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Staatsanleihen: Renditeabschwung hält an


03.06.19 09:37
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der letzten Woche waren einmal mehr sichere Staatsanleihen gesucht, so die Experten von Union Investment.

Dort habe sich angesichts der Ängste vor einer weltweiten Abkühlung der Konjunktur und des sich weiter verschärfenden Handelsstreits - nach den USA/China nun auch die USA/Mexiko betreffend - der Kursaufschwung fortgesetzt.

Im Euroraum sei dabei die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen am Freitagmittag um weitere 10 auf ein neues Renditetief von minus 21 Basispunkten gefallen. Die bundesdeutsche Zinskurve habe sich um 4 bis 11 Basispunkte nach unten verschoben und dabei etwas flacher tendiert, da die Renditen der langen Laufzeiten etwas mehr nachgegeben hätten als in den kürzeren Fälligkeiten.

Sehr erfreulich verlaufen sei die Entwicklung am griechischen Bondmarkt. Die im Nachgang der Wahlen zum EU-Parlament erfolgte Ankündigung von Neuwahlen und die damit einhergehende Aussicht auf einen Wahlerfolg der als marktfreundlich eingeschätzten Partei Nea Dimokratia habe die Notierungen griechischer Staatsbonds steigen lassen. Deren Zehnjahresrendite sei am Freitag mit 2,95 Prozent unter die 3,0-Prozentmarke gefallen und habe damit ebenfalls ein historisches Tief erreicht. Zum Vergleich: In der Vorwoche sei die Zehnjahresrendite noch um die 3,4-Prozentmarke gependelt.

Auch an den anderen Euro-Staatsanleihemärkten habe sich - mit Ausnahme von Italien - der rückläufige Renditetrend fortgesetzt. So hätten etwa portugiesische Zehnjahrespapiere mit nur noch 0,8 Prozent rentiert.

Italien habe sich hingegen in der Berichtswoche als Ausreißer gezeigt, die Entwicklung am italienischen Bondmarkt sei weniger erfreulich gewesen. Die italienische Regierung in Person von Vize-Ministerpräsident Salvini habe sich angesichts des Erfolges der Lega-Partei bei den Europawahlen zur Ankündigung von Steuererleichterungen und der Forderung nach lockereren Defizitregeln ermuntert gesehen. Hinsichtlich der Steuerthematik seien dabei für das kommende Jahr Erleichterungen in Höhe von 30 Milliarden Euro angekündigt worden. Zudem solle die beschlossene Mehrwertsteuererhöhung im Umfang von 23 Milliarden Euro zurückgenommen werden. Letztlich würde Italien im kommenden Jahr sowohl gegen den EU-Stabilitätspakt (Staatsschuld mehr als 130 Prozent des BIP) verstoßen als auch eine übersteigerte Neuverschuldung erfahren. Die EU werde nun ein Defizitverfahren einleiten und in einem ersten Schritt einen Bericht hinsichtlich Italiens Verschuldungssituation erstellen. Gleichzeitig hätten am Markt Gerüchte hinsichtlich möglicher Strafzahlungen im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro die Runde gemacht. Die Ingangsetzung des Prozesses als Disziplinierungsmaßnahme der EU werde wohl nicht lange auf sich warten lassen. Auch mache sich die Lega für eine Stärkung der italienischen Interessen innerhalb der EZB nach dem Rückzug von Präsident Mario Draghi im Oktober stark.

Diese Gemengelage habe die Rendite und damit auch die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen (zu deutschen Bundesanleihen) deutlich anziehen lassen. Per Freitagmitte habe die Zehnjahresrendite bei etwas mehr als 2,7 Prozent (plus 16 Basispunkte im Wochenvergleich) gelegen. Der Risikoaufschlag (Spread) zu deutschen Bundesanleihen habe mit 293 Basispunkten einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Entgegengesetzt sei die Entwicklung am spanischen Markt verlaufen. Spanische Staatsanleihen würden eine positive Rendite bieten und im Vergleich zu Italien geringere politische und fiskalische Risiken aufweisen.

Auch am US-Markt habe sich in Erwartung einer weniger restriktiven US-Notenbank der Renditeabschwung weiter fortgesetzt. Mit 2,15 Prozent liege die Rendite im Zehnjahresbereich mittlerweile um mehr als einen ganzen Prozentpunkt unter dem Stand im vergangenen November. Gegenüber der FED habe sich am Markt hinsichtlich der Zinspolitik nunmehr hoher Erwartungsdruck aufgebaut. Die Zinskurve habe sich in der Berichtswoche ab zwei Jahren Laufzeit parallel um 16 Basispunkte nach unten verschoben. Unternehmensanleihen und Papiere aus den Schwellenländern hätten im Gegenzug erhöhte Risikoprämien aufgewiesen. (Ausgabe vom 31.05.2019) (03.06.2019/alc/a/a)