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Steigende Inflation und ein geldpolitisches "Basta"
23.04.21 12:30
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Frühlingszeit ist Dividendenzeit, China ist der Wachstums-Star im zweiten Corona-Jahr und die Europäische Zentralbank sagt "Basta" zur Diskussion über steigende Zinsen, so die Analysten der Weberbank.
Die Anleger hätten zurzeit wieder einiges zu verarbeiten.
Wichtige Konjunkturindikatoren hätten in den letzten Wochen bereits einen Vorgeschmack darauf geliefert, was sich in der abgelaufenen Handelswoche mal wieder eindrücklich gezeigt habe. Die USA und China hätten die Covid-19-Pandemie wirtschaftlich hinter sich gelassen und würden sich als die beiden Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft präsentieren. So habe das Wirtschaftswachstum in China im ersten Quartal 2021 einen fulminanten Anstieg von rund 18% im Jahresvergleich verzeichnet. Als eine Ursache für die ungewöhnlich starken Zuwächse würden Ökonomen die niedrige Vergleichsbasis zu Beginn des Vorjahres sehen, als China nach dem Ausbruch des Coronavirus scharfe Kontrollmaßnahmen ergriffen und Fabriken geschlossen habe.
Der Außenhandel habe sich aber schon seit der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder kräftig erholt und trage nun stärker als erwartet zur Erholung der chinesischen Wirtschaft bei. Kräftige Unterstützung hätten hierbei auch die US-amerikanischen Verbraucher geleistet, die dank staatlicher Geldleistungen ihre Konsumausgaben im April weiter erhöht und damit die US-Importe chinesischer Produkte erneut angekurbelt hätten. Die USA seien Chinas wichtigster Handelspartner. Daran habe sich auch nach vier Jahren politischer Eiszeit unter dem ehemaligen US-Präsidenten Trump nichts geändert. Und so könne man konstatieren, dass sich beide Länder aktuell gemeinsam aus der Krise boomen und andere Länder wie Deutschland mitziehen würden, getreu dem Motto: Wo etwas importiert werde, seien meistens auch deutsche Exporte mit im Spiel.
Die jüngsten Inflationsdaten für die USA und den Euroraum würden eine klare Sprache sprechen: Die Teuerungsraten würden seit Wochen kontinuierlich ansteigen. Aus wirtschaftlicher Sicht könne das positiv gewertet werden, denn es zeige sich, dass der Konjunkturoptimismus der letzten Monate nicht unbegründet gewesen sei und sich allmählich in den realen Wirtschaftsdaten niederschlage. So weit, so gut, wenn da nicht noch die Sache mit den Zinsen wäre: Die für den europäischen Rentenmarkt richtungsweisende Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe bewege sich unbeeindruckt von den Konjunkturdaten seit Ende Februar nicht vom Fleck. Das sei mehr als ungewöhnlich, weil doch eine ökonomische Faustregel besage, dass Inflations- mit Zinsanstiegen einhergehen sollten.
Ein solches Verlaufsmuster lasse sich aktuell gut in den USA beobachten, wo steigende Konsumausgaben einen natürlichen Preisdruck entwickelt hätten, der wiederum zu steigenden Kapitalmarktzinsen im längeren Laufzeitenbereich geführt habe. Warum geschehe das momentan nicht auch in Europa? Bei genauerem Hinsehen würden zwei Dinge deutlich, die eine starke Bremswirkung für die Zinsen im Euroraum entfalten würden. Zum einen sei der Preisdruck hierzulande geringer als in den USA. Der Hauptgrund für die Zinsflaute dürfte aber vielmehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu suchen sein. Ungeachtet guter Konjunkturdaten verharre die europäische Geldpolitik weiterhin im Notfallmodus aus 0% Leitzins, milliardenschweren Anleihekäufen und, neuerdings auch, verbalen Interventionen, wenn die Kapitalmarktzinsen mal eine gewisse Aufwärtstendenz zeigen würden. Letzteres könne man auch als geldpolitisches "Basta" der EZB bezeichnen, wodurch eine Diskussion unter Anlegern über eine veränderte EZB-Politik möglichst frühzeitig im Keim erstickt werden solle.
Damit sei das Thema aber wohl nicht vom Tisch - im Gegenteil: Eine verschobene Diskussion habe das Potenzial, zu einem späteren Zeitpunkt umso hitziger geführt zu werden. Spätestens im Herbst müsse die EZB dann wohl Farbe bekennen und erklären, wie sie angesichts einer verbesserten Konjunktur gedenke, den geldpolitischen Normalisierungspfad einzuschlagen und Zinssteigerungen im längeren Laufzeitenbereich zuzulassen. Das werde kein leichtes Unterfangen und erfordere kommunikatives Fingerspitzengefühl von den Währungshütern. Klar sei eins: Die nächsten Monate würden spannend am Rentenmarkt und könnten für Bewegung sorgen. Anleger sollten es daher vermeiden, aktuell größere Laufzeitenrisiken bei Anleihen einzugehen und stattdessen darauf setzen, erfolgte Zinsanstiege schrittweise für Anleihekäufe zu nutzen.
Frühlingszeit sei Dividendenzeit in Europa. Auch wenn bei vielen Unternehmen die genaue Dividendenhöhe erst noch auf den jeweiligen Hauptversammlungen beschlossen werden müsse, scheine so gut wie sicher: Der Dividendenrückgang des schwierigen Corona-Jahres 2020 sei vorbei. In diesem Jahr würden sich die Unternehmen wieder spendabler zeigen und kräftig ausschütten. Die erwarteten Dividendenzahlungen für 2021 lägen in Europa bei rund 359 Milliarden Euro und demzufolge knapp vier Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2018.
Obwohl die europäischen Banken ihre Ausschüttungen auf Empfehlung der Bankenaufsicht vermutlich weiter niedrig halten würden, dürfte es wohl zu einem neuen Dividendenrekordjahr für Aktionäre europäischer Unternehmen kommen. Die höheren Dividendenausschüttungen würden möglich, weil die Unternehmen die Corona-Krise langsam aber sicher hinter sich lassen würden und die globale Konjunktur deutlich anziehe. In diesem Umfeld würden die Unternehmen wieder prächtig verdienen und von den nach wie vor niedrigen Zinsen profitieren.
Setze man die Dividendenzahlungen ins Verhältnis zu den Aktienkursen, so erhalte man die Dividendenrendite. Diese dürfte für den europäischen Leitindex MSCI Europe in diesem Jahr bei ca. 3,5 Prozent liegen und für US-Aktien immerhin auch noch bei rund 2,4 Prozent. Das sei bemerkenswert, seien doch die Aktienkurse in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Man könne daraus schlussfolgern, dass es den Unternehmen kontinuierlich gelinge, ihre Dividendenausschüttungen im Gleichschritt mit den Kursen nach oben anzupassen. Eine gute Nachricht, die die Analysten dazu bewege, Aktien in einem Portfolio weiterhin hoch zu gewichten und auf Qualitätstitel mit attraktiven Dividenden zu setzen.
Wie attraktiv die Dividendenrenditen aktuell seien, zeige sich aber erst so richtig im Vergleich mit festverzinslichen Wertpapieren. Im weltweiten Durchschnitt würden große Unternehmen ihren Gläubigern rund 1,1 Prozent zahlen. Selten sei die Diskrepanz zwischen Dividendenrenditen und Anleiherenditen so groß wie heute gewesen. Die Aktienanleger werde es freuen und Anleiheinvestoren dürften vor Neid erblassen. (23.04.2021/alc/a/a)
Die Anleger hätten zurzeit wieder einiges zu verarbeiten.
Wichtige Konjunkturindikatoren hätten in den letzten Wochen bereits einen Vorgeschmack darauf geliefert, was sich in der abgelaufenen Handelswoche mal wieder eindrücklich gezeigt habe. Die USA und China hätten die Covid-19-Pandemie wirtschaftlich hinter sich gelassen und würden sich als die beiden Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft präsentieren. So habe das Wirtschaftswachstum in China im ersten Quartal 2021 einen fulminanten Anstieg von rund 18% im Jahresvergleich verzeichnet. Als eine Ursache für die ungewöhnlich starken Zuwächse würden Ökonomen die niedrige Vergleichsbasis zu Beginn des Vorjahres sehen, als China nach dem Ausbruch des Coronavirus scharfe Kontrollmaßnahmen ergriffen und Fabriken geschlossen habe.
Der Außenhandel habe sich aber schon seit der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder kräftig erholt und trage nun stärker als erwartet zur Erholung der chinesischen Wirtschaft bei. Kräftige Unterstützung hätten hierbei auch die US-amerikanischen Verbraucher geleistet, die dank staatlicher Geldleistungen ihre Konsumausgaben im April weiter erhöht und damit die US-Importe chinesischer Produkte erneut angekurbelt hätten. Die USA seien Chinas wichtigster Handelspartner. Daran habe sich auch nach vier Jahren politischer Eiszeit unter dem ehemaligen US-Präsidenten Trump nichts geändert. Und so könne man konstatieren, dass sich beide Länder aktuell gemeinsam aus der Krise boomen und andere Länder wie Deutschland mitziehen würden, getreu dem Motto: Wo etwas importiert werde, seien meistens auch deutsche Exporte mit im Spiel.
Die jüngsten Inflationsdaten für die USA und den Euroraum würden eine klare Sprache sprechen: Die Teuerungsraten würden seit Wochen kontinuierlich ansteigen. Aus wirtschaftlicher Sicht könne das positiv gewertet werden, denn es zeige sich, dass der Konjunkturoptimismus der letzten Monate nicht unbegründet gewesen sei und sich allmählich in den realen Wirtschaftsdaten niederschlage. So weit, so gut, wenn da nicht noch die Sache mit den Zinsen wäre: Die für den europäischen Rentenmarkt richtungsweisende Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe bewege sich unbeeindruckt von den Konjunkturdaten seit Ende Februar nicht vom Fleck. Das sei mehr als ungewöhnlich, weil doch eine ökonomische Faustregel besage, dass Inflations- mit Zinsanstiegen einhergehen sollten.
Damit sei das Thema aber wohl nicht vom Tisch - im Gegenteil: Eine verschobene Diskussion habe das Potenzial, zu einem späteren Zeitpunkt umso hitziger geführt zu werden. Spätestens im Herbst müsse die EZB dann wohl Farbe bekennen und erklären, wie sie angesichts einer verbesserten Konjunktur gedenke, den geldpolitischen Normalisierungspfad einzuschlagen und Zinssteigerungen im längeren Laufzeitenbereich zuzulassen. Das werde kein leichtes Unterfangen und erfordere kommunikatives Fingerspitzengefühl von den Währungshütern. Klar sei eins: Die nächsten Monate würden spannend am Rentenmarkt und könnten für Bewegung sorgen. Anleger sollten es daher vermeiden, aktuell größere Laufzeitenrisiken bei Anleihen einzugehen und stattdessen darauf setzen, erfolgte Zinsanstiege schrittweise für Anleihekäufe zu nutzen.
Frühlingszeit sei Dividendenzeit in Europa. Auch wenn bei vielen Unternehmen die genaue Dividendenhöhe erst noch auf den jeweiligen Hauptversammlungen beschlossen werden müsse, scheine so gut wie sicher: Der Dividendenrückgang des schwierigen Corona-Jahres 2020 sei vorbei. In diesem Jahr würden sich die Unternehmen wieder spendabler zeigen und kräftig ausschütten. Die erwarteten Dividendenzahlungen für 2021 lägen in Europa bei rund 359 Milliarden Euro und demzufolge knapp vier Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2018.
Obwohl die europäischen Banken ihre Ausschüttungen auf Empfehlung der Bankenaufsicht vermutlich weiter niedrig halten würden, dürfte es wohl zu einem neuen Dividendenrekordjahr für Aktionäre europäischer Unternehmen kommen. Die höheren Dividendenausschüttungen würden möglich, weil die Unternehmen die Corona-Krise langsam aber sicher hinter sich lassen würden und die globale Konjunktur deutlich anziehe. In diesem Umfeld würden die Unternehmen wieder prächtig verdienen und von den nach wie vor niedrigen Zinsen profitieren.
Setze man die Dividendenzahlungen ins Verhältnis zu den Aktienkursen, so erhalte man die Dividendenrendite. Diese dürfte für den europäischen Leitindex MSCI Europe in diesem Jahr bei ca. 3,5 Prozent liegen und für US-Aktien immerhin auch noch bei rund 2,4 Prozent. Das sei bemerkenswert, seien doch die Aktienkurse in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Man könne daraus schlussfolgern, dass es den Unternehmen kontinuierlich gelinge, ihre Dividendenausschüttungen im Gleichschritt mit den Kursen nach oben anzupassen. Eine gute Nachricht, die die Analysten dazu bewege, Aktien in einem Portfolio weiterhin hoch zu gewichten und auf Qualitätstitel mit attraktiven Dividenden zu setzen.
Wie attraktiv die Dividendenrenditen aktuell seien, zeige sich aber erst so richtig im Vergleich mit festverzinslichen Wertpapieren. Im weltweiten Durchschnitt würden große Unternehmen ihren Gläubigern rund 1,1 Prozent zahlen. Selten sei die Diskrepanz zwischen Dividendenrenditen und Anleiherenditen so groß wie heute gewesen. Die Aktienanleger werde es freuen und Anleiheinvestoren dürften vor Neid erblassen. (23.04.2021/alc/a/a)
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