Tschechien: CNB-Dilemma nur solange bis Desinflation & BIP-Verlangsamung einsetzen


12.12.19 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Tschechische Nationalbank (CNB) beendete ihren Zinssenkungszyklus vergangenen Mai bei 2,00%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Seitdem habe die jährliche Gesamtinflation meist nur knapp unter der Obergrenze des CNB-Toleranzbandes (3%-Marke) gelegen, wobei sie diese Schwelle im November sogar überschritten habe. Während es offensichtlich zu spät sei, an einer derartigen Preisdynamik jetzt durch Zinserhöhungen herumzudoktern, würden indessen auch Zinssenkungen in naher Zukunft wenig attraktiv erscheinen. Darüber hinaus sehe die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum in letzter Zeit etwas vielversprechender aus, was die Hoffnung auf eine Bodenbildung in H1 2020 schüre, die die Dynamik der Importpreise ankurbeln könnte.

Tschechiens Wirtschaft befinde sich derzeit in einer Situation, in der die Binnennachfrage inmitten niedriger Arbeitslosigkeit nach wie vor stark sei, während vom Ausland jedoch bereits eine Abkühlung zu spüren sei. Die seit langem erwartete Wirkung der deutschen Konjunkturschwäche sei jüngst in der tschechischen exportorientierten Industrie registriert worden und sollte sich in den kommenden Monaten noch verstärken. Für die Geldpolitik stelle dies ein Dilemma dar, da Zinsschritte in jedwede Richtung sich als falsch erweisen könnten.

Die Analysten würden daher davon ausgehen, dass die CNB für die meiste Zeit des Jahres 2020 im Standby-Modus verharre und ein Mini-Lockerungszyklus erst in Q4 2020 eingeleitet werde, nachdem Desinflation eingesetzt und die Konjunktur sich weiter abgekühlt habe. Die tschechischen Zinsen würden daher langsam, aber sicher sinken, da sich Zinserhöhungswetten, welche derzeit am Forward-Rate-Agreement-Markt moderat gepreist würden, als ungerechtfertigt erweisen dürften.

Die Kaufempfehlung der Analysten für CZGBs (vom 31. Oktober) habe keine Gewinne gebracht, denn sie habe auf der Erwartung von Zinssenkungen in H1 2020 basiert. Die jüngsten Wirtschaftsdaten seien gemischt gewesen, würden jedoch auf eine verspätete Konjunkturabkühlung hindeuten. Gleichzeitig sei die Verbraucherpreisinflation hoch geblieben. Die Analysten würden sein Zinssenkungsszenario nicht verwerfen, würden jedoch den Beginn auf Ende 2020 verschieben. Die bevorstehende Disinflation und Konjunkturabkühlung, die die Analysten nach wie vor mit fester Überzeugung erwarten würden, dürfte schlussendlich zu einem taubenhaften Schwenk bei der CNB führen.

Die CZGB-Bewertungen würden den Analysten derzeit attraktiv erscheinen, insbesondere wenn man in Spread-Dimensionen gegenüber Bundesanleihen denke. Bei einem recht stabilen Ausblick für Bundrenditen würden sie eher sinkende CZGB-Renditen sehen. Sie würden daher an ihrer Kaufempfehlung festhalten. Die erwarteten Kursgewinne sollten mögliche Währungsverluste in CZK vis-á-vis EUR überwiegen, denn die Krone sollte die Hauptlast des zyklischen Abschwungs tragen. Wie wiederholt betont, müsse das größte Risiko in möglichen Gewinnmitnahmen von gebietsfremden CZGB-Investoren gesehen werden, deren Bestände historisch immer noch immens hoch seien. (Ausgabe vom 11.12.2019) (12.12.2019/alc/a/a)