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Steigende Erwartungen an US-Zinssenkung


04.06.19 13:15
XTB

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An der Wall Street war zu Beginn der neuen Handelswoche eine wirklich volatile Sitzung zu beobachten, da die Daten enttäuschten und sich der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter intensivierte, so die Experten von XTB.

Der ISM-Herstellungsindex sei von 52,8 auf 52,1 Punkte auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2016 gefallen und das Markit-Pendant (EMI) habe ebenfalls nachgegeben und mit 50,5 Punkten das tiefste Niveau seit 2009 erreicht. Andererseits hätten die Bauinvestitionen in den USA im April überraschend stagniert. Prognostiziert worden sei ein Anstieg von 0,4% im Monatsvergleich, wobei der Wert des Vormonats eine beachtliche Aufwärtsrevision von -0,9% auf 0,1% erhalten habe.

Insgesamt würden die Daten zeigen, dass die US-Wirtschaft nicht immun gegen die globalen Abwärtsrisiken sei. Die Risikobereitschaft der US-Anleger werde zusätzlich von den Befürchtungen, dass die US-Kartellbehörden Alphabet, Facebook, Apple und Amazon ins Visier nehmen würden, negativ beeinflusst. Die Märkte seien bereits dabei, eine Zinssenkung einzupreisen, und die jüngsten Kommentare des St. Louis FED-Präsidenten James Bullard hätten diese Erwartungen verstärkt. Globale Wachstumsrisiken sowie die schwächelnde Inflation könnten eine Zinssenkung "bald rechtfertigen", heb es geheißen.

Der marktbreite S&P 500 habe sich gestern nach der tieferen Eröffnung etwas erholen können, allerdings bewege sich der US-Aktienindex weiter auf gefährlichem Terrain. Solange sich das Stimmungsbild nicht verbessert oder die unterschrittene 2.800 Punkte-Marke nachhaltig zurückerobert werde, könnte ein erneuter Ausverkauf drohen.

Politische Stabilität sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine Wirtschaft und diese werde in Deutschland aufgrund des Rücktritts von Andrea Nahles sowie globaler Unsicherheitsfaktoren derzeit in Gefahr gebracht. Nahles habe am Sonntag ihren Rücktritt als Partei- und Fraktionschefin der SPD mit der Begründung angekündigt, dass "der notwendige Rückhalt nicht mehr da sei".

Andererseits würden Unternehmen und Anleger durch den anhaltenden Handelsstreit sowie den ungelösten Brexit im Ungewissen gehalten. Das sei insgesamt keine gute Entwicklung, insbesondere nachdem in der deutschen Wirtschaft immer mehr Stimmen vor dem Platzen der großen Koalition warnen würden. Es sei "wichtig, dass solide Verhältnisse, hohe Verlässlichkeit und konkretes Regierungshandeln die politischen Schlagzeilen in Deutschland beherrschen", habe der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Montag erklärt.

Die Stabilität hänge letztendlich davon ab, ob die große Koalition fortbestehen könne oder nicht. Nach den schwachen Ergebnissen von CDU/CSU und SPD bei den Europawahlen und dem starken Vertrauensgewinn der Grünen (Partei habe über 20% der Stimmen erhalten) seien die Sorgen um eine politische Krise mehr als berechtigt. Viele würden nun Neuwahlen fordern, allerdings dürfte sich die Bildung einer neuen Regierung als schwierig erweisen und könnte mit einem monatelangen Regierungsstillstand verbunden sein. Solche Problemverlagerungen kenne man bereits vom Brexit-Prozess. Entscheidender wäre also vorerst der Versuch die SPD zu stabilisieren, um das Funktionieren der Regierung zu gewährleisten.

Der DAX setze seinen gestrigen Erholungskurs fort und notiere zum Zeitpunkt des Schreibens wieder oberhalb der 11.800 Punkte-Marke sowie der 200-Tage-Linie (EMA). Der Schlusskurs sei jedoch entscheidend, sodass abzuwarten bleibe, was der weitere Verlauf des Handelstages mit sich bringe. Das Vertrauen in den deutschen Aktienmarkt bleibe angeschlagen und die Bullen würden mit wichtigen Widerständen konfrontiert. (04.06.2019/alc/a/a)