Erweiterte Funktionen
Stellvertretender FED-Präsident Clarida offenbar falsch verstanden
28.11.18 11:45
Deutsche Bank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nicht einmal zehn Tage ist es her, dass sich Finanzmarktteilnehmer und Kommentatoren leicht aufgeregt gefragt haben, ob die US-Notenbank das Tempo im laufenden Zinserhöhungszyklus womöglich schon bald zurücknehmen oder zu Beginn des kommenden Jahres sogar eine längere Pause vor weiteren Zinsschritten einlegen könnte, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".
Auslöser für dieses Umdenken sei ein Interview gewesen, das der stellvertretende FED-Präsident Richard Clarida dem TV-Sender CNBC gegeben habe. Bereits damals hat die Deutsche Bank AG zu bedenken gegeben, ob die Worte des FED-Vize nicht vor allem von den Kommentatoren ein wenig überinterpretiert worden seien. Diese Vermutung habe nun gestern neuen Nährboden erhalten, als sich Clarida in einer Rede vor allem für diejenigen ausgesprochen hawkish habe gezeigt haben müssen, die zuletzt auf einen Kurswechsel der US-Notenbank gesetzt hätten. Denn der US-Arbeitsmarkt sei robust, die Löhne nähmen Fahrt auf, und er erwarte ein gutes Wachstum bis ins kommende Jahr hinein, so Clarida. Tatsächlich seien schrittweise Zinserhöhungen angemessen. Er persönlich würde sich sogar, sofern die Inflation an der Oberseite überraschen sollte, für noch mehr Zinserhöhungen als bislang erwartet aussprechen.
Aber auch noch etwas anderes habe Clarida in seiner ausgesprochen interessanten Rede deutlich gemacht. Denn häufig spreche die FED davon, dass die Geldpolitik datenabhängig ("data dependent") sei. Dies bedeute aber nicht, dass diese Abhängigkeit von ökonomischen Daten per se eine geldpolitische Strategie darstelle, sondern dass die neuen Daten zunächst mit entsprechenden Modellen und einer gewissen Dosis an (menschlichem) Urteilsvermögen kombiniert werden müssten, bevor daraus eine geldpolitische Strategie abgeleitet werde. Mit anderen Worten: Es reiche bei weitem nicht aus, ökonomische Daten einfach nur kurzfristig nach dem Motto "Besser (oder schlechter) als erwartet" zu beurteilen, um auf dieser Basis eine Handelsstrategie zu entwerfen.
Tatsächlich hätte der Dollar schon allein aufgrund der Ausführungen des FED-Vizepräsidenten viel deutlicher an Wert gewinnen müssen, als es gestern zu beobachten gewesen sei. Auch dass Donald Trump in einem Interview mit dem Wall Street Journal angedroht habe, ohne Zögern neue Strafzölle auf China-Importe in einer Größenordnung von zusätzlichen 267 Milliarden Dollar zu erheben, sofern beim am 30. November beginnenden G20-Gipfel in Buenos Aires keine Einigung mit China im Handelskonflikt erreicht werden könne, habe zunächst nicht für größere Dollar-Nachfrage gesorgt. Und so habe auch der Euro gestern nur ganz zögerlich einen neuen kurzfristigen Abwärtstrend zwischen 1,1455 und 1,1175 eröffnet. (28.11.2018/alc/a/a)
Auslöser für dieses Umdenken sei ein Interview gewesen, das der stellvertretende FED-Präsident Richard Clarida dem TV-Sender CNBC gegeben habe. Bereits damals hat die Deutsche Bank AG zu bedenken gegeben, ob die Worte des FED-Vize nicht vor allem von den Kommentatoren ein wenig überinterpretiert worden seien. Diese Vermutung habe nun gestern neuen Nährboden erhalten, als sich Clarida in einer Rede vor allem für diejenigen ausgesprochen hawkish habe gezeigt haben müssen, die zuletzt auf einen Kurswechsel der US-Notenbank gesetzt hätten. Denn der US-Arbeitsmarkt sei robust, die Löhne nähmen Fahrt auf, und er erwarte ein gutes Wachstum bis ins kommende Jahr hinein, so Clarida. Tatsächlich seien schrittweise Zinserhöhungen angemessen. Er persönlich würde sich sogar, sofern die Inflation an der Oberseite überraschen sollte, für noch mehr Zinserhöhungen als bislang erwartet aussprechen.
Aber auch noch etwas anderes habe Clarida in seiner ausgesprochen interessanten Rede deutlich gemacht. Denn häufig spreche die FED davon, dass die Geldpolitik datenabhängig ("data dependent") sei. Dies bedeute aber nicht, dass diese Abhängigkeit von ökonomischen Daten per se eine geldpolitische Strategie darstelle, sondern dass die neuen Daten zunächst mit entsprechenden Modellen und einer gewissen Dosis an (menschlichem) Urteilsvermögen kombiniert werden müssten, bevor daraus eine geldpolitische Strategie abgeleitet werde. Mit anderen Worten: Es reiche bei weitem nicht aus, ökonomische Daten einfach nur kurzfristig nach dem Motto "Besser (oder schlechter) als erwartet" zu beurteilen, um auf dieser Basis eine Handelsstrategie zu entwerfen.
Tatsächlich hätte der Dollar schon allein aufgrund der Ausführungen des FED-Vizepräsidenten viel deutlicher an Wert gewinnen müssen, als es gestern zu beobachten gewesen sei. Auch dass Donald Trump in einem Interview mit dem Wall Street Journal angedroht habe, ohne Zögern neue Strafzölle auf China-Importe in einer Größenordnung von zusätzlichen 267 Milliarden Dollar zu erheben, sofern beim am 30. November beginnenden G20-Gipfel in Buenos Aires keine Einigung mit China im Handelskonflikt erreicht werden könne, habe zunächst nicht für größere Dollar-Nachfrage gesorgt. Und so habe auch der Euro gestern nur ganz zögerlich einen neuen kurzfristigen Abwärtstrend zwischen 1,1455 und 1,1175 eröffnet. (28.11.2018/alc/a/a)


