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Staatsanleihen: 2019 werden keine US-Zinsanhebungen erwartet


22.01.19 11:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die vorsichtige Einschätzung von Aktien Ende November hat sich als goldrichtig erwiesen, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Immerhin sei für US-Aktien mit einem Rückgang von fast 10% der schlechteste Dezember der letzten 50 Jahre gefolgt. Mit einem Rückgang von 14% habe auch das vierte Quartal 2018 unter den schlechtesten zehn Quartalen des letzten halben Jahrhunderts (Rang acht) gelegen. Nach derartigen Rückgängen komme es in aller Regel zu einer steilen Erholung, die diesmal eingesetzt habe, als sich die Marktteilnehmer zu den Weihnachtsfeiertagen zurückgezogen hätten.

In der ersten Phase seien solche Erholungen nicht notwendigerweise von verbesserten Fundamentaldaten getrieben. Vielmehr seien es die bereits überverkaufte Situation, die sehr negative Stimmung und die Erschöpfung der Bären, die die Märkte hochschnellen lassen würden. Im aktuellen Fall seien die Aussagen der US-Notenbank dazu gekommen, dass eine Pause bei den Zinsanhebungen überlegt werde. Früher oder später würden die Wachstumsaussichten und andere Einflussfaktoren jedoch wieder in den Fokus rücken. Hier habe sich die Einschätzung nicht verändert: Die globale Wirtschaft schwäche sich ab, die Erwartungen für die Unternehmensgewinne würden nach unten gehen und viele Notenbanken würden die Zügel anziehen. Die momentan laufende Erholung der Aktienkurse werde daher genutzt, um die Aktienquote um einen weiteren Schritt zu reduzieren. Eine positive Einschätzung bestehe hingegen für Rohstoffe (inklusive Edelmetalle).

Noch bis November letzten Jahres sei man für 2019 von zwei weiteren US-Zinsanhebungen ausgegangen. Doch innerhalb weniger Wochen habe sich das Bild so verändert, dass mittlerweile keine Zinsanhebung mehr eingepreist werde. Am kurzen Ende präsentiere sich die US-Zinskurve bereits invers, was die implizite Rezessionswahrscheinlichkeit (auf zwölf Monate betrachtet) deutlich habe ansteigen lassen und damit vermutlich die Nervosität einiger Marktteilnehmer. Weniger thematisiert wird dabei die moderat flachere Zinskurve bei deutschen Staatsanleihen, auf die wir uns positioniert haben, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen hätten sich in den letzten zwölf Monaten fast verdoppelt. Konjunkturindikatoren würden diese Schwächephase zum Teil nachholen und nach Meinung der Experten der Raiffeisen KAG für eine Verfestigung des schwächeren Sentiments sorgen. Die negative Dynamik der Analysten-Gewinnrevisionen befinde sich bereits auf dem schwachen Niveau von 1/2016 und die Ratingagenturen hätten ihre Ausfallsratenprognosen angehoben. In Europa werde ein Ansteigen von dzt. 1,3% auf 3% bis Dezember erwartet.

Nach wie vor befinde sich der Handelskrieg zwischen den USA und China im Fokus des Investoreninteresses. Chinesische Indikatoren hätten sich zuletzt auffallend schwach präsentiert. Beispielsweise das gesunkene Importwachstum, das stark mit der Gewinnentwicklung der Schwellenländer-Unternehmen korreliere. Die kurzfristige Erholung von Emerging Markets-Hartwährungsanleihespreads dürfte wohl dem kurzfristigen Sinken der realen US-Renditen, und damit dem Anstieg des Ölpreises geschuldet sein.

Die entwickelten Aktienmärkte hätten sich von den Kursverlusten im vierten Quartal etwas erholen können. Gleichzeitig hätten sich die Konjunkturaussichten und der Gewinnausblick (einer der wichtigsten Unterstützungsfaktoren der letzten Jahre) eingetrübt. Die Anzahl an Gewinnwarnungen sei zuletzt merklich angestiegen. Die Experten der Raiffeisen KAG sähen dies eindeutig als Warnzeichen. Die Stimmungsindikatoren hätten sich von den Extremwerten (pessimistische Stimmung; kurzfristig positives Signal) zu Jahresende wieder erholt. Wir nutzen daher die Kursanstiege in den letzten Wochen, um unsere vorsichtige Positionierung bei Aktien nochmals zu verstärken, so die Experten der Raiffeisen KAG.

In den letzten Wochen sei es zu einer leichten Entspannung bei Schwellenländer-Aktien gekommen. Verantwortlich dafür sei zum einen der doch recht eindeutige Schwenk bezüglich des weiteren Zinspfades in den USA gewesen. Damit sollten Emerging-Markets-Veranlagungen weniger belastet sein. Zum anderen lebe plötzlich die Hoffnung wieder, dass doch eine Entspannung aufseiten des Handelskonflikts möglich sein könnte. Damit würden nun aktuell recht negative Szenarien etwas ausgepreist. Die Experten der Raiffeisen KAG würden allerdings kurzfristig weiter vorsichtiger bleiben. Die Gewinnentwicklung außerhalb Asiens sei recht freundlich. Asiatische Unternehmen würden jedoch zunehmend die Folgen des Handelskriegs spüren.

Rohstoffe hätten sich nach dem Abverkauf (vor allem bei Energierohstoffen) im vierten Quartal zu Jahresbeginn etwas erholen können. Edelmetallpreise hätten in den letzten Monaten von einer gewissen "Flucht in sichere Häfen" und markant reduzierten US-Zins(erhöhungs-)erwartungen profitiert. Aufgrund einer angespannteren Angebots-/Nachfragesituation und einer attraktiveren Kurvenstruktur (Backwardation) würden die Experten der Raiffeisen KAG für die Assetklasse in den nächsten Monaten eine positive Kursentwicklung erwarten. (22.01.2019/alc/a/a)