Die These einer "vorübergehenden Inflation" ist nicht mehr haltbar


09.02.22 09:24
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflation ist in den OECD-Ländern im Dezember auf 6,6% (nach 5,9% im November) gestiegen, dem höchsten Stand seit 30 Jahren, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Besonderen Auftrieb habe diese Gemeinschaftsrate durch die Türkei erhalten, in der die Inflationsrate im Dezember um 36,1% gegenüber dem November von 21,3% (Januar 2022: 47%) hochgeschnellt sei. Ohne die Türkei betrage der Anstieg 5,6% nach 5,3%. Die Energiepreise seien in den OECD-Ländern im Dezember um 25,6% und die Nahrungsmittelpreise um 6,8% geklettert.

Die Verbraucherpreise in der Eurozone, Maßstab für Inflation, hätten sich im Januar um 5,1% erhöht. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Statistik im Jahr 1997. Auch hier würden insbesondere die Energiepreise kräftig um 28,6% ansteigen. Die Steigerungen seien deutlich höher als von vielen Analysten angenommen. Preise, die dem Niveau der Konsumentenpreise zeitlich vorauseilen würden, wie z.B. Rohstoffpreise, Erzeugerpreise oder Großhandelspreise, würden noch stärker klettern und in den nächsten Monaten weitere Erhöhungen bei den Verbraucherpreisen signalisieren.

Der Preisdruck sei offenbar stärker als bisher von der EZB erwartet worden sei und nicht nur "vorübergehend". Deren ursprüngliches Ziel für die Inflation liege bei knapp unter 2%. Dieses Ziel sei von der EZB auf ihrer letzten Sitzung nicht noch einmal ausdrücklich hervorgehoben worden. Stattdessen spreche Präsidentin Lagarde jetzt davon, dass die Geldpolitik flexibler sein müsse. Die Märkte könnten sich damit auf eine erste Zinserhöhung in einigen Wochen oder Monaten einstellen. Doch in realer Rechnung würden sich in diesem Jahr wohl keine positiven Verzinsungen mehr ergeben.

Leidtragende würden die Sparer bleiben, die durch negative Realzinsen eine ständige Enteignung ihrer Ersparnisse ertragen müssten.

Mit einer derart ausgerichteten Geldpolitik würde die EZB dem Vorbild der US-Notenbank FED folgen. Präsident Jerome Powell habe schon ein Ende des ultra-expansiven Kurses angekündigt. Die Märkte würden in den nächsten zwölf Monaten drei bis vier Erhöhungen der FED Funds Rate erwarten. Doch auch in den USA dürften damit die negativen Zinsen in realer Rechnung kaum in den positiven Bereich gelangen. Die Preise, die dem Niveau der Konsumenten zeitlich vorauseilen würden, würden sogar weitere Inflationsgefahren signalisieren.

Die Asiatische Entwicklungsbank weise die Zentralbanken darauf hin, dass Maßnahmen für den Klimaschutz zu Preissteigerungen führen könnten. Die Fokussierung auf erneuerbare Energien erfordere neue Produktionsprozesse, eine Umstellung des Verbraucherverhaltens und vor allem einen Ausbau der Energieproduktion. Die Aktienkurse von 30 weltweiten Herstellern erneuerbarer Energien seien seit Wochen rückläufig.

Dispositionen: Investments auf künftige Steigerungen bei Geldmarktzinsen und Rentenrenditen ausrichten. Die Finanzmärkte seien bisher zu sehr von der ultra-expansiven Geldpolitik getrieben gewesen. Neue Käufe am Aktienmarkt auf die Hersteller von erneuerbaren Energien konzentrieren. Edelmetalle würden eine attraktive Ergänzung bleiben. (Ausgabe vom 08.02.2022) (09.02.2022/alc/a/a)