisen vermieden würden. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren würde. Außenpolitisch sei Erdogan wieder stärker um ein konstruktives Verhältnis zum Westen bemüht, doch die Nahostkrise könnte zu neuen Spannungen führen.
Mit S&P, Fitch und zuletzt auch Moody‘s hätten alle drei großen Ratingagenturen seit Jahresbeginn das Länderrating der Türkei um eine Stufe (jeweils auf B+) bzw. sogar zwei Stufen (Moody’s auf B1) angehoben. Alle drei Agenturen würden einen positiven Ratingausblick vergeben. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (09.08.2024/alc/a/a)
Was zunächst als großer geldpolitischer Erfolg erscheinen könnte, sei aber in erster Linie ein statistischer Effekt, weil aufgrund der starken Abwertung im Sommer letzten Jahres der Preisdruck massiv gestiegen sei, was sich in diesem Jahr so nicht wiederholt habe. Die Monatsveränderungsrate habe im Juli mit 3,2% im Rahmen der Werte gelegen, die seit März zu beobachten gewesen seien. Der Trend zu niedrigeren Inflationsraten sei jedoch erkennbar. Nun habe sich auch eine klare Tendenz zu einer Abschwächung des Kreditwachstums etabliert. Dies verbessere den Inflationsausblick, weil der nachfragebedingte Inflationsdruck, auf den die Notenbank weiterhin verweise, nachlassen dürfte.
Dies gehe allerdings mit geringerem Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen einher, weshalb die Analysten die BIP-Prognose für 2024 von 4,2% auf 3,8% und für 2025 von 3,6% auf 2,7% reduziert hätten. Dabei würden sie unterstellen, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan der Führung der Notenbank den nötigen Spielraum lasse, ihren stabilitätsorientierten Kurs fortzuführen. Erdogan habe in der Vergangenheit allerdings seine grundsätzliche Abneigung gegenüber einer Hochzinspolitik immer wieder zum Ausdruck gebracht.
Auf der internationalen Bühne habe Erdogan sein Profil vor allem durch seine Rolle beim Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland geschärft, der auf türkischem Boden stattgefunden habe. Schon zu Beginn des russischen Angriffskriegs sei die Türkei der Ort für (erfolglose) Waffenstillstandsgespräche zwischen Russland und der Ukraine gewesen.
Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren, aber gleichzeitig die Konjunktur am Laufen halten wollen. Setze sich die jüngste Verlangsamung des Kreditwachstums fort, dürfte der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass die Lira auch mittelfristig stabilisiert werden könne und neue Währungskrisen vermieden würden. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren würde. Außenpolitisch sei Erdogan wieder stärker um ein konstruktives Verhältnis zum Westen bemüht, doch die Nahostkrise könnte zu neuen Spannungen führen.
Mit S&P, Fitch und zuletzt auch Moody‘s hätten alle drei großen Ratingagenturen seit Jahresbeginn das Länderrating der Türkei um eine Stufe (jeweils auf B+) bzw. sogar zwei Stufen (Moody’s auf B1) angehoben. Alle drei Agenturen würden einen positiven Ratingausblick vergeben. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (09.08.2024/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 22.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


