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Türkei: Der Härtetest steht erst noch bevor
12.06.24 12:30
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung wichtiger makroökonomischer Kennzahlen ist weiterhin ermutigend: Die hohen Zinsen sorgen für eine Verlangsamung des Kreditwachstums, was die Voraussetzung für einen mittelfristigen Rückgang des Inflationsdrucks ist, so die Analysten der DekaBank.
Zudem würden Auslandsinvestoren darauf setzen, dass die Stabilität der türkischen Lira (TRY) noch für einige Zeit fortbestehe, was kurzfristige Zinsen von 50% attraktiv mache. Die hohen Kapitalzuflüsse würden einen schnellen Aufbau der Währungsreserven ermöglichen, wodurch sich die Liquiditätslage des Staates entspanne. Zwar sei die Inflationsrate im Mai von 69,8% auf 75,5% gestiegen, doch sei dafür vor allem ein starker Basiseffekt verantwortlich gewesen. Obwohl der aktuelle Inflationsdruck noch immer über dem langfristigen Trend liege (die Monatsveränderungsrate habe im Mai bei 3,4% gelegen) dürften Basiseffekte helfen, dass die Jahresveränderungsrate schon bis September auf rund 50% und Anfang 2025 auf 40% fallen werde. Der erste Härtetest für den dauerhaften Erfolg des Stabilitätskurses komme dann, wenn sich die restriktive Geldpolitik in schwächeren Konjunkturdaten niederschlage. Im ersten Quartal sei die Wirtschaft noch kräftig um 2,4% qoq und 5,7% yoy gewachsen, weshalb die Analysten der DekaBank ihre BIP-Prognose für das Gesamtjahr von 3,4% auf 4,2% angehoben hätten. Es werde sich zeigen müssen, wie lange Präsident Erdogan der Zentralbank den notwendigen Spielraum gebe, ihren Kurs fortzusetzen. Zum zweiten Härtetest könnte es am Devisenmarkt kommen. Gegenwärtig würden die hohen Kapitalzuflüsse für einen starken Aufwertungsdruck sorgen. Die Notenbank sorge mit ihren Dollarkäufen für einen stabilen nominalen Wechselkurs, was aufgrund der hohen Inflation aber zu einer starken realen Aufwertung führe, was es schwieriger mache, das hohe Leistungsbilanzdefizit im gewünschten Umfang zurückzuführen. Die Wahrnehmung einer zunehmend realen Überbewertung der Lira könnte im weiteren Jahresverlauf zu verstärkten Abwertungserwartungen und einer Umkehr der Kapitalflüsse führen.
Perspektiven: Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren und gleichzeitig die Konjunktur am Laufen zu halten. Setze sich die jüngste Verlangsamung des Kreditwachstums fort, dürfte der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass das Vertrauen in die Lira mittelfristig wiederhergestellt werden könne. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren werde. Außenpolitisch sei Erdogan wieder stärker um ein konstruktives Verhältnis zum Westen bemüht, doch die Nahostkrise könnte zu neuen Spannungen führen.
Länderrisiko: Mit S&P und Fitch hätten zwei der drei großen Ratingagenturen seit Jahresbeginn das Länderrating der Türkei um eine Stufe (jeweils auf B+) angehoben. Alle drei Agenturen würden einen positiven Ratingausblick vergeben. Moody’s liege nun mit der Einschätzung (B3) zwei Stufen unter der von S&P und Fitch und dürfte in den kommenden Monaten nachziehen. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Die Zusicherung von Präsident Erdogan, den wirtschaftspolitischen Kurs trotz der Niederlage bei den Kommunalwahlen fortzusetzen, sei ein wichtiges Signal gewesen. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (Emerging Markets Trends vom 11.06.2024) (12.06.2024/alc/a/a)
Zudem würden Auslandsinvestoren darauf setzen, dass die Stabilität der türkischen Lira (TRY) noch für einige Zeit fortbestehe, was kurzfristige Zinsen von 50% attraktiv mache. Die hohen Kapitalzuflüsse würden einen schnellen Aufbau der Währungsreserven ermöglichen, wodurch sich die Liquiditätslage des Staates entspanne. Zwar sei die Inflationsrate im Mai von 69,8% auf 75,5% gestiegen, doch sei dafür vor allem ein starker Basiseffekt verantwortlich gewesen. Obwohl der aktuelle Inflationsdruck noch immer über dem langfristigen Trend liege (die Monatsveränderungsrate habe im Mai bei 3,4% gelegen) dürften Basiseffekte helfen, dass die Jahresveränderungsrate schon bis September auf rund 50% und Anfang 2025 auf 40% fallen werde. Der erste Härtetest für den dauerhaften Erfolg des Stabilitätskurses komme dann, wenn sich die restriktive Geldpolitik in schwächeren Konjunkturdaten niederschlage. Im ersten Quartal sei die Wirtschaft noch kräftig um 2,4% qoq und 5,7% yoy gewachsen, weshalb die Analysten der DekaBank ihre BIP-Prognose für das Gesamtjahr von 3,4% auf 4,2% angehoben hätten. Es werde sich zeigen müssen, wie lange Präsident Erdogan der Zentralbank den notwendigen Spielraum gebe, ihren Kurs fortzusetzen. Zum zweiten Härtetest könnte es am Devisenmarkt kommen. Gegenwärtig würden die hohen Kapitalzuflüsse für einen starken Aufwertungsdruck sorgen. Die Notenbank sorge mit ihren Dollarkäufen für einen stabilen nominalen Wechselkurs, was aufgrund der hohen Inflation aber zu einer starken realen Aufwertung führe, was es schwieriger mache, das hohe Leistungsbilanzdefizit im gewünschten Umfang zurückzuführen. Die Wahrnehmung einer zunehmend realen Überbewertung der Lira könnte im weiteren Jahresverlauf zu verstärkten Abwertungserwartungen und einer Umkehr der Kapitalflüsse führen.
Perspektiven: Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine Straffung der Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren und gleichzeitig die Konjunktur am Laufen zu halten. Setze sich die jüngste Verlangsamung des Kreditwachstums fort, dürfte der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass das Vertrauen in die Lira mittelfristig wiederhergestellt werden könne. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren werde. Außenpolitisch sei Erdogan wieder stärker um ein konstruktives Verhältnis zum Westen bemüht, doch die Nahostkrise könnte zu neuen Spannungen führen.
Länderrisiko: Mit S&P und Fitch hätten zwei der drei großen Ratingagenturen seit Jahresbeginn das Länderrating der Türkei um eine Stufe (jeweils auf B+) angehoben. Alle drei Agenturen würden einen positiven Ratingausblick vergeben. Moody’s liege nun mit der Einschätzung (B3) zwei Stufen unter der von S&P und Fitch und dürfte in den kommenden Monaten nachziehen. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Die Zusicherung von Präsident Erdogan, den wirtschaftspolitischen Kurs trotz der Niederlage bei den Kommunalwahlen fortzusetzen, sei ein wichtiges Signal gewesen. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (Emerging Markets Trends vom 11.06.2024) (12.06.2024/alc/a/a)


