Südafrika: Inflationsrückgang ebnet den Weg für die fällige Zinssenkung


09.10.24 11:25
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Einheitsregierung von Präsident Ramaphosa zeigt sich nach dem dramatisch schlechten Ergebnis der Präsidenten-Partei ANC bei den jüngsten Wahlen in Südafrika stabiler als erwartet, so die Analysten der DekaBank.

Zwar habe es erwartungsgemäß keine Einigkeit zwischen den Parteien dieser breiten Koalition gegeben, aber es fände sich immer wieder Konsensmöglichkeiten. Die Regierung profitiere davon, dass sich die Partei eines der größten Kritiker, Julius Malema, seit der Wahl in einer existentiellen Krise befinde. Die Partei des Expräsidenten Jacob Zuma, der aus der ANC ausgeschlossen worden sei, sei aus den Wahlen gestärkt hervorgegangen und erschwere in einzelnen Regionen die Arbeit der Regierung. Die Märkte hätten die neue Koalitionsregierung dennoch in den ersten Monaten goutiert.

Positiv werde vor allem die Teilnahme der konservativen DA an der neuen Regierung gesehen. Damit verbunden sei die Hoffnung, dass die reformorientierte Grundausrichtung der DA auch dem Präsidenten etwas mehr Spielraum für Reformen verschaffe, etwa bei der Liberalisierung der Energiemärkte oder im Hinblick auf Privatisierungen. Die Wirtschaft habe im zweiten Quartal positiv überrascht. Da habe sich vor allem die verbesserte Energieversorgung bemerkbar gemacht. Die Energiekrise sei bei weitem nicht überstanden. Aber der verbesserte Investitionsausblick im Energiesektor spreche dafür, dass die Stromlieferengpässe oder Blackouts in wenigen Jahren ausgestanden sein würden.

Die Südafrikanische Zentralbank habe Mitte September zum ersten Mal seit dem Jahr 2020 den Leitzins senken können. Die Senkung um 25 Basispunkte auf nun 8,00% dürfe den Beginn einer Reihe weiterer Schritte bedeuten. Zur Jahresmitte 2025 erwarte man einen Leitzins von 7%. Die gestiegene politische Unsicherheit, die hohe Inflation und der schwache Wechselkurs hätten dazu geführt, dass die Währungshüter die Geldpolitik erst spät gelockert hätten. Die wiedergewonnene politische Stabilität nach der Wahl, die damit verbundene Erholung des Wechselkurses sowie der Rückgang der Inflation hätten die Spielräume für die Zentralbank erhöht.

Perspektiven: Präsident Ramaphosa habe zu Beginn seiner ersten Amtszeit positive Signale in der Korruptionsbekämpfung gesetzt, enttäuschte aber bisher hinsichtlich der erwarteten Wirtschaftsreformen. Die Aufnahme der konservativen DA in die Koalition eröffne neuen Spielraum für Reformen, aber die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition dürfte nicht reibungslos verlaufen. Die neue Regierung müsse tiefgreifende strukturelle Reformen durchführen, um das Land für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Große Hindernisse für das Wachstum stellten die schlechte Infrastruktur und der trotz der extrem hohen Arbeitslosigkeit bestehende Fachkräftemangel dar.

Länderrisiko: Südafrika habe seit Jahren mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Infrastrukturengpässe, unflexible Arbeitsmärkte sowie geringe Investitionen wirkten sich negativ auf die Wachstumsaussichten aus. Die Corona-Pandemie habe dem Land einen weiteren Stoß versetzt: Die starke Rezession habe die öffentliche Verschuldung deutlich ansteigen lassen. Sie sei damit seit der globalen Finanzkrise 2008 von etwa 27% auf über 75% des BIP geklettert.

Die Bemühungen der Regierung, die Schuldenquote zu stabilisieren, seien bisher nicht von Erfolg gekrönt gewesen, was zu einer Fortsetzung des negativen Rating-Trends geführt habe. Positiv auf die Bonität wirke sich die gute Schuldenstruktur aus (lange Laufzeiten und überwiegend in lokaler Währung denominiert). Die Ratings lägen aktuell bei BB- (S&P und Fitch) bzw. Ba2 (Moody's). (Ausgabe vom 07.10.2024) (09.10.2024/alc/a/a)