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Stärkt die Coronakrise den Anleihemarkt?


03.06.20 10:45
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Durch die Coronakrise haben Unternehmen und Anleger ihr Handeln verändert, das wird in den kommenden Monaten tief greifende Auswirkungen auf die Anleihemärkte haben, weiß Paul Brain, Leiter des Fixed Income Teams bei Newton IM - einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management - und Manager des BNY Mellon Global Dynamic Bond Fund.

Durch die Coronakrise werde die Bilanzstärke eines Unternehmens wieder wichtiger als der Shareholder-Value. Das sei auch in den Zeiten der globalen Finanzkrise so gewesen. Wir glauben, dass dieses Umdenken zu einem anleihefreundlichen Umfeld beiträgt, so Paul Brain, Leiter des Fixed Income Teams bei Newton IM, weiter.

Die wirtschaftliche Herausforderung, vor der die Unternehmen stünden, sei größer als je zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele Firmen würden sich nicht mehr auf die Maximierung des Shareholder-Value durch Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen fokussieren. Stattdessen würden sie ihr Kapital in die Substanz des Unternehmens investieren, um die Krise, in der ihnen der Cashflow weggebrochen sei, zu überstehen.

In vielen Ländern würden im Rahmen der QE-Programme nicht nur Staatsanleihen, gekauft, sondern auch Unternehmen mit Investment-Grade-Status, damit sie sich in der Krise finanzieren könnten. Das stärke das Vertrauen von Anlegern in den Anleihenmarkt, weil sich dadurch deren Risiko reduziere, Verluste zu machen.

Anleger könnten sich auch durch den Wegfall von Dividendenzahlungen Anleihen zuwenden, deren Erträge vertraglich festgelegt und daher stabiler seien. Die wirtschaftliche Unsicherheit habe zwar das Potenzial für Herabstufungen und Ausfälle von Anleihen erhöht, aber gleichzeitig auch die Renditen über ein breites Anleihen-Universum hinweg steigen lassen und damit den zukünftigen Einkommensstrom verbessert.

Der Markt für Investment-Grade-Anleihen verzeichne durch die Unterstützung der Zentralbanken und die Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung einen Rekord an Neuemissionen. Wir bleiben allerdings vorsichtig, was Schwellenländerstaatsanleihen und auch Hochzinsanleihen betrifft, da wir davon ausgehen, dass die Ausfallraten stark steigen werden, so Paul Brain, Leiter des Fixed Income Teams bei Newton IM. Außerdem denke Paul Brain nicht, dass die Renditen am Hochzinsmarkt das Risiko ausgleichen würden, das Anleger momentan eingehen müssten.

Für Unternehmen wie für Anleger gelte jedenfalls, dass sie aus der derzeitigen Krise lernen und zukünftig ihre Barmittel erhöhen sollten, um nicht (wieder) in eine Zwangslage zu geraten. (03.06.2020/alc/a/a)