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Türkei: Die Geldpolitik wird weiter gelockert


11.02.25 09:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hat im Januar den Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 250 Basispunkte auf nun 45,00% gesenkt, so die Analysten der DekaBank.

Es sei zu erwarten, dass die Lockerung der Geldpolitik über den gesamten Jahresverlauf fortgesetzt werde, wobei es ab diesem Jahr nicht mehr wie in der Vergangenheit zwölf, sondern nur noch acht Sitzungen des geldpolitischen Komitees gebe. Ein Störfaktor sei der hohe Inflationsdruck im Januar: Die Preise hätten gegenüber dem Dezember um 5,0% zugelegt. Da der Januar aber vor allem wegen der Anpassung administrierter Preise regelmäßig ein Monat mit hohem Inflationsdruck sei, sei die Jahresveränderungsrate sogar leicht zurückgegangen, von 44,4% auf 42,1%.

Für die Geldpolitik sei entscheidend, dass die Inflationsentwicklung im Rahmen der Zentralbankprojektionen bleibe. Die Notenbank erwarte für Ende 2025 eine Inflationsrate von 24%. Die Analysten würden diese Annahme für eher optimistisch halten (sie würden zum Jahresende die Inflationsrate eher bei rund 28% erwarten). Doch der Inflationsverlauf der kommenden Monate dürfte weitgehend mit den Notenbankprojektionen vereinbar sein und daher einer weiteren Lockerung nicht entgegenstehen. Denn es sei bereits seit einigen Quartalen deutlich, dass die Geldpolitik restriktiv wirke. So sei das Bruttoinlandsprodukt im zweiten und dritten Quartal jeweils leicht gegenüber dem Vorquartal geschrumpft und die Türkei damit in eine technische Rezession abgeglitten.

Ob die Wirtschaft im vierten Quartal wieder gewachsen sei, werde erst mit der Veröffentlichung der Daten am 28. Februar bekannt. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Januar von 49,1 auf 48,0 Punkte gefallen und liege damit weiterhin im Rezessionsbereich. Auch das Kreditwachstum entwickele sich schwach. Außenpolitisch sehe sich Präsident Erdogan durch den Machtwechsel in Syrien gestärkt, da seine Regierung enge Beziehungen zur neuen Regierung pflege. Hohe Priorität habe für ihn die Entwaffnung der kurdischen Einheiten im Norden Syriens. Die syrische Regierung spreche von einer Integration der Einheiten in die syrische Armee. Es bestehe das Risiko, dass die Kurden ihre Autonomie mit Waffengewalt würden verteidigen wollen, wodurch auch die türkische Politik stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken könnte.

Regierung und Zentralbank würden versuchen, durch eine straffe Geldpolitik die Inflationserwartungen zu stabilisieren, würden aber keine schwere Rezession riskieren wollen. Der Inflationsdruck dürfte in den kommenden Monaten weiter abnehmen. Damit würden die Chancen steigen, dass die Lira auch mittelfristig stabilisiert werden könne und neue Währungskrisen vermieden würden. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibe die Frage, ob Präsident Erdogan eine deutliche Konjunkturverlangsamung über einen längeren Zeitraum akzeptieren werde. Der Machtwechsel in Syrien verschaffe der Türkei mehr Einfluss in der Region, doch die sich abzeichnende Konfrontation mit den syrischen Kurden könnte in Europa zu Kritik am Vorgehen der Türkei führen.

Mit S&P, Fitch und Moody‘s hätten alle drei großen Ratingagenturen seit Anfang 2024 das Länderrating der Türkei um zwei Stufen (Moody’s auf B1, S&P und Fitch auf BB-) angehoben. Moody‘s vergebe einen positiven Ratingausblick. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Es bleibe jedoch ein weiter Weg, bis Preisstabilität und das Vertrauen in die Lira wiederhergestellt, das Leistungsbilanzdefizit abgebaut und die Währungsreserven ausreichend aufgebaut seien. Ob Erdogan über die nötige Geduld verfüge, im Zuge der Anpassung der Wirtschaft eine längere Phase schwächeren Wirtschaftswachstums zu tolerieren, werde für die weitere Ratingentwicklung entscheidend sein. (Ausgabe vom 07.02.2025) (11.02.2025/alc/a/a)