Erweiterte Funktionen

Tier 3-Anleihen: Anlagesegment mit attraktiven Merkmalen


08.11.16 08:33
Generali Investments Europe

Köln (www.anleihencheck.de) - Finanzinstitute prüfen neue Formen von Verbindlichkeiten, um der von den Aufsichtsbehörden vorgegebenen Komplexität Herr zu werden, so Fabrizio Viola von Generali Investments Europe.

Eine mögliche Lösung bestehe darin, eine neue Ebene der Nachrangigkeit zu schaffen, die zwischen vorrangigen Senior-Anleihen und nachrangigen Schuldtiteln anzusiedeln wäre, welche üblicherweise als "lower tier two" bezeichnet würden. Die Aufsichtsbehörden dürften dieser Lösung wohlwollend gegenüber stehen, die vom Emittenten als Kapital klassifiziert werden könne, aber nicht so viel koste wie bestehende nachrangige Anleihen. Dieses Segment mit der Kurzbezeichnung Tier 3 (T3) besitze nach Meinung des Experten das Potenzial, zu einer eigenständigen Anlageklasse zu werden. Es sei davon auszugehen dass sowohl Banken als auch Versicherungsgesellschaften versuchen würden, von den Stärken zu profitieren.

Kürzlich habe eine französische Versicherungsgesellschaft die erste Neuemission dieser neuen Form von nachrangigen Papieren in Europa begeben. Die Struktur der Papiere sei recht einfach, da sie nicht mit dem Risiko der Optionalität verbunden seien. Sie würden in sechs Jahren fällig, ohne ein Verlängerungsrisiko. Das Risiko für den Anleiheinhaber bestehe darin, dass die Kuponzahlung ausgesetzt werde, wenn das Unternehmen nicht in der Lage sei, die Mindestkapitalanforderungen nach Solvency II zu erfüllen. Aus Sicht des Experten sei jedoch das interessanteste Merkmal die Tatsache, dass die aufgeschobenen Kuponzahlungen im Laufe der Zeit kumuliert würden und bei Fälligkeit ausgezahlt werden müssten. Der Hauptvorteil dieser Lösung für das emittierende Unternehmen bestehe darin, dass es die Anleihe als Kapital behandeln dürfe und damit seine Kapitalquoten verbessere, was sich wiederum in der Bewertung durch die Ratingagenturen positiv auswirke (Ratingschutz unter ungünstigen Bedingungen).

Die Anleihe mit dem S&P-Rating BBB+ sei mit einer Bruttorendite von 1,875% platziert worden, was einem Spread von 190 Basispunkten gegenüber dem mittleren Swap-Satz entspreche. Das Emissionsvolumen von einer Milliarde Euro sei gut aufgenommen worden, die potenzielle Nachfrage habe bei 6,5 Milliarden Euro gelegen. Das unterstreiche das starke Interesse der Anleger an solchen innovativen Strukturen, wenn der Spread entsprechend attraktiv sei. Bei den bereits bestehenden Nachranganleihen des Emittenten handle es sich ausschließlich um kündbare Strukturen, deren Kuponzahlungen nach einer Verletzung der Solvenzanforderungen aufgeschoben werden könnten (ein Konzept, das sich von den Mindestkapitalanforderungen bei den neuen Tier-3-Anleihen unterscheide. Ihr Fokus auf den Kapitalaspekt mache sie weniger volatil, als das bei einer Betrachtung der Solvabilitätsquoten der Fall wäre). Dass es keine Optionalität gebe, sei ein weiteres schlagkräftiges Argument für die neuen T3-Anleihen, denn damit könnten sich die Anleger auf stabile und vorhersehbare Cashflows verlassen.

Auch wenn es für eine abschließende Bewertung noch zu früh sei, sei der Experte davon überzeugt, dass institutionelle Anleger weitere Lösungen wie diese gewiss begrüßen würden. Er gehe davon aus, dass noch vor Jahresende die erste von einer Bank emittierte T3-Anleihe auf den Markt kommen werde. (08.11.2016/alc/a/a)