Das Thema Inflation beschäftigt weiter die Märkte


25.05.21 08:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die aufwärts gerichtete Inflationsentwicklung und die damit einhergehende Spekulation über mögliche Reaktionen der Zentralbanken blieben beherrschende Themen an den Märkten, so die Experten von Union Investment.

Der Ausblick auf die US-Geldpolitik und die als Tapering bezeichnete Rückführung der Anleiheankäufe der Zentralbanken hätten, im Zusammenhang mit dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der letzten FED-Sitzung vom April, für Verunsicherung gesorgt. Die Stimmung der Anleger sei gedrückt gewesen, die Aktienbörsen hätten sich in der Berichtswoche vom 17. bis 21. Mai 2021 zunächst im Rückwärtsgang befunden. In Richtung Wochenschluss hätten im Rahmen zunehmender Zuversicht aber die Verluste wieder zumeist aufgeholt werden können. Zuletzt habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich die Zentralbanken derzeit noch weit weg von einem Schwenk zu einer restriktiveren Geldpolitik befänden. An den als sicher geltenden Staatsanleihemärkten (US-Schatzanweisungen und deutsche Bundesanleihen) hätten die Notierungen zunächst ebenfalls nachgegeben, ehe auch dort zum Wochenschluss eine Erholung eingesetzt habe.

Das Protokoll der April-Sitzung der US-Notenbank FED habe in der Berichtswoche für einigen Wirbel gesorgt. Angesichts der wirtschaftlichen Erholung stelle sich am Markt die Frage hinsichtlich eines allmählichen Kurswechsels der FED hin zu einer restriktiveren Geldpolitik. Die mit Tapering umschriebene Verringerung der monatlichen Anleiheankäufe (derzeit 120 Milliarden US-Dollar monatlich) stehe dabei hinsichtlich der Maßnahmen an erster Stelle. Mit fortschreitender Erfüllung des dualen Mandats aus Vollbeschäftigung und Preisstabilität könnte laut FED-Vorsitzenden Powell bald der Zeitpunkt gekommen sein, über Anpassungen innerhalb der FED zu diskutieren. Analysten und auch die Experten von Union Investment würden nun davon ausgehen, dass die FED damit im Juni beginnen dürfte. Diese werde dann wohl über einen längeren Zeitraum, vermutlich bis September, erfolgen.

Es bestünden aber Unsicherheitsfaktoren wie die zwischenzeitlich überraschend hohen Inflationsdaten, durch die die FED aber hindurchzuschauen gedenke. Auch der zuletzt sehr schwache Arbeitsmarktbericht mit einer nicht erwarteten sehr geringen Anzahl neuer Stellen (non farm payrolls) sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Protokoll der FED berücksichtigt gewesen. Der Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte die wichtigste Rolle als Kriterium hinsichtlich einer FED-Entscheidung zukommen. Angesichts der jüngsten Entwicklung und der Interpretation der Daten werde es sich die FED nicht allzu leicht machen können. Letztlich habe sich der Markt wohl mittlerweile mit dem Beginn der Diskussionsrunde angefreundet. Eine geldpolitisch restriktivere Vorgehensweise liege den Einschätzungen der Marktteilnehmern zufolge, sowohl die FED als auch die Europäische Zentralbank betreffend, derzeit aber noch in weiter Zukunft. (Ausgabe vom 21.05.2021) (25.05.2021/alc/a/a)